Statt tonmalerisch Naturvorgänge oder Menschenaktivitäten mit instrumentalen Mitteln darzustellen, ist die musique concrète Ende der 1940er Jahre dazu übergegangen, diese Atmosphären einfach direkt per Mikrofon aufzunehmen und mit den Aufnahmen dann musikalisch zu komponieren.
Es gibt aber Vorläufer; der früheste in der Medientheorie bekannte ist Ottorino Respighi, der am Ende des dritten Satzes von „Pini di Roma“ von 1924 Original-Nachtigallengesang einsetzt: Respighi verlangt dazu die Schallplatte Nr. 6105 der Firma Concert Record Gramophone „Il canto dell’usignolo“.
Ab 6’03“. Wirkt schon etwas bizarr, denn ansonsten ist’s ja instrumentale Tonmalerei.
Alle Welt arbeitet heute mit grafischen Mitteln zur digitalen Klangsynthese und -sequenzierung; meine Variante davon ist COIT. Der Pionier hierfür ist jedoch unumstritten Iannis Xenakis mit seinem UPIC-System.
UPIC is a computerised musical composition tool, devised by the composer Iannis Xenakis. It was developed at the Centre d’Etudes de Mathématique et Automatique Musicales (CEMAMu) in Paris, and was completed in 1977. The name is an acronym of Unité Polyagogique Informatique du CEMAMu. Xenakis used it on his subsequent piece Mycènes Alpha (1978), and it has been used by composers such as Jean-Claude Risset (on Saxatile (1992)), Takehito Shimazu (Illusions in Desolate Fields (1994)), Aphex Twin, Mari King [1], and Curtis Roads.
Physically, the UPIC is a digitising tablet linked to a computer, which has a vector display. Its functionality is similar to that of the later Fairlight CMI, in that the user draws waveforms and volume envelopes on the tablet, which are rendered by the computer. Once the waveforms have been stored, the user can compose with them by drawing „compositions“ on the tablet, with the X-axis representing time, and the Y-axis representing pitch. The compositions can be stretched in duration from a few seconds to an hour. They can also be transposed, reversed, inverted, and subject to a number of algorithmic transformations. The system allows for real time performance by moving the stylus across the tablet.
Tatsächlich wünschte Xenakis, dass mithilfe eines solchen grafischen Notationsprogrammes auch Kinder und Laien Neue Musik schaffen können.
Für das erste von Xenkais mit UPIC komponierte Werk, Mycènes Alpha, hat jemand ein Video erstellt, bei dem man die Grafiken synchron zur Musik sieht. Thanx!
Und zum Tonbandstück Persepolis hat Daniel Teige eine Partitur angefertigt.
Auch wenn’s jetzt wahrscheinlich schon jede(r) kennt, dieses Meme ist, ähnlich den Hitler-Untertitelungen, so wunderbar, dass es in die Sammlung gehört:
Mitte November hat Lt. John Pike, ein Officer der UC Davis Police, bei einer Occupy- Kundgebung an der University of California in Davis, etwa ein Dutzend Studenten, die friedlich auf dem Boden saßen, von Kopf bis Fuß mit Pfefferspray behandelt, mit einer Haltung als würde er gerade zu Hause im Wohnzimmer mit Fliegenspray hantieren.
Das Bild zeigt geradezu ikonisch ein Verhältnis von Volk und Staatsmacht. Und so machte der bemerkenswerte Ausdruck des „Pepper Spraying Cop“ bald die Runde und zeigt das Thema als durch die ganze Geschichte gehendes.
Angesichts dieser schönen Crowd-Kreativität kann man eine einfache Theorie des Kunstschönen erstellen: Ein wesentliches Moment von Schönheit in der Kunst ist die Kreativität.
