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Living in a Box @ HR2 Kultur

Morgen abend sendet HR2 Kultur den Mitschnitt des Uraufführungskonzerts meines Ensemble-Stücks „Living in a Box“ (Kulturtechno früher).

Livestrom:
http://metafiles.gl-systemhaus.de/hr/hr2_2.m3u

3.5.2011, 20:05 Uhr
Gemeinsam im Niemandsland – Das Ensemble Modern bei den Frankfurter Positionen 2011
Leitung: Kasper de Roo [de Roo erkrankte, es sprang Harmut Keil ein]

John Oswald: b9; 2011 • Michael Iber: soundalike: music collection II; 2010 • Johannes Kreidler: Living in a Box; 2010

(Aufnahme vom 29. Januar 2011 aus dem Frankfurt LAB)
Vor zehn Jahren wurde sie erstmals veranstaltet, die „Frankfurter Positionen“. Sie verstehen sich als Erfahrungs- und Erkenntnisfeld: In einem etwa zweijährigen Turnus versuchen sie, mit den Mitteln verschiedener Sparten der Künste eine Positionsbestimmung zu den Veränderungen in der Lebenswelt zu formulieren. Die „Frankfurter Positionen“ initiieren somit einen kontinuierlichen kreativen Prozess mit dem Ziel, neue Sichtweisen und soziale Fantasie zu entwickeln. In diesem Jahr behandelten die „Frankfurter Positionen“ die alte Frage des Spannungsfelds zwischen Individuum und Gemeinschaft. In den letzten Jahrzehnten scheinen die vorherrschenden Tendenzen zu mehr individueller Freiheit und persönlichem Erfolgsstreben an ihre Grenzen zu stoßen. hr2-kultur sendet heute die Aufnahme des Konzerts vom 29. Januar im Frankfurt LAB. Die Komponisten Johannes Kreidler, John Oswald und Michael Iber modifizieren bestehendes musikalisches Material nach unterschiedlichen Prinzipien. Kreidler bearbeitet in „Living in a Box“ Reproduktionen von Musik mit digitalen Techniken, Oswald kontextualisiert in „b9“ bekannte Themen der Sinfonien Beethovens im Sinne heutiger Rezeptionsbedingungen neu, Ibers Werk knüpft an seine im Rahmen der „Frankfurter Positionen“ gezeigte Installation an.


http://www.hr-online.de/website/radio/hr2/programm3758.jsp?rubrik=3758&r=4&y=2011&t=20110503

bin Laden tot (Update)

So sind sie halt, die Friedensnobelpreisträger!

(via Dangerous Minds)

Update: So wurde das ganze gesteuert:

(via misterhonk)

(siehe auch Titanic)

Zur Sampling-Theorie von Rolf Großmann

Ich wurde unlängst auf folgendes Zitat von Rolf Grossmann hingewiesen:

Künstlerische und kulturelle Sampling Techniken können Innovation und SubVersion des Scratching oder der Tape Music nur fortsetzen, wenn sie den geordneten und ordentlichen Zugriff des digitalen Sampling (ich schließe das Frame-Grabbing der Bildwelten mit ein), seine saubere Programmverarbeitung durchbrechen und die Programme selbst zum Gegenstand des Zugriffs machen […] seine Verarbeitunsgsstrukturen [sollen] in einer neuen Stufe der direkten Programmzugriffe und Parameterzugänge […] ästhetisch produktiv werden…

Ich möchte das kommentieren, weil ich es grundfalsch finde und derlei kursiert.

Zwei Fehler stecken in der Aussage:

1. von Materiellem wird auf Immaterielles geschlossen
2. ein linearer Geschichtsverlauf ist supponiert

En Detail:

1. Die fehlerhaft angewendeten Geräte der analogen / physischen elektronischen Musik müssen die Medientheoretiker einst in Ekstase getrieben haben. Nun gut, ein CD-Player ist die Behauptung, dass er CDs ordentlich wiedergibt, und siehe da, die CDs bleiben aber manchmal hängen, und haufenweise ließ man also CDs in allen Rhythmen und Lautstärken hängen. Wo irgendwo ein Video mit Ton synchronisiert war, kam sofort der tugendhafte Reflex, jetzt mal Asynchronität walten zu lassen, dass sich das kräftig gegenreflektiert usw., schön und gut!
Wie sollte das aber im Digitalen passieren? Es gibt keinen „geordneten und ordentlichen Zugriff“ bei heutiger Klangverarbeitungssoftware wie Max/Msp, Pd, et.al. Was diese Software liefert sind Schrauben und Muttern, die funktionieren, was damit angefangen wird, ist dem Musiker-Programmierer überlassen. Professionelle Software wird immer fehlerloser – in dem Sinne, dass es keine Definition von Fehler mehr gibt. Ebensowenig kann da von „sauberer Programmverarbeitung“ gesprochen werden, denn der Komponist selber bestimmt die Regeln. Die vorgegebenen Strukturen von low-Level-Software wie Max/Msp sind viel zu offen, als dass es Sinn machen würde, sie noch irgendwie zu durchbrechen; sie behaupten nichts! Stattdessen gilt einfach: anything goes. Nur mit bescheidenerer, massenmarktorientierter Software wie Songsmith oder Autotune wäre etwas in die Richtung machbar, aber dann auch nur als eine Option. Das führt zu 2.:

