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Kreidler @Zürich

Morgen abend um 20h halte ich im Kunstraum Walcheturm in Zürich eine Lecture-Performance und führe meine „5 Programmierungen für MIDI-Keyboard“ auf. Anwesenheit wird erwartet und geprüft von sämtlichen Eidgenossen.

Do 03. Okt 2013 20.00 Uhr BIS Do 03. Okt 2013 23.00 Uhr | Zürich
Sa 05. Okt 2013 20.00 Uhr BIS Sa 05. Okt 2013 23.00 Uhr | Basel

Johannes Kreidler ist der junge Wilde unter den zeitgenössischen Komponisten. Kompositionsaufträge vergab er nach Indien und China und nannte das «Outsourcing». Er vertonte die Börsenkurse von multinationalen Unternehmen und stellte der Urheberrechtsgesellschaft GEMA eine Komposition mit 70 200 Zitaten und den dazugehörenden Formularen zu.

Fremdarbeit nennt der Komponist Johannes Kreidler die Kunstaktion, für die er einen Komponisten aus China und einen Audioprogrammierer aus Indien angeheuert hat, um typische Werke seiner eigenen Musik billig produzieren zu lassen. Die Produktionskosten des Auftragswerks lagen wesentlich unter dem Honorarbetrag, den er selbst einstrich. Mit der Aktion thematisiert Kreidler die global ungleichen Löhne und die Vergabe von Jobs in die einschlägigen Billiglohnländer. «Krisenzeiten sind immer gute Zeiten für die Kunst», proklamiert Kreidler. So komponiert er Melodien aus fallenden Aktienkursen und arrangiert nach eigenen Angaben das teuerste Musikstück der Welt.

Im Jahr 2008 hat der Berliner Komponist ein Stück von 33 Sekunden Länge und mit 70 200 Fremdzitaten komponiert. Unter grossem medialen Interesse meldete der Künstler das Stück mit 70 200 Formularen bei der GEMA an und machte damit auf die Mängel des Urheberrechts im digitalen Zeitalter aufmerksam. Kreidler stellt im Rahmen von :digital brainstorming seine Projekte vor und spielt in Zürich die Komposition «5 Programmierungen eines MIDI-Keyboards». In Basel gibt es die Uraufführung eines Stücks mit dem interaktiven Tisch IRMAT des Elektronischen Studios Basel.

In Zusammenarbeit mit dem Haus für elektronische Künste Basel und dem Kunstraum Walcheturm, Zürich

http://digitalbrainstorming.ch/de/programm/johannes_kreidler

Neues Blog von Gordon Kampe

Mein geschätzter Kollege Gordon Kampe schreibt seit kurzem ein eigenes Blog. Man darf sich auf geistreiche Texte freuen, also klicket alle dorthin, leset und kommentieret:

http://damussfleischdran.wordpress.com/

Snip:

Häufig wird politisch irgendwie aufgeladenes Material aus dem Netz geladen und dann höchst unterschiedlich verarbeitet und auf einem der einschlägigen Festivals präsentiert. Ist das Stück dort ein Erfolg, sind Folgeaufträge garantiert. (Manchmal zeigt das Material echtes Blut, von echten toten Menschen. Total politisch, wenn man die Glückwünsche der Intendanten danach in Empfang nimmt. Bekommt das „Material“ eigentlich was von den Lachshäppchen ab?)

Vortrag „Die digitale Revolution der Musik – Eine Musikphilosophie“ von Harry Lehmann

Vortrag am 2. Juli 2013 an der Bauhaus-Universität sowie der Musikhochschule „Franz Liszt“ in Weimar.
Es handelt sich um eine Überblicksdarstellung der wesentlichen Teiltheorien meines Buches „Die digitale Revolution der Musik – Eine Musikphilosophie“, Mainz: Schott Music 2012.

