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Tobias Schicks Text über Strategien konzeptueller Musik

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Seiltanz“ ist ein Aufsatz von Tobias Schick zum Thema

Konzept und ästhetische Erfahrung – Strategien konzeptueller Musik. Zu John Cage, Peter Ablinger, Trond Reinholdtsen und Johannes Kreidler

abgedruckt.

Snip:

Konzeptuelle Ansätze widersprechen jedoch nicht generell einem Musikbegriff, der von der Vorstellung von Musik als erfüllt gestaltete Zeit- und sinnlich wahrnehmbare Klangkunst geprägt ist. Es gibt auch eine Vielfalt an konzeptueller Musik, für die spezifische Ideen eine herausragende Bedeutung besitzen und die deterministischen Prinzipien folgt, bei der das Verständnis der Idee aber nicht alles ist, sondern der künstlerische Gehalt sich nur in einem irreduziblen Wechselspiel zwischen Konzept und ästhetischer Erfahrung entfaltet. Ich werde im Folgenden auf Beispiele von John Cage, Peter Ablinger, Trond Reinholdtsen und Johannes Kreidler eingehen.

http://www.seiltanz-musik.de/

Oft sind mir in den letzten Jahren Leute begegnet mit der Aussage, Konzepte seien ja schön und gut, aber sie wünschen sich eben auch Ästhetisches. Vor allem nach meinem Minusbolero kamen viele freudig an, „endlich ein Konzept, das auch zu etwas sehr Ästhetischem führt!“. Einerseits habe ich alles Verständnis für dieses Ideal, andererseits empfinde ich aber doch einen Unmut, schwingt darin eben auch ein Urteil, das die prinzipielle Differenz konzeptueller Musik abqualifiziert zugunsten einer doch vielleicht wieder eher gewohnteren Musikauffassung. Der Widerspruch liegt im Konzeptualismus selbst, aber erst in der Bandbreite bis hin zu den radikal anästhetischen Konzepten. In der Entfaltung dieses Horizonts lohnt sich dann wirklich, verschiedene Interpretationen zu diskutieren.

Ästhetischer Diskurs, gif’d

(via hgn)

Musizierende Tiere (im Mittelalter) (8)

harping monkey
‘Gillion de Trazegnies’, Flanders after 1464
LA, Getty, Ms. 111, fol. 150v

(via)

bagpiping stag with an antler-Jesus
psalter and hours, Ghent ca. 1315-1325
Baltimore, Walters Art Museum, W.82, fol. 31r

(via)

Und noch ein Tier, das jemanden am Musizieren hindert:

hey human. stop playing this thing.
psalter and hours, Ghent ca. 1315-1325
Baltimore, Walters Art Museum, W.82, fol. 42r

(via)

Früher auf Kulturtechno:
Musizierende Tiere (im Mittelalter)
Musizierende Tiere (im Mittelalter) (2)
Musizierende Tiere (im Mittelalter) (3)
Musizierende Tiere (im Mittelalter) (4)
Musizierende Tiere (im Mittelalter) (5)
Musizierende Tiere (im Mittelalter) (6)
Musizierende Tiere (im Mittelalter) (7)

Mein Text „Der erweiterte Musikbegriff“ online

Mein Text “Der erweiterte Musikbegriff”, den ich für den Katalog der Donaueschinger Musiktage 2014 geschrieben habe, steht jetzt online.

Snip:

Absolute und autonome Musik spielen sich in einem Kokon ab, der fraglos eine Fülle inhärenter Wirkungen ermöglicht. Doch widerspricht diese Abtrennung einer heutigen Erfahrung, und es beeinflussen ohnehin diverse Kräfte die vermeintliche Monade. Verlässt man nun diese tradierten Vorstellungen von Rahmung und gestaltet aktiv die Kontexte des Klingenden, sei es durch akkompagnierende Tätigkeiten oder durch Auffächerung des Werks selbst, ergibt sich in der Konsequenz ein erweiterter Musikbegriff, der den ganzen Strauß von Wirkungszusammenhängen ergreift: Medienmusik.

http://www.kreidler-net.de/theorie/kreidler__der_erweiterte_musikbegriff.pdf

Das dümmste Gedicht des Jahres

BAGIDA
BÄRGIDA
BOGIDA
BraGIDA
CeGIDA
Cogida
DAGIDA
DüGiDa
Erzgida
FraGiDA
FriGiDA
HaGiDA
HaGIDA
HamGIDA
HoyGiDA
KAGIDA
KarGIDA
KiGIDA
KöGIDA
LEGIDA
LÜGIDA
MAGIDA
MannGIDA
MVGIDA
Mügida
Müngida
NofGIDA
NüGIDA
OGIDA
OlGIDA
Pegida
SaarGIDA
StuGIDA
Sügida
Trigida
WüGIDA

(Quelle)

Lecture about Bad Music

Auf verschiedenen Ebenen interessantes Stück von Matthew Shlomowitz – hier stellt sich einmal nicht die Frage, ob das gut oder schlecht ist, sondern ob es schlecht ist. Ein Brainfuck.

