Es dürfte der Leserschaft bekannt sein, dass mein Bedürfnis nach zweiwertigen Beats und funktionsharmonischen Turnarounds – zu deutsch: Popmusik – ziemlich gering ist. Ich bringe dieses neue Werk von Kutiman (Kulturtechno früher), weil es a) die simpel-geniale Idee des YouTube-Remixes auf den Punkt bringt und b) eine spezifische Form entwickelt: den Splitscreen, und am Ende quasi als Tagwolke das Quellenverzeichnis. Und, nunja, weil es nach allem was ich gesehen habe seine bislang schönste Arbeit ist, dank der charismatischen jungen Sängerin.
Hier hat jemand 36 Mordszenen aus Hitchcock-Filmen aufbereitet. Irgendwie kann man den Splitscreen allerdings nicht akustisch so ohne weiteres umsetzen.
Michael Kalish hat aus 1300 Sandsäcken, 8 Kilometer Drahtseil und 3,2 Kilometer Aluminium-Verstebungen ein sieben Meter hohes Muhammad Ali Portrait gebaut. Knapp drei Jahre Arbeit stecken in der Skulptur “reALIze” auf dem Nokia-Plaza in Los Angeles.
Herbert Eimert Epitaph für Aikichi Kuboyama für Sprecher und Sprachklänge (1960-62)
Realisation: Leopold von Knobelsdorff
Uraufführung: Darmstadt 9.7.1962
Die Komposition ist dem japanischen Fischer Aikichi Kuboyama gewidmet, der als erstes Opfer des Wasserstoff-Bombentests vom März 1954 starb. Als Materialvorlage für die Komposition dient der Text der Grabinschrift, die von Günther Anders ins Deutsche übersetzt wurde. Sie wurde von Richard Münch gesprochen und aufgenommen. Die Aufnahme des Textes wurde im Studio verschiedenen Transformationen mittels Filtern, Verstärkern sowie des Tonbandgerätes unterworfen und kompositorisch verarbeitet.
‘Fabiola’ is an installation of over 300 painted copies and reproductions of fourth century Saint-Fabiola, collected by Francis Alÿs from flea markets and antique shops throughout Europe and America in the last 20 years. They are all based on a now lost original painting by french artist Jean-Jacques Henner made in the nineteenth century.
Nicht alles ist schon dagewesen, aber vieles! Im Zeitalter des totalen Archivs ist es einigermaßen logisch, dass nicht immer noch das völlig Neue geschaffen werden will, sondern das Alte neu gestaltet wird. Das scheint im Digitalen besonders gegeben, wie zum Beispiel die mediale Aktualisierung von Alvin Luciers Klangkunstklassiker „I am sitting in a room“ durch Patrick Liddels „I am sitting in a YouTube room„. (Vergleichbar wären das Regietheater, Ravels Neuinstrumentierungen von Klassikern des 19. Jahrhunderts oder Roy Lichtensteins Wiedermalung der Kunstgeschichte. In der Performancekunst sind Reenactments seit der Jahrtausendwende beliebt.) Über digitiale Reenactments habe ich im Kölner Vortrag schon gesprochen, im Züricher Vortrag Ende März werde ich darauf noch detaillierter eingehen.
Schön stellt sich da die Frage, wie wichtig bei einem Konzept die Realisierung ist, oder philosophisch gesagt, sich Idee und Erscheinung zueinander verhalten, denn Mattes‘ virtuelle Realisierungen sind ja eigentlich Nicht-Realisierungen.
Reenactment of Marina Abramovic and Ulay’s Imponderabilia
Reenactment of Joseph Beuys‘ 7000 Oaks
Reenactment of Valie Export and Peter Weibel’s Tapp und Tastkino