Radiosendung „Neuer Konzeptualismus“ (SWR2) online

Die andere Radiosendung, die vergangene Woche über den „Neuen Konzeptualismus“ gesendet wurde (Kulturtechno berichtete), steht nun auch online.

23.9.2013
23:03
SWR2 JetztMusik
Neuer Konzeptualismus
Zu einer Trendwende aktuellen Komponierens – nicht erst bei jungen Komponisten
Von Gisela Nauck

Der Begriff des “Neuen Konzeptualismus” ist eine trotzige Behauptung des Komponisten Johannes Kreidler, der dafür wohldurchdachte Gründe anzuführen weiß. Und er ist längst nicht der einzige, denkt man an Arbeiten von Patrick Frank, Trond Reinholdtsen, Bill Dietz, Jeniffer Walshe, Wolfgang Heisig, Anton Wassiljew, Manos Tsangaris, Antoine Beuger und viele andere. Die Reanimierung eines konzeptuellen Denkens in der Musik signalisiert die Abwendung von der Idee einer abstrakt autonomen, rein klangbasierten Musik zugunsten einer starken Idee, aus der sich Musik generiert. Einer Idee, die brisante soziale oder kulturelle Kontexte in die Musik hineinzuholen vermag. Ein Beispiel dafür ist Kreidlers “Fremdarbeit”, andere Beispiele sind Peter Ablingers “Stadtoper und Landschaftsoper”, Mathias Spahlingers “doppelt bejaht”, Trond Reinholdtsens “Die Geburt der Musik aus dem Geist der Musik”, Anton Wassiljews “rendering Studies” oder Lars Petter Hagens “To Zeitblom”. Hat der Philosoph Harry Lehmann Recht, wenn er von einer “gehaltsästhetischen Wende” in der neuen Musik spricht, oder was sind die Gründe für die Hinwendung zu einem “neuen Konzeptualismus”?

Manuskript der Sendung

Ear Training II,1 – 23

Meine Radiosendung „Neuer Konzeptualismus“ steht online

Meine Radiosendung vom 24.9. über den „Neuen Konzeptualismus“ (Kulturtechno berichtete) hat jemand online gestellt.

Darin werden Werke und Texte von folgenden Künstlern und Autoren besprochen:

Peter Ablinger
Anonymus
Cory Arcangel
Jens Brand
Eric Carlson
Stefan Drees
Jarrod Fawler
Patrick Frank
Seth Kim-Cohen
Harry Lehmann
Arno Lücker
Trond Reinholdtsen
Tobias E. Schick
Kirill Shirokov
Anton Wassiljew

Ear Training II,1 – 22

John Cage’s „As Slow As Possible“ (ASLSP), played as fast as possible.

Seit 2001 wird in Halberstadt das Orgelstück ORGAN²/ASLSP (as slow as possible) mit einer Spieldauer von 639 aufgeführt. Hier die kürzest mögliche Version des Stücks:

(Nach der Idee von Niclas Thobaben)

Ear Training II,1 – 21

Der „Telegraph“ über künstlerische Sonifikation

Der „Telegraph“ bespricht ein Stück, das im Sommer die Runde gemacht hat, die Sonifizierung der globalen Erwärmung auf dem Cello. In den sozialen Netzwerken wurde darüber reichlich und zu Recht gelästert, der Telegraph weiß wenigstens, dass es auch besser geht…

However the inherent banality of statistics-as-notes can become entertaining, in the hands of a real composer. There’s a good example by Johannes Kreidler, a young German composer whose pieces are a mordant and often entertaining commentary on the effects of new technology and globalisation on music. His piece Charts Music takes things like the Dow Jones index and General Motors share price and turns them into aggressively banal little ditties. You find yourself laughing, slightly uneasily. After the ponderous but ultimately empty seriousness of Crawford’s piece it’s very refreshing.

http://www.telegraph.co.uk/culture/music/classicalmusic/10276163/The-plodding-music-of-global-warming.html