{"id":3530,"date":"2010-09-12T08:32:42","date_gmt":"2010-09-12T06:32:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=3530"},"modified":"2010-09-12T23:03:33","modified_gmt":"2010-09-12T21:03:33","slug":"showtime-essay-1-zu-feeds","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=3530","title":{"rendered":"Showtime &#8211; Essay #1 zu Feeds"},"content":{"rendered":"<p><!--[if gte mso 9]><xml> <w:WordDocument> <w:View>Normal<\/w:View> <w:Zoom>0<\/w:Zoom> <w:HyphenationZone>21<\/w:HyphenationZone> <w:Compatibility> <w:BreakWrappedTables \/> <w:SnapToGridInCell \/> <w:ApplyBreakingRules \/> <w:WrapTextWithPunct \/> <w:UseAsianBreakRules \/> <w:UseFELayout \/> <\/w:Compatibility> <w:BrowserLevel>MicrosoftInternetExplorer4<\/w:BrowserLevel> <\/w:WordDocument> <\/xml><![endif]-->Es geht doch nichts \u00fcber eine gediegene Theorielastigkeit! W\u00e4hrend der Entstehungs- und Probenzeit von &#8222;Feeds. H\u00f6ren TV&#8220; habe ich drei Essays geschrieben, die hier in den n\u00e4chsten Tagen gepostet werden, den Anfang macht:<\/p>\n<p><!--[if gte mso 9]><xml> <w:WordDocument> <w:View>Normal<\/w:View> <w:Zoom>0<\/w:Zoom> <w:HyphenationZone>21<\/w:HyphenationZone> <w:Compatibility> <w:BreakWrappedTables \/> <w:SnapToGridInCell \/> <w:ApplyBreakingRules \/> <w:WrapTextWithPunct \/> <w:UseAsianBreakRules \/> <w:UseFELayout \/> <\/w:Compatibility> <w:BrowserLevel>MicrosoftInternetExplorer4<\/w:BrowserLevel> <\/w:WordDocument> <\/xml><![endif]--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\n<h1>Showtime<\/h1>\n<p class=\"MsoNormal\">\n<p class=\"MsoNormal\">Zum Musiktheater <em>Feeds. H\u00f6ren TV<\/em>.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">1.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Ich habe mir angew\u00f6hnt, das Gewicht aufs Medium zu legen. Ein Komponist mag heute mit Meisterschaft eine Fuge schreiben, es interessiert aber nicht, weil die Grundidee, die Fuge, hinf\u00e4llig ist (manches stirbt eben doch praktisch aus, Postmoderne hin oder her). Desgleichen: Streichquartett, Fl\u00f6tensolo, Klarinettensolo, Liederzyklus, Oper, Violinkonzert u.v.m. Das ist nat\u00fcrlich alles nur die ganz ganz subjektive, momentane Meinung von mir. Wobei ich mir wirklich nicht vorstellen kann, dass das Clavichord jemals wieder bedeutend wird.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">2.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">2004 wurde in einem Programmheft Brian Ferneyhoughs Oper \u201eShowtime\u201c angek\u00fcndigt. Donnerwetter, dachte ich, jetzt springt der Alte \u00fcber seinen Schatten! Aber der Schatten war doch gr\u00f6\u00dfer, im Programmheft der Fehlerteufel: Ferneyhoughs Oper hie\u00df nat\u00fcrlich <em>Shadowtime<\/em>.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">3.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Grundfehler im zeitgen\u00f6ssischen Musiktheater:<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">-dass immer Musik laufen muss. Als ob die Gleichzeitigkeit von Theater und Musik definitorisch sei! So kommt es, dass Dokumentartheater und Theorie auf der B\u00fchne dem Musiktheater noch fast unbekannt sind.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">-dass es literarische Vorlagen sein m\u00fcssen. Nein, in <em>Feeds<\/em> ist nicht alles \u00e4sthetisch. Wenn Musiktheater der Ort der Integration ist, dann auch von \u00c4sthetischem und <em>Nicht<\/em>-\u00c4sthetischem, Sinnlichem und Begrifflichem.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">-dass Musiktheater der Ort ist, an dem verschiedene K\u00fcnste zusammenwirken. F\u00f6rdergremien suchen noch immer das Team aus genialem Librettisten, genialem Komponisten, genialem B\u00fchnenbildner und genialem Regisseur, so viel Geld soll ja sozial werden, und dann kriegen wir das 400prozentige Gesamtkunstwerk!! \u2013 Akzeptiert es endlich: Zu viele K\u00f6che verderben den Brei. Zun\u00e4chst ist Musiktheater einfach der Ort, an dem verschiedene Medien zusammenwirken.