Heloisa Amaral, Klavier
Video der Neuen Musikzeitung mit Ausschnitten aus Audioguide
Ein Video der Neuen Musikzeitung über die diesjährigen Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik, darin auch Ausschnitte aus „Audioguide“:
Drohnen und Heißluftballons, Videokunst und Talkshow-Theater: Am Wochenende gingen die 47. Internationalen Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt zu Ende. „Performing Matters“ lautete in diesem Jahr das Motto für die zweiwöchige Veranstaltung – sowohl in Bezug auf das umfangreiche Kursprogramm als auch für viele der Konzerte, die in den unterschiedlichsten Spielstädten stattfanden. Einige Ausschnitte daraus sehen Sie in diesem Video, das unter anderem Werke von Johannes Kreidler, Wafaa Bilal und Stefan Prins vorstellt.
#Audioguide – Reversibility comes first
Das Gitarrenduo hatte ich schon 2012 geschrieben, wurde aber nun auch in Audioguide integriert. Wir haben’s danach in Darmstadt dann noch eigens aufgenommen; es spielen Ruben Mattia und Eric Moreira:
Darmstadt 2014, kurzer Rückblick
Die 47. Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik, neben den Donaueschinger Musiktagen das bedeutendste Festival für Neue Musik, sind zu Ende. Ich war die ersten 10 Tage vor Ort, teilweise mit meinem eigenen Projekt sehr beschäftigt, zum anderen Teil habe ich dann viele Vorträge, Gespräche und Konzerte besucht und viele (mir) bekannte und unbekannte Kollegen getroffen.
Trotz der Vielzahl der Veranstaltungen war der Neue Konzeptualismus zweifellos ein vorherrschendes Thema in den Diskussionen. Ich bin da freilich parteiisch, würde aber meinen und darin stimmten einige mit mir überein, dass die besagten Panels, in denen es um Fortschrittsfragen ging, ziemlich asymmetrisch besetzt waren – die konservative Kontra-Seite (die passenderweise auf dem Podium auch immer rechts saß) war teilweise intellektuell sehr schwach besetzt. Im „Dead End or Way out“-Talk fanden sich die üblichen Kulturpessimisten und politisch Oberkorrekten ein, im „The concert of the future is online“ fiel einem der Verteidiger nicht mehr ein, als in 8 seiner 10 Vortragsminuten von seinen Vokaltechniken zu erzählen, statt sich dem Thema zu widmen. Ich hoffe, dass sich solche Niveaueinbrüche künftig vermeiden lassen. Wohlfeiles „das ist ja gut, aber nicht radikal genug“ ist keine würdige Argumentation an diesem Ort.
In den Konzerten war die Tendenz zu Multimedia, Durchinszenierung und freier Beweglichkeit des Publikums deutlich. Mein außermusikalisches Highlight: In Alexander Schuberts Stück wurde das Publikum dermaßen mit Nebel vollgeblasen, dass es wie ein Fehler aussah, aber um so stärker die Wirkung. Schöne Stücke habe ich gehört, ich behalte jetzt aber mal für mich, um welche es sich handelt – aber es waren viele. Sehr gefreut habe ich mich jedenfalls, die Jungs von textscoreaday persönlich kennenzulernen!
Nebenbemerkung: Die Opernwerkstatt, die sich allem Multimedialen verweigerte, fühlte sich nachgerade wie eine Parallelwelt an.
Etwas schade fand ich, dass der Open Space nicht so viel genutzt wurde wie vor zwei Jahren, zumindest war das mein Eindruck. Vielleicht ist es auch etwas bedauerlich, dass der Interpretenhauptpreis nur noch an Ensembles zu gehen scheint.
Die erfreulichste technische Neuerung hingegen war, dass die Voice Republic viele Gesprächsveranstaltungen live gestreamed und archiviert hat – das wurde höchste Zeit (Kulturtechno gestern).
Mit einigen Anregungen bin ich nach Hause gekommen. Darmstadt ist der intensivste Ort für den Austausch über Neue Musik. Bin gespannt, welcher Geist 2016 wehen wird. Ich kann mir denken, dass die nächste Generation in den Startlöchern sitzt.
