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Mehrere Stunden Audiodaten

Irgendwelche Dateien als Audiodaten auslesen ist, spätestens seit es jeder mit Audacity machen kann, Volkssport. Ich hatte hier schon vor längerem ein Post dazu, darum habe ich Henriques Hinweis auf das folgende Opus zunächst dankend abgelehnt. Als er mir dann aber noch schrieb, dass er sich tatsächlich diese GESAMTEN dreieinhalb Stunden am Stück angehört hat, da war mir das dann doch eine Würdigung wert. Der Kulturtechno-Hörpreis geht im September an Henrique aus Brasilien!

Extase des Musizierens

(via hgn)

Fremdarbeit @ICMC Ljubljana

Heute abend eröffnet die diesjährige International Computer Music Conference (ICMC), die heuer in Ljubljana stattfindet. Neben Keynotes von Seth Kim-Cohen und Diedrich Diederichsen wird mein Stück Fremdarbeit aufgeführt, ich werde moderieren. Anwesenheitspflicht für alle, die einen Computer benutzen!


http://www.icmc2012.si/program.html

Menschlicher Subwoofer

Tim Storms hat angeblich die tiefste menschliche Stimme.

Tim Storms holds the World Record for the lowest note ever sung by a human. He can hit a G-7, or .189 Hz. It’s so low you can’t even hear it, but it’s measurable.

(via BoingBoing)

Anton Wassiljews „Blood on the Dancefloor“

Anton Wassiljew hat eine interessante Ästhetik geschaffen mit Computersprecher und einem Haufen ulkiger Ansagen.

Anton Wassiljew
Blood on the Dancefloor
für Ensemble und Live-Elektronik (2011/12)

Atelier Neue Musik
HfK Bremen
René Gulikers, Ltg.

(via usernamealreadyexists)

Sheet Music – so hören sich Beethoven-Noten an

Für euch, Nerds.
Joseph Haydn gewidmet.

John Cage. Der totale Avantgardist

Heute wäre John Cage 4 Minuten und 33 Sekunden alt geworden.

Fürs Feuilleton einer bekannten Berliner Zeitung sollte (u.a.) ich einen Text darüber schreiben, was Cage einem Komponisten heute bedeutet. Das Projekt wurde leider kurzfristig von der Redaktionskonferenz abgesägt, aber egal, dann kommt er eben hier.

 

Der totale Avantgardist

Ausgerechnet zum lapidaren hundertsten Geburtstag wird er gefeiert, er, dessen Werke Titel wie 34’46.776″, 31’57.9864“, 26’1.1499″ oder auch 0’00“ tragen. Was für ein schlechtes Stück wäre sein berühmtestes, wenn es nicht 4 Minuten und 33 Sekunden, sondern 5 Minuten hieße! Wie dem auch sei, die meisten Aufführungen kann man sich gar nicht anhören, die Musik klingt schrecklich staubig und dauert quälend lang. Dabei ist er einer der Größten, auch für mich.

Er war Performer, Konzeptkünstler und Multimediakünstler, als diese Begriffe noch lange nicht existierten. Er war der unschönbergischste Schönbergschüler, überhaupt hatte er praktisch keine musikalischen Vorbilder. Darin ist er mir ein Vorbild. Es ist richtig so, dass seine Musik nicht anhörbar ist, ich bin ihm dankbar für diese Unerträglichkeit, denn trotzdem merke ich: Ich bin eben zu schwach. Sich dumm fühlen ist auch ein Erhabenheitsgefühl. Zufall, Cages Prinzip, kann ja aufgefasst werden als Undurchschaubarkeit aller beteiligten Kräfte. Wären wir nur viel aufmerksamer und viel intelligenter, wir könnten voraussagen, wie der Würfel fällt; wären wir viel geschickter im Wurf, wir könnten ihn beherrschen. Aber so kommt es, dass erst nach Jahren Dieter Schnebel entdeckt, welche Summe die 4 Minuten und 33 Sekunden, die einst als Dauer für das Nicht-Stück erwürfelt wurden, ergeben: 273 Sekunden, just wie der absolute Temperaturnullpunkt bei -273 Grad Celsius. Der Nullpunkt der Musikgeschichte, er hat sich selbst den besten Namen gegeben.