Plus Minus perform
Matthew Shlomowitz’s Lecture About Bad Music

Aisha Orazbayeva
Vicky Wright
Maarten Stragier
Mark Knoop
Matthew Shlomowitz

2015 Ultima Festival
Norwegian National Opera
Commissioned by the Ultima Festival

http://plusminusensemble.com
www.shlom.com

China-Tagebuch #7

29.10.2005
Zum Flughafen mit dem Taxi, ich ließ mir extra vom studentischen Betreuer auf einen Zettel „Flughafen“ schreiben, weil die Taxifahrer noch nicht mal „Airport“ verstehen, aber so ganz klar scheint leider auch die Notiz nicht zu sein, worauf ich die Arme wie Flügel ausbreite und hin- und herwippe, er nickt, wir fahren 20 Minuten und tatsächlich komme ich am Flughafen an. Ich danke Konfuzius.

In Frankfurt dann werde ich am Flughafen herausgewunken, was ich denn da für eine Tasche habe. Kann man eigentlich noch dümmer sein? Ich habe tatsächlich aus Diskretion nicht ein einziges mal in diese Tasche geschaut. Da hätten Sachen drin sein können, nie wieder wäre ich aus China zurückgekehrt. Aber offensichtlich hatten die Chinesen nichts zu beanstanden, erst die Deutschen: In der Tasche befanden sich neben DVDs Nahrungsmittel, darunter ein verschweißtes Hähnchen. Herbst 2005 ist just der Höhepunkt der asiatischen Vogelgrippe! Das Hähnchen wurde konfisziert und ich sollte noch 50€ Strafe bezahlen, was mir dann aber netterweise erlassen wurde. Und ich habe denen tatsächlich auch noch ins Gesicht gesagt, dass ich eh gar nicht wüsste, was da in der Tasche sei.

Joao und Alberto haben noch von der Fahrt zur Terracotta-Armee berichtet: Eine 24stündige Zugreise in einem überfüllten Zug, in dem nächtens kreuz und quer verschlungen auf Sitzen und Boden geschlafen wurde.

China-Tagebuch #6

28.10.2005
Am letzten Tag fahren wir dann noch zur chinesischen Mauer. Schön ist, dass wir von einem Studenten geführt werden und keinem offiziellen Touristenprogramm folgen; zuerst sind wir noch an dem Teil der Mauer, den alle Touris begehen, ganz so wie auf den Fotos: die über Bergkämme gezogene und mit Zinnen besetzte Mauer, durch Wachtürme gegliedert, alles übrigens nicht original sondern für Touristen wiederaufgebaut.

Dann aber fahren wir zu den ältesten Teilen der Mauer, 2000 Jahre alt, es sind einfach aufgehäufte Lehmklumpen. Keine Absperrung, keine Touristen weit und breit.

Dann noch in die Berge in ein kleines Dorf, Satellitenschüsseln und Esel sind hier der technische Standard, sehr einfache Häuser, die Menschen lächeln.

Meine beiden Kompagnons reisen weiter zur Terracotta-Armee, ich muss leider zurück nach Deutschland wegen eines Konzerts. Abends mit chinesischen Studenten beim Essen, ganz offen wird von den Studentinnen nach meinem Beziehungsstatus gefragt und sie geben zu erkennen, dass ihr Hauptlebensziel derzeit der richtige Mann ist. Sie bedauern sehr die 1-Kind-Politik: Chinesen wollen sich vermehren, so wörtlich.

Alle Studenten haben zwei Handys. Mit dem einen rufen sie an, auf dem anderen werden sie angerufen. Da sowohl das Anrufen als auch das Angerufen werden etwas kostet und verschiedene Anbieter das eine oder das andere billiger haben, hat man eben vom dem Anbieter für günstiges Anrufen das eine Handy und vom Anbieter für günstig Angerufenwerden das andere. Sie fluchen über die Umständlichkeit. Es müsste eigentlich spezielle Handys für China geben, two-in-one.

Meine letzte Nacht verbringe ich in einem anderen Hotel, und der studentische Betreuer bittet mich, duschen zu dürfen, denn er hat zu Hause nur fünfzehn Minuten am Tag warmes Wasser. Ich gönne ihm die Dreiviertelstunde (!), die er in meiner Dusche verbringt. Er erzählt noch, dass er sich nun allerdings sehr verspätet habe, sein Wohnblock schon abgeschlossen sei und er über eine Mauer klettern müsse, was lebensgefährlich sei, er aber öfter machen müsse.