Foto oben: Jenny Walshe’s Workshop.
(Video von Niclas Thobaben)
#Audioguide – Clarinet Piece
Excerpt from the Music Theater „Audioguide“ – Johannes Kreidler 2013/14
Kristine Tjøgersen
Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik 2014
Vorträge und Gespräche der diesjährigen Darmstädter Ferienkurse online
Heute gehen die Darmstädter Ferienkurse 2014 zu Ende. Erfreulicherweise wurden die Talks und Vorträge endlich auch live gestreamed und archiviert. Hier also zum Nachhören; manchmal ist die Quali leider schlecht. Es lohnt ggf. auch, die zugehörigen Chats zu lesen.
Dan Tramtes Granulation Concept anhand von Material aus „Audioguide“
Aufmerksamkeit, Lob, Kritik, alles schön und gut, aber die höchste Ehre, die einem Künstler wiederfährt, ist, dass andere inspiriert werden und mit den Dingen weiterarbeiten.
Dan Tramte verfolgt das Konzept, die Videoaufnahme einer repetitiven Kreisbewegung neu zusammenzusetzen – die Kreisbewegung bleibt die gleiche, aber die Segmente werden aus unterschiedlichen Repetitionen genommen, sodass alles drumherum diskontinuierlich wird.
In meinem Musiktheater Audioguide gibt es eine Stelle, in der Geigen wie Windmühlen geschwungen werden – eine ideale Vorlage für Tramtes Konzept, der sogleich zur Kamera griff. Im Lauf der Kurse haben wir dann noch weiteres Material aufgenommen. Danke, Dan!
Spinning violin grains by Johannes Kreidler MIDI piano windmill gliss. #audioguidegrains @_Kreidler https://t.co/0CHulwV0VZ
— Dan Tramte (@datramt) 5. August 2014
Johannes Kreidler MIDI piano windmill gliss grains by spinning violins. #audioguidegrains https://t.co/cUkznshAG8 @_Kreidler
— Dan Tramte (@datramt) 5. August 2014
Johannes @_Kreidler guitar rotation granulation by position of Nico Couck windmill strum #grainsbymotion https://t.co/gQVKDb73XT
— Dan Tramte (@datramt) 12. August 2014
Nico Couck windmill strum granulation by position of Johannes @_Kreidler guitar rotation #grainsbymotion https://t.co/kxt9t31gIu
— Dan Tramte (@datramt) 12. August 2014
Audience granulation by position of Johannes @_Kreidler windmill strum #grainsbymotion https://t.co/rj8gtZu4QL
— Dan Tramte (@datramt) 12. August 2014
Granulation of audience by Johannes @_Kreidler guitar rotation position #grainsbymotion https://t.co/z4rHeMYrpN
— Dan Tramte (@datramt) 12. August 2014
Audioguide, erste Bilder
Die große Sause in Darmstadt ist vorbei, in nächster Zeit werden hier Ausschnitte aus meinem 7stündigen Musiktheater „Audioguide“ erscheinen. Noch ist nicht alles Videomaterial bei mir eingetroffen, aber es gibt jetzt zumindest schon mal Uploads aus dem Publikum, und ein paar vorproduzierte Clips. Für den geneigten Leser.
Smashing violins in Johannes Kreidler's 7hr Talkshow #darmstadt http://t.co/257kl0BGPW
— peter (@petermeanwell) 5. August 2014
Three hours in to the Kriedler #4togo #darmstadt http://t.co/0bB24HwqcF
— peter (@petermeanwell) 4. August 2014
Audioguide Programmtext / Kulturtechno Sommerpause
Am 4.8. ist es so weit, mein neues Musiktheater „Audioguide“ hat Premiere bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik. 19h, Centralstation Darmstadt.