2. Großmann bestimmt einen linearen Innovationsweg. Das geht ohnehin in der heutigen pluralistischen Welt nicht, aber schon gar nicht über den „paradigm shift“ zum Digitalen hinweg. Der Übergang vom Materiellen zum Immateriellen ist disruptiv und setzt andere Paradigmen. Beispielsweise ist beim Sampling die Frage des Urheberrechts angesichts der heute vorhandenen Datenmengen ganz ungleich gewachsen, dazu habe ich eine Aktion durchgeführt, die in der Art neu war, aber ganz anders als Großmann es vorsieht. Ein anderes Beispiel für heutige Samplingkunst wäre Cory Arcangels Verwendung von Katzenvideos aus YouTube, um Klavierstücke von Schönberg neu zu interpretieren. Das Medium, YouTube, ist voll von Katzenvideos, und Schönbergs Musik wurde als „Katzenmusik“ diffamiert; Arcangels provokante Verniedlichung einer originär expressionistischen Musik spielt mit dieser Semantik. Dazu passt Harry Lehmanns Theorie der gehaltsästhetischen Wende, weg vom Materialdenken, hin zu Semantiken, bedingt auch durch die heutige Digitaltechnologie. Es ist daher konsequent, dass Großmann das Sample vom Zitat unterschieden wissen will:

Sampling ist im Unterschied zum Zitat, das seine Sinnumgebung transportieren soll, eine Zugriffs- und Verarbeitungstechnik von Medienmaterial. Materialkontexte, Sinnkontexte und Bedeutungen sollen gerade nicht reproduziert, sondern transformiert oder ignoriert werden.

(Quelle)

Mir kommt es so vor, als hörte ich von Pop- und Medientheoretikern ständig Sätze wie „Remix darf man ja nicht mit Collage verwechseln“, „Ich möchte Cover und Remake folgendermaßen unterscheiden“, „Mash-Up ist grundsätzlich anders als Sampling, ich schlage darum lieber einen neuen Begriff vor…“ etc.pp. Blöderweise scheinen das aber stets Privatdefinitionen zu sein, die nicht zünden und weniger erhellen als das Durcheinander von Musique concrète, Sampling, Intertextualität, Collage, Bricollage, Remix, Appropriation Art, Bastard Pop, Mash-Up usw. noch verstärken. Ich glaube, es liegt im anarchischen Wesen der Remix-Kultur, dass sie sich einer strengen Definition entzieht – aus Respekt davor sollte man es wohl besser bleiben lassen. Jedenfalls scheint es keine wirkliche Notwendigkeit für die Unterscheidungsversuche der Theoretiker zu geben – sonst würde sich doch einmal eine Definition durchsetzen.
Dennoch, ein Fehler lässt sich Großmanns Aussage m.E. benennen: Die Distanzierung vom Zitat. Was ist kein Zitat? Auch hier erscheint mir das wieder als ein Statement der älteren Generation, die noch glaubt, dass es neutrales Klangmaterial gibt. Ein Sample ist ein Sample von etwas, und wenn es transformiert wird, dann zu etwas hin!

Großmanns These ist aufschlussreich – sie exemplifiziert den auch in der Medientheorie erfolgenden Generationenkonflikt.

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200 Buchseiten in einer Minute scannen

Ich kann mir kaum vorstellen, dass das auch nur halbwegs fehlerfrei funktioniert, vor allem bei der Buchkrümmung – aber der Mittelaltermensch hätte sich ja auch nicht träumen lassen, dass es einmal Funktelefone gibt.

(Der Tipp kam von diversen Freunden, thanx!)

Kreidler @ Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin

Morgen, Montag 2.5.2011 um 18h präsentieren die beiden Stipendiaten der aktuellen Jungen Akademie der Akademie der Künste Berlin ihre Arbeit an der Hochschule für Musik Hanns Eisler. Das sind Ulrich Kreppein und meiner einer, Wolfgang Heiniger moderiert. Raum 458, Charlottenstraße 55
10117 Berlin.

Höhepunkte der musikalischen Quantisierung

Heute: Die vokale Metal-Skala.

Ganz so spaßig ist die Sache für den Avantgarde-Komponisten nicht; Quantisierung / Notation von Geräuschen aller Art ist seit Dekaden ein Problem der Neuen Musik. Arno Lücker zum Beispiel hat in „ich […] nicht“ mit Kotzgeräuschen komponiert, streng in fünf Höhen differenziert und rhythmisch exakt festgelegt (Partitur). Kotz!

