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Kategorie Museum für moderne Kunst

„I have a dream“ in altchinesische Sprache übersetzt

Der chinesische Konzeptkünstler Mao Tongqiang hat Martin Luther Kings berühmte „I have a dream“-Rede in die heute ausgestorbene altchinesische Tangut-Schrift aus der untergegangenen Westlichen Xi-Xia Dynastie (1038 bis 1227) übersetzt und in 385 Marmorquader meißeln lassen. Es gibt weltweit nur noch 10 Experten, die diese Schrift lesen und schreiben können.

Der Witz daran ist, dass der Künstler eine Rede über die universalen Werte einer modernen Gesellschaft in die Sprache eines untergegangenen Feudalreiches transkribierte, die keinerlei Begriffe für „Freiheit“ hatte.

Ein Prinzip, das man auch in der Musik anwenden könnte: Die unmögliche Transkription. Man stelle sich etwa Stockhausens „Gesang der Jünglinge“ in der Clavichord-Fassung vor.

Es war übrigens sehr schwierig, diese Fotos im Netz zu finden; der Künstler wird vom chinesischen Regime stark unterdrückt.

(via Die Welt)

Realität: löschen und mit Kunst ersetzen


Marine Hugonnier
nimmt alte Tageszeitungen und ersetzt die Fotos mit abstrakter Malerei. Schönes Prinzip, das auch die Avantgarde-Musik endlich mal anwenden könnte – zB ein Werbespot oder ein Radiojingle, ersetzt mit atonalen Klängen. In Feeds. Hören TV habe ich eine Talk Show veranstaltet, aber als „Band“ ein Neue-Musik-Ensemble eingesetzt.

(via it’s nice that)

Viele schöne Exemplare davon hier.

Früher auf Kulturtechno: Add-Art

Hitler’s opinion on John Cage’s 4’33“

So albern es ist, ich finde großartig, dass dank dem Internet ein bisschen etwas von der Musikavantgarde zur Popkultur wird.

(via Alexandre Porres Torres)

Entlang des Nullmeridians durch ganz Großbritannien

Der Performancekünstler Simon Faithfull lief 2008 entlang des Nullmeridians durch ganz Großbritannien, über Berge und Zäune, durch Flüsse und Häuser.

0˚00 Navigation (commissioned by Landscape and Arts Network Services), an intriguing and obsessive journey exactly along the Greenwich Meridian from Peace Haven in Hampshire to Cleethorpes in Lincolnshire. A solitary figure is seen using a GPS device to follow the exact line of longitude, negotiating all obstacles encountered — climbing through windows, wading through streams and crawling through hedges.

Wikipedia:

A black and white film that shows an absurd journey made exactly along the Greenwich Meridian. Always seen from behind, a figure swims out of the seawater where the meridian hits the south-coast of Britain. The solitary person emerges out of the water carrying a hand held GPS device. Using this implement the figure then proceeds to walk directly north along the 0º00 line of longitude. Any obstacle encountered is negotiated—fences climbed, properties crossed, buildings entered via nearest windows or apertures, streams waded, motorways traversed. The figure gradually makes its way up through southeast Britain, through London, the Midlands and ultimately where the line re-enters the water in the north of Britain the figure slowly swims away into the North Sea.

Publikums-Observation

David Helbich observiert während Konzerten das Publikum.

KEINE-PAUSE / NO BREAK
audience observations and alternative program notes

performance concept and program notes for the extended piano recital ‚492kg‘ by Frederik Croene.
Check out the dates and links for the venues in the list on the left.

30 – 9 – 2011 De Singel, Antwerp
9 – 10 – 2011 Concertgebouw, Brugge
11-11 – 2011 November Music, Den Bosch
12-11 – 2011 November Music, Den Bosch
3 – 12 – 2011 Intro in Situ, Maastrich

Auf YouTube gibt’s noch mehr Videos davon.

Davids „Keine-Pause“ passt natürlich hervorragend zur vorgestern gebloggten „Pause“ von Valeska Gert.

Bewegungslosigkeit als Tanz, 1920er

Unlängst hatte ich hier Vorläufer von John Cages berühmtem Stille-Stück 4’33“; während Cage 1952 damit an die Öffentlichkeit ging, hat Erwin Schulhoff schon 1919 das nur aus Pausen bestehende In Futurum geschrieben, und Alphonse Allias skizzierte bereits 1897 einen Trauermarsch mit leeren Notenlinien.