Das ist der Programmtext:
Johannes Kreidler (1980)
Audioguide (2013/14)
Musiktheater
(Fortsetzung von „Feeds. Hören TV“)
für 4 Schauspieler, 6 Musiker, Video und Gäste
Tammo Messow, Tom Pilath, Andrea Seitz, Peer Blank
Ensemble neoN: Heloisa Amaral, Inga Byrkjeland, Karin Hellqvist, Ane Holen, Yumi Murakami, Kristine Tjøgersen
Felix Dreher
Philipp Blume, Wieland Hoban
Eric Moreira, Ruben Mattia Santorsa
Stefan Fricke, Johannes Kreidler
Audioguide ist eine inszenierte Talkshow über ästhetische Effekte des Terrorismus, turbokapitalistische Kunstproduktion, hypermoderne Zahlen, Musikpsychologie, Feminismus, die Kreisbewegung, Hass auf Altes, Sozialnetzwerkdiskussionen politischer Kunstaktionen, Schönheitsideale, Waldgang, Geld, virtuelle Fremdarbeit, Macbeth, Stockhausen, Derrida, und über die funktionale Differenzierung der Gesellschaft.
Zeitgleich ist es eine Konzeptualismus-Oper, Sonatas and Interludes für präpariertes Hören, Formatexposition und Praxis des erweiterten Musikbegriffs.
Triggerwarnungen:
Eine große Menge Geigen wird zerstört
FSK 18
Das Stück dauert 7 Stunden, es gibt keine Pause (Ein- und Ausgehen ist möglich).
Eine Co-Produktion der Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik, des Ultima Festival Oslo und des Fonds Experimentelles Musiktheater NRW
Hier gibt es einen Zeitungsartikel, der die Kurse und auch mein Stück ankündigt.
Damit verabschiedet sich Kulturtechno in die Sommerpause bis Mitte August!
N 5∆° $’ h3,s“ – unmögliche GEMA-Titel
Aktuell gibt es den Fall, dass das Frankfurter Klangkünstler-Duo CLUBbleu eine CD aufgenommen hat, deren Titel lauten:
1. N 5∆° $’ h3,s“
2. E H° ¥8’ r!,d“
3. N 5D° µ’ Bs,8“
4. E S° ©r’ 49,eR5“
5. W 5@° 1’ !3,n“
6. A 0° $c’ ¡1,l“
7. L Ïn° 5’ ∑,<†§“
8. L S° 7ø’ N€,d“
9. A T®° ∆’ ƒ,F!¢“
10. N B° 3¥’ 0n,D“
11. L 5R° ¡’ o,+“
12. A 4° Ωv’ @7,iç“
13. G 5P° µ’ 1¿,a√“
14. E D° øW’ n†,!m3“
15. N Cr° 0’ $5,În6“

„Unsere Werktitel bestanden aus einem wohl durchdachten System aus GPS-Daten ausgewählter Orte der Stadt Frankfurt/Main sowie Übersetzungen ins Leetspeak.“ schreiben die Künstler. Bei der GEMA hingegen nahm man erst mal eine Formatierungspanne an, und nachdem die Richtigkeit der Titel von den Urhebern bestätigt wurde, hat die GEMA erklärt, dass solche Titel bei ihnen nicht gehen und hat alle 15 Tracks stattdessen mit dem Titel „-“ versehen. Die Künstler sehen hier einen unangemessenen Eingriff in ihre künstlerische Freiheit, gegen den sie protestieren:
“Spiel & Spaß mit der #GEMA !!! EDV-Konzeptualismus. Danke, liebe GEMA, für’s Mitkomponieren! Am 16.7.2014 führen wir unsere Komposition „DARK ENERGY – frankfurt album“ urauf, die aus 15 Einzelsätzen besteht, von denen mittlerweile offiziell jeder Satz den Titel „ – “ trägt. Diese äußerst kreativen und genial ausgeklügelten Namen erhielten unsere Kompositionen von der GEMA, die sich weigerte, unsere Werktitel zu übernehmen. Nachdem wir einen panischen Anruf einer überforderten GEMA – Schreibkraft bekamen, die nach Anmeldung unserer Komposition massive Formatierungs-Unfälle befürchtete, teilten wir der GEMA mit, dass die von uns eingereichte Liste genau so, wie sie ist, ihre Richtigkeit hat. Unsere Werktitel bestanden aus einem wohl durchdachten System aus GPS-Daten ausgewählter Orte der Stadt Frankfurt/Main sowie Übersetzungen ins Leetspeak. Die