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Deutschlandfunk Kultur wiederholt meine Radiosendung „Neuer Konzeptualismus“ von 2013

Vielleicht war es auch die Lust an der Etikettierung, dass der Komponist Johannes Kreidler 2013 den „Neuen Konzeptualismus“ ausrief. Kreidler zeigt, wie die in der bildenden Kunst weit verbreitete Konzeptkunst auch die Musik vor neue Fragen stellt.

In den letzten Jahren meldet sich zunehmend eine junge Generation von Komponistinnen und Komponisten zu Wort, die Komponieren kaum noch als musikalische Entscheidung Note gegen Note versteht. Die Überzeugung scheint zu wachsen, dass allein die Verfeinerung elaborierter Kompositionstechniken keine angemessene Antwort auf aktuelle Fragestellungen geben kann.

Wirklichkeitsbezug durch Alltagserfahrungen

Stattdessen versuchen die Künstler einen neuen Wirklichkeitsbezug herzustellen. Auf Inspiration durch Alltagserfahrungen setzend, wird Musik medial erweitert, es werden neue Kontexte hergestellt, neue Aufführungsformen ausprobiert, die brisante politisch, soziale oder kulturelle Fragen in die Musik hinein holen sollen.


https://www.deutschlandfunkkultur.de/neuer-konzeptualismus-ueber-eine-aktuelle-stroemung-in-der.3819.de.html?dram:article_id=450879

Früher auf Kulturtechno:
“Neuer Konzeptualismus” im Radio

Workspace Juli-September

#Selbstauslöser

Früher auf Kulturtechno

Red Room

#Selbstauslöser

Mein neues Musiktheaterstück an der Volksbühne

An der Volksbühne Berlin wird am 28.9.2019 im Rahmen des BAM! Festivals mein neues Musiktheaterwerk „Selbstauslöser“ Premiere feiern. Alle kommen!

Portraitsendung auf Schweizer Radio SRF 2 Kultur

Heute abend um 20h strahlt das Schweizer Radio SRF 2 Kultur eine neue Portraitsendung über mich aus, von Moritz Weber.

Johannes Kreidler, der Konzept-Virtuose
Der deutsche Komponist und Medienkünstler sorgt schon seit den Nullerjahren regelmässig für Furore in der Musikszene. Er bringt das Publikum zum Nachdenken, zur Kontemplation, zum Lachen oder in Rage.
Musik über die Finanzkrise? Eine Musikperformance über das Urherberrecht? Eine Oper über die Liebe zwischen Bürgern und ihrem Staat? Johannes Kreidler bringt unverfroren Dinge zusammen, die auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammen passen. Er dekonstruiert Altbekanntes, kann aber auch ganz klangsinnlich und poetisch sein.

Virtuos jongliert er mit seinen vielen Ideen, spürt Absurditäten des Lebens und unserer Welt auf und spitzt sie noch weiter zu. Darüber hinaus polarisiert er mit gewagten Thesen: «Das Instrumentarium des 21. Jahrhunderts sind weniger die Oboe oder die Viola, als die Klangarchive des weltweiten Netzes.»

Johannes Kreidler, die Galionsfigur des «Neuen Konzeptualismus», im Portrait in Musik unserer Zeit.

Redaktion: Moritz Weber

https://www.srf.ch/sendungen/musik-unserer-zeit/johannes-kreidler-der-konzept-virtuose

Mein Text „Medien der Komposition“ auf englisch

Mein Text „Medien der Komposition“ von 2008, damals erschienen in Musik & Ästhetik, ist jetzt von Dakota Wayne ins Englische übersetzt worden.

Der Text ist mein zentraler theoretischer Text bis heute; in ihm wird Luhmanns Medium/Form-Unterscheidung auf die Musik angewandt. Im Kunstwerk ist eine verschachtelte Konfiguration von Medien-für-Formen und ein selbstreflexives Verständnis von der „Differenz von Medium und Form, die ihrerseits medial“ wird, zu beobachten.

http://www.kreidler-net.de/theorie/medien-der-komposition.htm

Hörscham

(Eine Geschichte aus den Jahren 2009-2014)

Bei den ersten iPhones war es noch so, wenn man das Kopfhörerkabel abzog, dass dann automatisch auf den handyeigenen Lautsprecher umgestellt wurde. Was zur Folge hatte, dass, wenn man beispielsweise im Zug Musik hörte und durch eine unbedachte Körperbewegung den Stecker herausriss, dann alle um einen herum der Musik gewahr wurden, die man gerade noch in der Kopfhörerkabine ganz für sich alleine hörte. So ein Moment, der mir Vielreisendem im langen fünfjährigen Leben meines ersten Smartphones doch manches Mal passierte, war ein Moment der >Hörscham<. Natürlich wegen der jähen akustischen Belästigung, aber eben auch, weil ich immer so abseitige Musik höre. (Nein, ich verrate jetzt natürlich kein Beispiel!) Nun gab es seinerzeit gewiss unsensible Naturen, denen so ein Versehen ihrerseits herzlich egal war, und die sich überhaupt nicht beeilten, ihr herausgelöstes Verbindungsstück wieder in die Buchse einzuführen, wie einen manche Telefonierer im Zug ja auch schonungslos mithören lassen, was ihnen ihr Untenrum-Doktor gestern diagnostiziert hat. Aber vielleicht noch schlimmer müssen diese Gesellen gewesen sein, die es ebenfalls gegeben haben muss (denn seit dem Internet wissen wir, es gibt alles irgendwo), die jenen technischen Umstand ganz gezielt ausnutzten, um sich im öffentlichen Raum kurzzeitig vor allen anderen musikgeschmacklich zu entblößen. Scheinbar versehentlich (in Wahrheit aber mit voller Absicht!) befreiten sie den Stecker aus seinem Refugium, damit ein paar Sekunden lang schamlos ihr intimstes Musikalisches der Umgebung preisgegeben ward, weil sie es sonst nie mit jemandem teilen konnten. Selbst in der Anwesenheit von Kindern oder sogar mit Vorliebe dort trieben die Hörexhibitionisten ihr Unwesen, das schließlich durch technischen Fortschritt beseitigt werden konnte. Firmen wie Apple, die ja jeden möglicherweise weiblichen Nippel inexistent zu machen gedenken, griffen durch und bereiteten durch die Funktion, die bei Kabelentfernung den Musikplayer automatisch auf Pause stellt, dem Phänomen der Hörscham wie auch dem Hörexhibitionismus ein Ende.