Im Tanz gibt es eine vergleichbare Vorgängerin: Valeska Gert, die in den 1920ern eine „Pause“ darbot.

Jede/r kennt John Cages Schlüsselwerk 4’33, jede/r kennt das schwarze Quadrat von Kasimir Malewitsch. Aber warum kennt eigentlich so gut wie niemand den Tanz/Performance/Aktion PAUSE von Valeska Gert?

Während in jener Zeit die Futuristen, eine ausschließlich aus Männern bestehende Künstlervereinigung, die Beschleunigung durch neue technische Entwicklungen und den Krieg begeistert feiert, setzt Valeska Gert mit PAUSE einen Kontrapunkt.
[…]
In den durch Filmrollenwechsel bedingten Pausen im Kino der 1920er tanzt sie PAUSE, einen Nicht-Tanz: Bewegungslosigkeit.

Mehr dazu in der Berliner Gazette.

Die durchschnittliche Schriftart

Der Designer Moritz Resl hat aus allen auf seinem System befindlichen Fonts den Durchschnitt erstellt:

This project shows what a font would look like if it consisted of all typefaces installed on my system. Every character from a to z is drawn using every single font with a low opacity. In total there are over 900 typefaces in my library. I didn’t exclude the ugly ones.

Ich mag so etwas und würde es sofort der Kunst zurechnen; denn Kunst hat einfach auch die Funktion, Dinge zu machen, die sonst keiner macht.

(via Neatorama)

Früher auf Kulturtechno: Kunst aus Statistik

Zitatsammlung „Die 90er“

Charakteristisch für das totale Archiv ist die Suchabfrage. Gespeichert wird ja alles, aber wie ruft man es ab?
Eine beliebte filmische Methode ist es geworden, kurze Ausschnitte aus dem totalen Filmarchiv nach einem bestimmten Thema zusammenzustellen. Mein Lieblingsexemplar ist da immer noch Jay Rosenblatts Prayer, eine Sammlung von Filmaufnahmen mit Menschenmengen, die sich gerade zum Gebet niederknien. Aktuell im Gespräch ist Christian Marclay mit The Clock, in dem lauter Filmausschnitte chronologisch montiert sind, in denen eine Uhr vorkommt. Allerdings finde ich Marclays Erfolg damit fast ein bisschen unverhältnismäßig, wo es im Netz noch viele andere schöne Arbeiten dieser Art gibt, zum Beispiel die folgende: Jemand hat lauter Filmzitate aus den 90ern gesammelt, in denen von den 90ern gesprochen wird. Ganz schön lang her.

(via Nerdcore)

Und hier noch eine sehr schöne Arbeit von Robin Waart: Filmstills mit immer dem gleichen Untertitel. Denkwürdig.

Hier die gesamte Galerie mit bislang 82 Fundstücken.

(via pietmondriaan)

Eisschallplatten

Ivan Abreu presst Musik auf Eis-Schallplatten, vornehmlich Nationalhymnen. Und irgendwann bricht das Eis. Aber wahrscheinlich wäre eine langsame Schmelze schöner gewesen.

Experimentation with Long Play records made out of ice, created using moulds; this process allows the transference of sound information onto a radically unstable material, such as ice, which registers the information from the disc’s grooves and is capable of keeping it for long periods of time. This transformation of the original sound in the vinyl record constitutes the only sound process within the art work.

In this edition for Mexico, it copies a long play titled „Música y voz de la Patria , Himno Nacional (Homeland’s music and voice, National Anthem) „which by its officiality and history, constitutes the sonorous image of the nation: military marches, flag’s theme, national anthem, etc. Sound clichés that constitute signs of the state-nation that are reactivated from within their questioning, and whose feedback is the collective catharsis of the public act that they were originally conceived for.

Neue Wörter als Kunstform

Adib Fricke kreiert neue Wörter und stellt sie aus.

Ich kann mich wirklich an jedem einzelnen erfreuen. So leicht ist es, etwas Neues in die Welt zu setzen. Und die Deppen rufen gleich: Ja, aber das Prinzip ist nicht neu.

Update: Hier gibt’s noch die Random Word Machine (danke, Kostia!).