Diatone war eine auf Lautsprecher spezialisierte Abteilung von Mitsubishi Electric. Die ersten Lautsprecher wurden im Herbst 1945 für den japanischen Radiosender NHK gebaut. Die Abteilung wurde 1999 geschlossen.
(via Glaserei)

Diatone war eine auf Lautsprecher spezialisierte Abteilung von Mitsubishi Electric. Die ersten Lautsprecher wurden im Herbst 1945 für den japanischen Radiosender NHK gebaut. Die Abteilung wurde 1999 geschlossen.
(via Glaserei)
US-Wissenschaftler haben die seismischen Daten des Erdbebens in Japan 2011 in den hörbaren Bereich geholt. Hier ist das ganze dokumentiert und anhörbar. Fehlt nur noch das Songsmith-Arrangement.
Wieder mal hat jemand eine Zeittafel mit der Geschichte der Elektronischen Musik erstellt. Natürlich schreibt jeder eine andere Geschichte, und in dem Fall finde ich es ziemlich ungenügend, aber schön ist, dass in einer eigenen Spalte grundsätzlich die relevanten Erfindungen der Zeit gelistet werden.

Früher auf Kulturtechno: Die Geschichte der elektronischen Musik als Facebook-Timeline
Vor zwei Wochen endeten die diesjährigen Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik, ich war die ganze Zeit über dabei.
Zwei Tendenzen haben sich für mich gezeigt:
1. Demokratisierung. Der „Open Space“ ist eine wunderbare Angelegenheit und tatsächlich eine Revolution in Darmstadt: Es stehen viele Räumlichkeiten mitsamt Technik, in einem Raum sogar mit einem Flügel, großen Lautsprechern, Mikrofonen und Lichtanlage zur Verfügung, in denen jede(r) seine eigene Präsentation, Lecture, sein kleines Konzert veranstalten kann. Heißt aber auch: Nie wieder wird es in Darmstadt die „großen“ Diskussionen geben, stattdessen Ausdifferenzierung: Jede(r) geht eben zu der Veranstaltung, die ihn/sie interessiert. Ich habe dort viele interessante Sachen erlebt (zB hat einer eine gute Idee vorgestellt, wie man am Laptop die Verteilung von Musikern im Raum darstellen kann) – und leider viele verpasst, von denen mir andere nachher erzählt haben. Und es heißt: Die Darmstadt-Besucher haben es zu einem Gutteil selber in der Hand, Darmstadt attraktiv zu machen (also: Alle Kritiker von außen mögen einfach kommen und es besser machen, die Räume stehen offen).
2. Technisierung. Die Neue Musik wird immer mehr zur Medienkunst; einige Konzerte vor allem der jüngeren Ensemble-Generation setzten auffällig diesen Akzent. Zu nennen wären das Nadar-Konzert, das Besides-Konzert, das Ictus-Konzert, das Exaudi-Konzert, das Konzert von Oslo Sinfonietta und vom Zwerm Quartet. Es wird selbstverständlich bei der neuen Ensemble-Generation und bei den Komponisten, dass anspruchsvollste Technik beherrscht und eingesetzt wird. Schon räumlich war der Unterschied prägnant: die „klassischen“ Konzerte fanden in der barocken Orangerie statt, die „neuen“ (wenn ich so sagen darf) in der modernen Mehrzweckhalle (Centralstation) und im Club (603qm). Ich bin irgendwann gar nicht mehr zu den klassischen Konzerten gegangen, den Berichten nach hat mich mein Bauchgefühl nicht getäuscht.
Auch die Konzertform selbst wandelt sich: Konzerte werden ohne Applausunterbrechungen durchgespielt und dramaturgisch gestaltet; Ictus hat die Stücktitel auf eine Leinwand projiziert (super, ich mochte Programmhefte noch nie). Auch sehr witzig das Konzept von Besides: In den Umbaupausen zwischen den Stücken lief leise Muzak – eine schöne Irritation, das habe ich so noch nie gehört (<- da ist es, das NEUE!!!).