Titel der Einzelsätze hatten einen für uns inhaltlich unerlässlichen Bezug zur Gesamtkomposition. Doch leider ist das anscheinend in höchstem Maße eingeschränkte und absolut veraltete Verarbeitungssystem der GEMA nicht in der Lage, solche Werktitel aufzunehmen! Das bedeutet: Entweder man benutzt seine Computertastatur möglichst ohne die „alt“ – Taste, oder die GEMA beteiligt sich ungefragt am kompositorischen Prozess. Wenn es einen Sinn gemacht hätte, alle Einzelsätze mit „ – “ zu betiteln, liebe GEMA, dann hätten wir das gerne selbst gemacht! Wir betrachten das als eine Form von Zensur und damit verbunden als eine künstlerische Einschränkung, die absolut untragbar ist! Das wäre ja so, als ob ein Verlag sagen würde „Leider können wir Ihre Komposition so nicht abdrucken, weil sie Sonderzeichen enthält, die in unserem Notenprogramm nicht vorhanden sind. Daher haben wir diese durch Pausen ergänzt.“ Da fragen wir uns ernsthaft, wie es sein kann, dass DIE Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und Vervielfältigungsrechte in Deutschland nicht in der Lage ist, uneingeschränkt auf wie auch immer gewählte Werktitel der Künstler einzugehen, die sie selbst vertritt??!! Ganz ehrlich, wir dürfen einem Stück keinen Werktitel wie L Ïn° 5’ ∑,<†§“ geben, aber wenn wir es stattdessen „FICK MICH MIT EINER GABEL IN DEN ARSCH“ genannt hätten, wär’s super gewesen, weil es ins EDV-System passt????!!! Wir nehmen die Ankündigung unserer Uraufführung zum Anlass, öffentlich auf diesen Missstand aufmerksam zu machen! Wer Lust hat auf einen ganzen Abend voller „ – “, ist herzlich eingeladen, am kommenden Mittwoch (16.7.) im historischen museum frankfurt vorbeizuschauen. Konzertbeginn 19:00 Uhr. Live – Electronix, Live-Visualz, Lounge-Atmo & „-“ !”
Vor einigen Jahren hat Alexander Grebtschenko ein Stück mit dem Titel „durchgestrichen“ komponiert, den hat die GEMA damals auch nicht akzeptiert.
Das rührt – mal wieder – an dem grundsätzlichen Problem der GEMA: Dass sie die Musik formalisieren muss. Auf dem Werkanmeldebogen wird beispielsweise nach „Anzahl der selbständig geführten Stimmen“ oder nach „Opuszahl“ gefragt, Kategorien, die irgendwie nicht mehr so ganz einiger gegenwärtiger Musikproduktionen entsprechen. Ich hatte seinerzeit ja an dem Passus über Fremdanteile („Originaltitel von verwendeten Volksweisen oder anderer im Original urheberrechtlich freier Werke sind hier zu nennen. Wurden urheberrechtlich geschützte Werke verwendet, ist generell die Genehmigung der Rechteinhaber der geschützten Werke in Kopie beizufügen. Die immer noch weit verbreitete Ansicht, dass acht oder auch vier Takte ohne Zustimmung benutzt werden dürfen, ist falsch.“) eine ganze Aktion aufgehängt.
Hier scheint das Problem aber schlichtweg in der EDV zu liegen – Sonderzeichen in Musiktiteln sind bei der GEMA nicht vorgesehen. Ob das nun künstlerisch beschneidend / praktikabel ist, die Zwangsumbenennung in der Datenbank, die dann immer mit den eigentlichen Titeln abgeglichen werden muss, wird sich noch zeigen, peinlich ist es jedenfalls für die GEMA schon ein bisschen, dass derlei Zeichen nicht kompatibel sind und dass sie kurzerhand diese ‚kreative‘ Umbenennung vornimmt.
(via couldn’t find a bomb)
Siehe auch Alexander Strauchs Artikel zu dem Fall im Bad Blog.




