Text „Musik mit Musik“ / „Music with Music“ / „Musique avec Musique“

Mein grundlegender Text „Musik mit Musik“ (2012, Darmstädter Beiträge zur Neuen Musik) ist jetzt auch ins Englische (Übersetzung: Kreidler / Haosi Howard Chen) und Französische (Übersetzung: Jonathan Bell) übersetzt.
Die französische Fassung ist in der Zeitschrift „L’education musicale“ erschienen; Bell hat dafür außerdem auch meine „Sätze über musikalische Konzeptkunst“ übersetzt.

Früher ist der Text bereits ins Polnische und Slowenische übertragen worden. Großen Dank an alle Übersetzer*innen!

Gestern Abend

Arbeit von 2013, aus Sheet Music.

Links in eigener Sache

-Harry Lehamnn hat einen Vortrag über Konzeptmusik gehalten, darin kommt auch meine Arbeit vor

(hier der Vortrag auf englisch)

-Sandy Podlasly hatte mich letztes Jahr in Halle bei einem Nachgespräch von Mein Staat als Freund und Geliebte mit einem ulkigen Bild beschenkt, das offenbar immer noch im Hallischen Operncafé hängt.

-Die Klangwerkstatt Berlin hat jetzt einen eigenen YouTube-Kanal, auf dem sie Videos von ihren Konzerten sammelt, darin auch Dokumente meiner Beteiligungen an dem schönen Festival.

-Im Januar wurden in Essen meine Toccatas für Orgel von Matthias Geuting uraufgeführt

-Das Australische Festival Liquid Architecture, bei dem ich 2014 und 2016 zu Gast war, hat eine Künstlerseite von mir erstellt.

-In der NMZ bespricht Dirk Wieschollek die neue DEGEM-Cd „Drop the Beat„, darunter auch mein Konzeptstück „Ferneyhough’s 2nd string quartet, rendered with Band-in-a-Box“.

-Stefan Hetzel hat mein Glissandoflötenstück gebloggt:

Bei dieser Komposition denke ich nicht an „erweiterte Spieltechniken“ à la Lachenmann, denn es geht hier in keinster Weise um irgendeine Entlarvung irgendeines überkommenen ästhetischen Apparats. Die Glissandoflöte ist vielmehr Trigger nicht-musikalischer (hier: visueller) Events, sie dirigiert eine strukturierte Abfolge von Bildern und Clips. Diese wiederum mögen dem unerfahrenen Auge zunächst ein wenig kryptisch, aber jedenfalls nicht willkürlich erscheinen.
Je länger man hinhört und -schaut, desto stärker erschließen sich einem jedoch die aufklärerischen Absichten des Komponisten: Es geht um die Darstellung von universellen „Schönheitslinien“ im Sinn von Hogarths The Analysis of Beauty.

-Hristina Susak hat in ihrer Diplomarbeit „Methoden und Prozesse der Analyse allgemein und in Musik und Konzeptkunst (Performance)“ ausführlich mein Stück Instrumentalisms C analysiert.

-Christian Grüny hat in der Neuen Zeitschrift für Musik wieder etwas zur Debatte um den Musikbegriff beigetragen – „Wider die Verengung. Die umgekehrte Perspektive auf den Musikbegriff„. Der Text nimmt auch Bezug auf meinen Text „Der erweiterte Musikbegriff“.

-Nina Noeske hat für die Positionen, die seit dieser Ausgabe von einem neuen, jungen Team herausgegeben werden, einen schönen Text (nach einem Vortrag in Luxemburg beim Rainy Days Festival 2018) über „(Selbst-)Reflexion in der Gegenwartsmusik – mit einigen Notizen zum Thema >Gender<" geschrieben. Darin auch Betrachtungen zu meinen Musiktheaterarbeiten, bspw. Audioguide

Aufgenommen und neu »komponiert« bzw. in Szene gesetzt werden u.a. Debatten über die Digitalisierung (als Teil der Voraussetzungen, unter denen das Werk überhaupt zustande kam), aber auch eine Face-book-Diskussion von 2012 wird zitiert und, wiederum, inszeniert. In jener Diskussion ging es nicht zuletzt um den Komponisten selbst, der nicht davor zurückscheut, sich in seinem Werk als Teil einer Profilierungsmaschinerie zur Schau zu stellen. Dass all dies in Johann Sebastian Bachs Choral Oh Haupt voll Blut und Wunden mündet, ist nicht ohne Selbstironie.

-Und dann war da noch diese Formulierung in der Zeitschrift Musik & Ästhetik, um deren Niveau man sich mittlerweile ernsthafte Sorgen machen muss…

(aus: Cosimo Mario Schmidt, Zum Problem des Klanges in der Musik und seiner Fetischisierung; Musik & Ästhetik 89)