China-Tagebuch #5

27.10.2005
Einmal bin ich alleine in Peking unterwegs und muss Geld abheben. In China muss man sich zum Geldabheben ausweisen. Dummerweise habe ich aber den Reisepass nicht bei mir und noch dümmererweise denke ich als Deutscher, ich kann ja auch den Perso zeigen. Ich reiche dem Bankangestellten also meinen Personalausweis, worauf dieser verdutzt das Dokument von allen Seiten anschaut und Kollegen herbeiruft. In dem Moment wird mir klar, was für ein Fauxpas ich begangen habe. Ein Ausweis muss ein Büchlein sein. Aber zu spät, sie verschwinden mit meinem Ausweis nach hinten und ich stehe da und warte. Ich glaube, es war eine halbe Stunde, immer wieder kamen sie rein und raus, ob das mein Ausweis sei, was das für ein Ausweis sei, usw. aber ich kann auch nicht mehr einfach sagen, lassen Sie’s, jetzt ist bereits eine Art Alarmzustand eingetreten. Aber siehe da, schließlich kommen sie und händigen mir Ausweis und Geld aus. Ob sie zwischenzeitlich wohl bei der deutschen Botschaft oder gleich beim deutschen Außenministerium, ja, beim deutschen Außenminister persönlich in dieser langen halben Stunde angerufen haben?

Unsere ganze Reise war ja dank der Vermittlung einer chinesischen Studentin in Freiburg zustande gekommen. Da war es Ehrensache, ihr den Gefallen zu tun und von Angehörigen etwas mitzubringen. Es sollte wohl eigentlich Joao machen, der für sowas der richtige Mann ist in seiner Korrektheit, aber durch Namensverwechslung in den Emails fällt der Job doch mir zu. Also übernehme ich eine Tasche von einer kleinen dicken Studentin.

China-Tagebuch #4

26.10.2005

Am nächsten Tag Seminar, das dann allerdings ein voller Erfolg wird, auch wenn es absurd ist: Wir erklären und erklären, programmieren, und alle nicken und sind begeistert, aber aus Erfahrung weiß ich, dass kein Mensch das Zeug so schnell kapieren kann. Wie dem auch sei, ein Professor aus Shanghai will uns fürs nächste Jahr einladen, allerdings hat er eine so nervige Assistentin, der ich fortan immer aus dem Weg gehe, und vielleicht darum hat es dann letztlich doch nicht geklappt.

Auch sehr schön war der Workshop von Nicolas Collins, amerikanischer Elektronik-Bastler in bester Cage-Lucier-Tradition. Von ihm erfahre ich zum ersten mal von „Hardware-Hacking“, Spielzeug, Kartenleser, Radios werden manipuliert, sprich: zu Instrumenten gemacht. Wir brechen zu dem Behufe bald auf zu einem Elektronik-Markt. Es ist ein Zeile von großen Hallen in denen viele Kleinhändler ihre Stände haben, hauptsächlich für Unterhaltungselektronik und Klamotten.

Hier muss man feilschen, ganz klassisch nach allen Regeln der Kunst, wie unsere chinesischen Führer für uns vormachen: Der Händler beginnt mit einem exorbitanten Preis, das Gegenüber muss mit praktisch Null dagegenhalten, dann nähert man sich langsam an, angereichert mit Drohungen, den Handel abzubrechen, das sogar tatsächlich andeuten und zwischendurch weggehen, sich wieder herrufen lassen, die Verhandlungen fortsetzen, sich auch mal anschreien oder jammern, taktische Pausen einlegen, beiderseits an die kranke Großmutter gemahnen – kein Witz! Ich finde das nicht im Geringsten ergötzlich sondern eine unsägliche Energie- und Zeitverschwendung, bis man endlich so ein kleines Kinderspielzeug erworben hat; uns kann der Preis eigentlich egal sein, er ist sowieso scheußlich ungerecht billig. Später kaufe ich auf eigene Faust, es geht nur, indem ein Taschenrechner hin- und hergereicht wird, in den beide Parteien ihre Preisvorstellung eintippen, aber selbst um die meisten Dramen gespart geht es ewig, man will sich nun doch nicht wie ein Gelackmeierter fühlen und muss das Spiel eben mitspielen wie Brian bei Monty Python. Als ich später das kleine Transistorradio unseren chinesischen Führern vorzeige und den Preis nenne, den ich dafür erfeilscht habe, stöhnen sie natürlich und sagen, das wäre viel billiger zu haben gewesen. Ich hasse Feilschen und lobe mir westliche Gesetze.
Das Radio wird dann unter Collins Instruktionen tatsächlich ein fantastisches Instrument, schließlich hat die Platine im Grunde die gleichen Module wie die, mit denen ich programmiere, und ich kann sie einfach mit meinen angefeuchteten Fingern verschieden „verkabeln“, wie Collins in gutem Vergleich beschreibt.

Frappierend ist beim Festival die Häufigkeit von Stücken für fünftausend Jahre alte Flöte – und Computer. Die Chinesen, die mit einem jährlichen Wirtschaftswachstum von 15% in die Zukunft rasen, wollen irgendwie noch den Spagat zu ihrer alten Kultur hinkriegen. In aller Prägnanz stellt das ihre Musik dar, auch wenn es klanglich nach schlecht nachgemachter westlicher Neuer Musik klingt.

Auf der Straße Plagiate und Raubkopien westlicher Produkte überall.