(via misterhonk)

Meine Arbeit „London“ hat YouTube in die Erwachsenen-Ecke verbannt.

Gestern schneite eine Mail von YouTube rein:

We would like to inform you that your video has been age-restricted per our Community Guidelines:

[Johannes Kreidler – London]

Our Community Guidelines (http://youtube.com/t/community_guidelines) describe what content is allowed and not allowed on YouTube. Sometimes, as in this case, a video does not violate our Community Guidelines but may not be appropriate for everyone, particularly our younger audience. In these instances we age-restrict the video. To learn more about why we age-restrict videos, please visit our Help Center ( http://www.google.com/support/youtube/bin/answer.py?hl=en&answer=128029). If you feel that this restriction on your video is unwarranted, you can appeal this decision by logging into your account and going to your „Uploaded Videos“ section at http://www.youtube.com/my_videos where you will find an „Appeal“ link next to the video at issue. Please note that you may only appeal a video once.

Because YouTube is a platform for free expression of all sorts, we take great care when we enforce our policies. We try to allow as much content as possible on the site and still ensure that the rules are followed.

Sincerely, The YouTube Team

So sieht das jetzt also aus:

Das Video ist aus der Reihe der Tonspuren zu bereits existierenden Filmen (Tonspur zur Mondlandung, I am sitting in Kreuzberg / Test und London). Die Arbeit entstand 2007 und war ein Beitrag zum Performance-Abend „himbeergeist#00: Begierde“ im Café VorWien. Sie sollte Begierde doppelt, als Drogengier und als Fetischbegierde, formulieren. Dafür habe ich ein found-footage-Video mit rauchenden Frauen verwendet, einem Fetisch-, nunja, Porno. Ich fand daran aber gerade gut, dass es ein Porno ohne jegliche Geschlechtsteile-Entblößung ist.
Auf YouTube ist der Film, ähm, begehrt, obwohl ich schon bald alle pornohaften Attribute aus den Tags entfernte. Natürlich strotzen die Kommentare nur so vor „Künstlerkacke“ und „with sound OFF of course“-Bemerkungen. Mein kompositorischer Beitrag war, mechanisches, an Dampfmaschinen oder Gasmasken erinnerndes Rauschen in allen möglichen Farben zu unterlegen. Auch bei einer Vorführung beim FetischFilmFestival in Kiel gab es entsprechende Reaktionen.

YouTube befand nun, nachdem das Video knapp drei Jahre online steht, „as in this case, a video does not violate our Community Guidelines but may not be appropriate for everyone, particularly our younger audience.“ (Vielleicht fühlten sich radikale Christen gestört?)
Das Video ist nun in den Adult-Bereich verschoben. Ich werde vorerst nicht Einspruch dagegen erheben.

Ästhetisierungen von Roman Pfeffer

Ich mag ja Kunst, die Zahlen, Mengen, Statistiken ästhetisiert, also ästhetisch wahrnehmbar macht. Herrlich das begehbare deutsche Durchschnittsgrundstück von Timm Ulrichs.

Roman Pfeffer hat da auch ein paar schöne Arbeiten gemacht:

„Wissenswertes über das Wissen der Welt
Gesamtausgabe des 30-bändigen Brockhauslexikons, geteilt in Farbe und Papier“ (2006)

„One Million Euro
2000 Stück 500 Euro Banknoten geteilt in Papier und Druckerfarbe“ (2008)

„Grillparzer komprimiert
Die Menge der Tinte eines Achtzeilers komprimiert auf ein Quadrat“ (2006)

Und diese Arbeit verfolgt eine ähnliche Idee wie mein John Cage: 4’33“ divided by 16:

„Portait of a man with a size of 181cm“ (2009)

(Und das hier geht in die Richtung meines Requiems.)

Ulysses – digitales Re-enactment

Auch Belletristik kann im Digitalen neu inszeniert werden: Das letzte Kapitel des Romans Ulysses von James Joyce, dem Jahrhundertavantegardewerk von 1918-1920, ist ein Stream of Consciousness, ein innerer Monolog jenseits der traditionellen Grammatik und Erzählform.

Diesen Stream setzt jemand nach und nach in einen Facebook-Stream (da Joyce nun über 70 Jahre tot ist und seine Werke somit urheberrechtlich frei sind):

https://www.facebook.com/marion.bloom

Wikipedia über Molly Bloom.

(via Sascha Lobo)

Mona Lisa minus Mona Lisa (Update)

Erstaunlich unspektakulär, der Hintergrund der Mona Lisa, wie Mike Ruiz herausgeshoppt hat.

(via today and tomorrow)

Und hier noch: die Mona Lisa mit MS Paint gemalt.

(via (Zeit)Reise)

Update: Wer hätte gedacht, dass das einst schnöde Neusprech „shoppen“ nun um die schillernden Vokabeln „reinshoppen“ und „rausshoppen“ erweitert würde?
Hier noch ein grob reingeshoppter Berg.

(via it’s publique)