{"id":5951,"date":"2011-11-08T05:28:34","date_gmt":"2011-11-08T03:28:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=5951"},"modified":"2011-11-08T19:06:14","modified_gmt":"2011-11-08T17:06:14","slug":"das-totale-archiv-6-die-archive-sind-ewig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=5951","title":{"rendered":"Das totale Archiv (6): Die Archive sind ewig"},"content":{"rendered":"<p>Zur Zeit bringe ich hier in insgesamt zw\u00f6lf Teilen den Text \u201cDas totale Archiv\u201d als Blog-Version. Der <a href=\"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=5900\">f\u00fcnfte Teil<\/a> handelte von der Informationsexplosion im Netz; als n\u00e4chstes befassen wir uns mit dem Umstand, dass die digitalen Archive unzerst\u00f6rbar sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>6. Die Archive sind ewig<\/p>\n<p>Ein technischer Aspekt des totalen Archivs ist eigens bemerkenswert: die digitale Sauberkeit. Ein Datensatz verwittert nicht. Entgegen der manchmal ge\u00e4u\u00dferten Sorge, die digitalen Datentr\u00e4ger seien viel unbest\u00e4ndiger als die guten alten Analogmedien, wie zum Beispiel das \u201eHolzmedium\u201c Buch, werden die Daten nicht kaputtgehen. Ist auch nur ein Film auf YouTube, ein Wikipedia-Eintrag bislang verschwunden, weil sein Tr\u00e4germedium verblich? Die Technik ist den Daten gewachsen, parallele Server, auf verschiedenen Kontinenten stationiert und dezentral organisiert, garantieren Fortbestand, zumal alles allm\u00e4hlich im Nano-Bereich Platz hat. Tats\u00e4chlich sind digitale Daten unverg\u00e4nglich, sie k\u00f6nnen verlustfrei auf den n\u00e4chsten Datentr\u00e4ger umkopiert werden.<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> Und das geschieht ununterbrochen: Jeder Aufruf einer Website bedeutet ihre Multiplizierung auf das eigene Ger\u00e4t, jede Aktion im Internet ist eine Kopieraktion. Unl\u00e4ngst wies ich einen Bekannten auf ein Interview mit Pierre Boulez von 1967 hin, das im Online-Archiv des <em>Spiegels<\/em> einzusehen ist. Der Bekannte \u00fcbersah die Jahreszahl am Rand und glaubte, das Interview sei aktuell. Kein Wunder, er hielt ja keine vergilbte <em>Spiegel<\/em>-Ausgabe von 1967 in H\u00e4nden! Moden bleiben kenntlich, aber der technische Stand der Reproduktion von Texten, wie auch von Fotos, Videos und Musik, ist kaum noch optimierbar, beziehungsweise verharrt auf einem pragmatischen Niveau. Es gibt Plattenspielersimulatoren, auf denen man die Jahreszahl einstellen kann; 1915 hat Toscanini anders geknackt als 1935. Der Schieberegler endet aber bei der CD oder beim Mp3, so wie man auch keine noch h\u00f6heraufl\u00f6senden Fotos und Filme mehr braucht. Fortan gibt das Medium keine neue Botschaft mehr ab. Alles Vergangene ist gleich weit entfernt, es wird \u00a0medial egalisiert.<\/p>\n<p>\u201eErinnern hei\u00dft vergessen\u201c, das ist eine menschliche Losung: Mit jedem Wiederaufrufen wird das Erinnerte neu geschrieben und verf\u00e4lscht. Im Digitalen passiert das nicht. Bei der verlustfreien Kopie gibt es keine Mutation mehr. Das digitale Archiv steht still \u2013 w\u00e4re da nicht die Remix-Kultur, die bewusst Abweichungen produziert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>\n<hr size=\"1\" \/>\n<div>\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Ein bisheriges Problem sind veraltende Formate, doch je mehr sich globale Standards, etwa der Pdf-Datei, durchsetzen, schwindet die Gefahr.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Zeit bringe ich hier in insgesamt zw\u00f6lf Teilen den Text \u201cDas totale Archiv\u201d als Blog-Version. 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