Was mir in guter Erinnerung bleibt: Endlich ist Matthew Shlomowitz' Musik auch in Deutschland angekommen, von Joanna Bailie gab es ein schönes Stück und eine schöne Lecture, die Vorträge von Martin Schüttler, Michael Maierhof und Michael Rebhahn setzten Impulse, "Park" von Shila Anaraki und Stefan Prins habe ich leider nicht live gesehen, aber im Open Space die Aufnahme, wo auf jeden Fall zu sehen war, dass es ein frisches Projekt ist, Stücke von Alexander Schubert, Simon Steen-Andersen, Niklas Seidl, Bryn Harrison, Jorge Sanchez-Chiong und Eva Reiter; die Anwesenheit von Jennifer Walshe war inspirierend, die Performances von Matmos waren prima. Ein besonderes Ereignis waren die Orchesterimproviationskonzepte "doppelt bejaht" von Mathias Spahlinger mit einem Berlin Musikerkollektiv. Aber auch die Präsentationen im Open Space vom Decoder-Ensemble oder von Mathias Monrad Møller sind haften geblieben. Leider habe ich auch vom Ictus-Konzert nicht alles mitgekriegt, bin nach der Preisverleihung an der Bar hängengeblieben.
Allgemein wurden die Matineekonzerte, in denen drei junge Komponisten einen Alt-Meister interviewten, gelobt (was die NZZ dazu schreibt, ist eine dreiste Unverschämtheit). Ich denke, die Generationenunterschiede sind deutlich geworden, vor allem bei den Diskussionen mit Brian Ferneyhough und Wolfgang Rihm. DeutschlandRadio Kultur wird sie im September ausstrahlen, ich werde darauf hinweisen.
Dann gab es natürlich noch unzählige weitere Veranstaltungen, vor allem im Open Space, die ich nicht mitgekriegt habe – also ist meine Sicht nur einigermaßen ausschnitthaft. Wie immer fanden die interessantesten Gespräche in Darmstadt aber wohl in der Hotelbar nachts zwischen 1 und 5 Uhr statt; ich finde, daran zeigt sich, dass Musik für die Darmstadt-Besucher eine existenzielle Erfahrung ist. In der Nacht vor meinem Vortrag habe ich gar nicht erst versucht, noch zu schlafen – that’s Darmstadt.
Was noch besser sein könnte bei den Kursen, ist die Internetpräsenz; es gibt einige Leute, die nicht vor Ort sind, aber zeitnah gerne etwas erfahren würden. Immer mehr Kongresse und Symposien stellen ihre Vorträge und Veranstaltungen als Video online, das wäre nicht allzu großer Aufwand auch für die Kurse (kann man die Rechtefrage entweder mit der GEMA aushandeln oder, nunja, informell handhaben?). Und wozu gibt es denn die „Schreibwerkstatt“, wenn nicht, um einen Ferienkursblog zu schreiben? Sowieso, da man auch als Kursbesucher zwangsläufig viel verpasst, wäre nachträgliche öffentliche Archivierung wünschenswert (zu dem Thema habe ich mich in der GNM-Diskussion mit Martin Zenck bezüglich der Basler Sacher-Stiftung ordentlich gezofft). Ich hoffe, das wird in Zukunft optimiert. Aber zugegeben ist man während der Kurse so sehr mit Kursbesuch beschäftigt, dass für Internetpublikation kaum Zeit und Ruhe bleibt.
Noch ein Kritikpunkt ist, dass in Darmstadt zwar der Diskurs über „die Neue Musik“ geführt wird, aber gerade die, die institutionell wichtige Entscheidungen fällen, zum Beispiel welche Stücke gespielt werden, also Veranstalter und Ensembles, sich diesem Diskurs nahezu vollständig entziehen, so dass man sich manchmal fragen muss, wozu man eigentlich im Klein-klein der Noten diskutiert, wenn die großen Entscheidungen unbesprochen bleiben. Ich habe das am Ende der Diskussion mit Wolfgang Rihm angesprochen (und darüber früher schon mal hier gebloggt). Mehr Transparenz halte ich für ein Gebot der Stunde.
Soweit meine diesjährigen Darmstadt-Eindrücke. 2014 werde ich wieder dort sein.
In der Wiener Zeitung steht eine Polemik gegen die Neue Musik, die ich größtenteils unterschreiben kann; vor allem die mediale Situation (alte Instrumente) und die institutionellen Strukturen, die mit Kompositionen gefüttert werden wollen, sind mehr als bedenklich (siehe auch meine Texte Membranmanifest und Institutionen komponieren).
