Vorhin war, übermütig, von >Erziehung< die Rede. Das Verweilen in diesen Installationen wird symoblisch zu so etwas wie einer existentiellen Übung für den Menschen im 21. Jahrhundert. Denn Publikum sein heißt hier: Koexistieren, Ko-Existenzialismus. Den einschlägigen Kränkungen des Menschen folgen tatsächliche Einschränkungen. Es fängt zurecht an damit, dass die Männer den Frauen Platz räumen müssen; dann die Menschen der Natur – ich wäre unbedingt dafür, den Naturreservaten mindestens so viel Fläche zu geben wie wir deren beanspruchen; aber auch der KI, die rationaler, informierter, ja ethischer beurteilen kann. Wir dürfen uns von ihr etwas sagen lassen - wie von der Kunst. Als erste Nation der Erde hat der Staat Ecuador 2008 „Rechte der Natur“ als schützenswert in die Verfassung geschrieben, Natur als eigenes legales Subjekt, in allen möglichen Hinsichten, als Meer, das nicht überfischt werden darf, als Nebelwälder, in denen kein Bergbau betrieben werden darf, bis hin zu einzelnen Tieren, die nicht artungerecht gehalten werden dürfen. Jede Person darf im Namen der Natur vor Gericht ziehen. Der Verfassungsgerichtshof hat 2021 im Fall des Waldes Los Cedros genau so entschieden und die Schürfkonzessionen kassiert —; bis hin zum einzelnen Tier, das nicht artwidrig gehalten werden darf: 2022 hat dasselbe Gericht einem Wollaffen namens Estrellita die Eigenschaft eines Rechtsträgers zuerkannt. Und jede Person darf im Namen der Natur vor Gericht ziehen; der Fluß braucht keinen Paß, er braucht einen Anwalt, und den bekommt er. Neuseeland hat 2017 dem Whanganui die Rechtspersönlichkeit verliehen, den der Maori-Satz begleitet: Ich bin der Fluß, und der Fluß ist ich. Das Abendland hat achthundert Jahre gebraucht, um von der Rechtsperson des Königs zur Rechtsperson des Bauern zu kommen, dann zur Rechtsperson der Frau, dann zur Rechtsperson der Aktiengesellschaft — die Ausdehnung des Kreises ist die eigentliche Geschichte des Rechts, und sie ist an ihrem Rand noch lange nicht angekommen.