Unlängst hatte ich hier das faszinierende Pendel-Video, und ich hab mal etwas salopp dazugeschrieben, dass das schön, aber ’natürlich‘ keine Kunst sei. Dahinter steckt die alte Frage nach Kunst und Naturschönheit. Ich erinnere etwa an Schopenhauers Diktum:
Inzwischen heißt ein Optimist mich die Augen öffnen und hineinsehn in die Welt, wie sie so schön sei, im Sonnenschein, mit ihren Bergen, Thälern, Ströhmen, Pflanzen, Thieren u.s.f. – Aber ist denn die Welt ein Guckkasten? Zu sehn sind diese Dinge freilich schön; aber sie zu seyn ist ganz etwas Anderes.
(Die Welt als Wille und Vorstellung, Kapitel 46 – Von der Nichtigkeit und dem Leiden des Lebens)
Johann hat in den Kommentaren zurecht bemerkt, dass das Pendelarrangement nicht wirklich der „Natur“ zugerechnet werden kann, und eigentlich dem Verfahren der Minimal Music gleicht. Tatsächlich, es fällt mir erst jetzt wieder ein, gibt es von Steve Reich die „Pendulum Music“ von 1968:
Will sagen: Ich nehme alles zurück!
Auch das vormals gepostete Pendel-Video hat jemand musikalisiert, wenn auch durch die Pentatonik etwas unnötig verkitscht:
I assigned one note in a pentatonic scale to each ball so that the whole group covers 3 octaves (15 balls). I used a pentatonic scale (C,D,F,G,A) so that the notes would sound good together no matter which ones were playing. Each ball has a corresponding octave as well so that the first ball, for example, plays a low C when it swings to the right and C an octave higher when it swings left. So, actually, there are a total of 4 octaves being played. I panned each note correctly left and right in the stereo field so that (if you listen in stereo – preferably with headphones) you can also get a more pronounced sense for the spatial patterns.
The lowest note plays at 51 bpm, the second at 52 bpm on up to 65 bpm. That way each note is (theoretically) in time with its corresponding pendulum. There is a small discrepancy in timing – probably because it’s difficult to start them perfectly together, but it basically works.
Das Blog BOOOOOOOM! ruft zum Re-Enactment von Klassikern der Kunstgeschichte auf.
Kurz vor seinem Tod hat Martin Kippenberger Szenen des Bildes Das Floß der Medusa von Géricault sehr ergreifend nachgestellt und die Fotos dann wiederum gemalt. Das Schicksal der Ertrinkenden ereilte ihn bald darauf: Er starb an seinem Alkoholismus.
Früher habe ich in der Nähe des Straßenstrichs von Berlin gewohnt. Da hat man manchmal im Vorbeigehen einen leibhaftigen Otto Dix sehen können.
Kommentare deaktiviert für Studenten stellen berühmte Gemälde nach| Kategorie: Museum für moderne Kunst
Letztes Jahr habe ich in Esslingen eine Roboterdemonstration durchgeführt (siehe unten) – die Maschinen werden Zukunft nicht nur die Arbeit übernehmen, sondern auch den Arbeitskampf.
Ähnlich das Konzept des OCCU(PI) Bot von Randy Sarafan, der aus aktuellem Anlass über die Wall Street rollt.
Learning from the lessons of the 1%, I set forth to outsource our occupy-related labor to a robotic workforce. Robots obviously have many advantages over their human counterparts. For instance, robots never get tired, they don’t get cold, they don’t sleep, nor eat, don’t require tents, and when armed insurrection becomes necessary, robots are much more morally ambivalent. Additionally, we had a discussion with an unnamed member of the San Francisco police force and they confided in us that the police currently do not have any plan for dealing with robotic occupiers.
For all of those reasons and more, I present to you Occu(pi) Bot; the first in a promising line of tireless, unstoppable, robotic class warriors.
Erik Kessel hat sämtliche Bilder, die auf Flickr an einem Tag hochgeladen wurden, ausgedruckt und im Foam Fotografiemuseum Amsterdam ausgestellt. Ein kleiner Ausschnitt aus dem totalen Archiv.
..damit er dem Typen da hinter uns sagen könnte, dass er von McLuhan keine Ahnung hat.
Marshall McLuhan, der gerne mit seiner Berühmtheit und seinen Slogans („The Medium is the Message“) kokettierte („The Medium is the Massage“), in einem Auftritt in Woody Allens „Annie Hall“.