Wie kommt es, dass Musik, deren zentrales Merkmal laut Eigendefinition ihre Neuheit ist, sich zum allergrößten Teil mit Instrumenten und in Konzertsälen des 19. Jahrhunderts ereignet? […] So zeichnet sich Neue Musik heute weniger durch besondere strukturelle Eigenschaften ihrer Werke aus, als vielmehr durch die Entschlossenheit, medientechnisch rückwärtskompatible Musik für bestehende Strukturen wie Konzert- und Opernhäuser, Orchester und Notenverlage zu sein. Um es ein wenig überhöht zu zeichnen, ist Neue Musik eine Bewegung, die sich zwar als streng revolutionär definiert, die sich aufgrund ihrer Glaubensgrundsätze und der Gegebenheiten des Betriebes aber darauf beschränken muss, ihre Revolutionäre bei den Sängerknaben zu rekrutieren, um ihre Schlachten in der Kapuzinergruft zu schlagen.
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/klassik/479587_Angegraute-Riten-der-Neutoener.html
Eine lange Version steht auf der Website des Autors, Volkmar Klien:
http://www.volkmarklien.com/text/VolkmarKlien_NeueMusikUndDieVerteidigung.pdf
Allerdings unangenehm ist mir mittlerweile die Verallgemeinerung. DIE „Neue Musik“ gibt es nicht (mehr), es gibt unendlich viel an unendlich vielen realen und virtuellen Orten. Es wäre an der Zeit, statt der Verallgemeinerung konkret Namen zu nennen, denn nicht alle Institutionen sind gleich träge, gerade in der letzten Zeit passiert mancher Umbruch. Es soll auch nicht alles Alte abgeschafft werden, aber die Vielfalt, gekoppelt an Innovationsbereitschaft, in allen Bereichen umgesetzt werden. Denn es geht, das wird in dem Text auch deutlich, um öffentliche Gelder; hinter allen ästhetischen Diskussionen stehen Gelddiskussionen.
(via E-Mail)
Video des Vortrags vom 27.7.2012, gehalten bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik.
New Conceptualism
In recent years, some composers have excelled in the field of musical concept art. There was a long silence in this area, which, unlike the fine arts, only had a few representatives (mainly John Cage, Alvin Lucier and the Fluxus artists) in the avant-garde period.
There are reasions for the current appearance of the „New Conceptualists“: Firstly, because we are in a late postmodern situation, in which music is more object-like than ever, where the idea of material progress in terms of new sounds is exhausted and a new aesthetics of contents (Harry Lehmann) has been initiated. Secondly, the progress of digitization enables new forms of (multimedia) presentations corresponding with the needs of concept art. Or maybe the internet actually „forces“ conceptual strategies.
This lecture presents relevant compositions and discusses questions of aesthetics, production and reception.In den letzten Jahren haben sich einige Komponisten im Bereich der musikalischen Konzeptkunst hervorgetan, nachdem es lange still um diese Sparte war, die ohnehin, anders als in der Bildenden Kunst, zu Avantgarde-Zeiten nur wenige Vertreter (hauptsächlich John Cage, Alvin Lucier und die Fluxus-Künstler) vorweisen konnte.
Der jetzige Auftritt der »Neuen Konzeptualisten« hat Gründe: einerseits in einer spät-postmodernen Situation, in der Musik objekthafter denn je ist, weil sich der Materialfortschritt im Sinne neuer Klänge erschöpft und eine gehaltsästhetische Wende (Harry Lehmann) einsetzt; anderseits in der technologischen Entwicklung der Digitalisierung, die andere (multimediale) Präsentationsformen ermöglicht, wie sie die Konzeptkunst braucht – oder vielleicht ›erzwingt‹ das Internet sogar konzeptuelle Strategien.
Der Vortrag gibt einen Überblick über Werke aus dieser Richtung und geht Fragen der Ästhetik, Produktion und Rezeption nach.
Gerade macht mal wieder ein Trailer-Verschnitt die Runde, diesmal „Dirty Dancing“, als ob es ein Film von David Lynch wäre, also eine ursprüngliche Teenie-Schmonzette, die plötzlich aussieht wie ein Psychothriller. Ich glaube, der Hauptgrund, warum das so gut funktioniert, ist die Musik. Ich hab’s selber nicht gesehen, aber von Versuchen gelesen, bei denen man zur Aufnahme eines Mannes, der ein Haus betritt, Alltagsmusik, Horrormusik, Slapstickmusik etc. erklingen lässt – in jedem Fall ist es eine andere Handlung. (Mehr dazu in meinem Essay Präpariertes Hören.)