Cage hat das Denken über Musik revolutioniert, als Macher durch und durch, als Bastler, Aufführender und Vortragender. Wahrscheinlich sind es bei aller Radikalität doch die Mischungen, die funktionieren: Er quälte das Publikum und war zugleich der freundlichste Mensch, er war Anarchist und forderte diszipliniertestes Musizieren, das Hauptinstrument des Revolutionärs war, wie bei den Alten, das Klavier, selbst wenn es nicht gespielt wurde – 4’33“ ist ein Klavierstück.

Mittlerweile gibt es von dem stillen Stück über tausend Mitschnitte auf YouTube, von der Blockflötenversion bis zum großen Orchester; Harald Schmidt und Helge Schneider haben es aufgeführt, eine vielbeachtete Facebook-Initiative versuchte, das Werk zu Weihnachten auf Platz eins der Charts zu hieven. Er ist in der Popkultur angekommen. Sein Stück Organ²/ASLSP (as slow as possible) wird seit dem Jahr 2001 in der Halberstadter Sankt-Buchardi-Kirche mit der Dauer von 639 Jahren aufgeführt. Das totale Largo, bei dem jeder Tonwechsel ein Partyanlass ist (auf YouTube zu sehen). Da feiert das Denken ein Fest – nur anhören kann man sich die Musik nicht wirklich.

Originale kann man kopieren, Originalität nicht. Wollte man Cage fortsetzen, hieße das, alles anders zu machen als er, denn noch stiller, noch zufälliger, noch inklusivierender und noch länger zu-lange kann man nicht komponieren. Oder man muss konsequent die neuesten Medien nutzen, so wie Nam June Paik über den anderen Übervater sagte: Das einzige, was Duchamp nicht gemacht hat, waren Videos, darum mache ich Videokunst. Jetzt wäre es also Zeit, das Klavier zu ersetzen.

Kreidler @Cage-Nacht der ARD

SWR2 sendet heute Nacht von 0.05h bis 5h die ARD-John-Cage-Nacht, zu der alle ARD-Radiostationen Beiträge liefern. Irgendwann kommt da auch der DeutschlandRadio-Kultur-Teil, der aus einem Gespräch über John Cage zwischen Mark Barden, Martin Schüttler und mir besteht, moderiert von Carolin Naujocks.

http://www.swr.de/swr2/programm/-/id=661104/nid=661104/did=10093040/1ci40gq/index.html

Luciano Berio, das Gesamtwerk (Playlist)

conTimbre: Riesige ePlayer-Samplebank veröffentlicht

Seit einigen Jahren, insbesondere durch die Digitalisierungsdebatte, ist immer wieder die Rede von Instrumentensamples, von der Potenz heutiger Technologie, der Möglichkeit des samplegestützten Komponierens und Aufführens.

Jetzt ist das diesbezüglich ehrgeizigste Projekt endlich veröffentlicht: conTimbre von Thomas Hummel und seinem Team.

conTimbre ist ein Zusammenschluss von Musikern und Informatikern, die Spezialisten im Bereich der Neuen Musik sind. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, eine Multimedia-Datenbank des zeitgenössischen Instrumentalspiels aufzubauen. conTimbre wurde 2006 gegründet.
[…]
Nach sechs Jahren Entwicklungszeit steht conTimbre , das weltweit größte virtuelle Orchester der Neuen Musik zur Verfügung. Derzeit umfasst es mehr als 86.000 Klänge, mehr als 4.000 Spieltechniken und mehr als 150 Orchesterinstrumente. conTimbre ist nicht nur eine Sample-Datenbank, sondern enthält auch zahllose Zusatzinformationen in Text, Bild und Graphik.
[…]
Mit dieser Datenbank steht den Komponisten, Instrumentalisten und Klangforschern nunmehr ein starkes Hilfsmittel zur Gestaltung der Instrumentalklangfarbe der Neuen Musik zur Verfügung. Gleich drei verschiedene Programme erlauben den Zugang und spezialisieren sich auf verschiedene Aufgaben: conTimbre lernen, conTimbre ePlayer und conTimbre Orchestrator.

Man darf sehr gespannt sein über die Konsequenzen dieser Technik auf das zukünftige Komponieren.

http://www.contimbre.com

Früher auf Kulturtechno:
ePlayer – über das Komponieren mit Instrumentensamples