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">(Ich kenne in der ganzen Operngeschichte ohnehin nur einen einzigen Fall kongenialer Text-Musik-Verbindung: den <em>Wozzeck<\/em>. Und auch da war der Librettist schon lange tot und musste sich dem Komponisten unterordnen. Nicht dass Komponisten per se die Kompetentesten w\u00e4ren, aber es braucht einfach einen Chef. Nichts ist weniger kommunistisch als Kunst. Wo bleibt der Autorenfilm im Musiktheater?)<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">4.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Neue Musik ist ausdifferenziert in Konzerte, Lehre und Wissenschaft. Das Musiktheater als die integrative Gattung ist <em>der<\/em> Ort, die Teildisziplinen wieder in das Kunstwerk hereinzuholen. Insbesondere der theoretische und diskursive Bereich er\u00f6ffnet noch einen gro\u00dfen, erweitert-theatralen Spielraum \u2013 und die neu entstandenen Themen rund um Musik und Klang in der Digitalen Revolution bieten inhaltlich eine Menge Stoff.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">5.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Dies performativ darzustellen, hei\u00dft, selbst die Digitale Revolution zu verk\u00f6rpern. Nie war es so einfach und so billig wie jetzt, Video-Formate zu produzieren und zu publizieren: Digitalkameras und das Internet bringen eine enorme Demokratisierung der Medien mit sich. Auch hier ist das Musiktheater als dezidiert experimentelle Form pr\u00e4destiniert, das f\u00fcr sich zu nutzen und neue Formen, \u201eFormate\u201c zu definieren.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">6.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><em>Feeds<\/em> ist eine Neue-Musik-Talkshow, ohne jede Verhohnepiepelung, aber mit viel Oberfl\u00e4che als Widerstand. Schlie\u00dflich bedarf das Einfache der Interpretation. Pop ist ein Code, eine Verschl\u00fcsselung \u2013 eine \u00c4sthetisierung. (Die BILD ist \u00e4sthetischer, insofern komplexer als die FAZ und besser f\u00fcr die Kunst geeignet. Ein Schuhladen muss \u00e4sthetische Fragen l\u00f6sen, nicht die Philosophie; Apple hat das Bauhaus verstanden.)<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.4pt;\">Talkshow als <em>Format<\/em> \u2013 aber was ist das f\u00fcr eine <em>Form<\/em>? \u2013Eine Nummernoper. Es geht dabei auch um ein Problem des musikalischen Konzeptualismus: dass ein Konzept schwer auf eine Dauer gebracht werden kann. Konzepte sind von Natur aus in der Regel kurz. Das wird hier kompensiert durch Menge: \u201ePetersburger H\u00e4ngung\u201c.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.4pt;\">Ich kenne hierf\u00fcr keine direkten Vorbilder. Das ist experimentelles Musiktheater!<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">7.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Warum moderiert der Komponist, und nicht ein Schauspieler? \u2013 dann w\u00e4re ja alles Spiel und harmlos glatt. Es leben die Performer, peinlich sind Schauspieler!<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">8.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><em>Feeds<\/em> bezieht sich in Vielem auf die klassische Avantgarde. Es wird nicht nur \u00e4u\u00dferlich technisiert mit neuen Medien, sondern auch die Errungenschaften der historisch gewordenen Avantgarde zu Techniken funktioniert (angewendet auf Gesellschaftliches, Heutiges, Diesseitiges, K\u00f6rperliches):<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">-Zufall (Cage), in <em>Feeds<\/em> als klangliches Ergebnis von Fragerunden;<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">-Hirnstom-Klangkunst (Lucier), in <em>Feeds<\/em> als Messung der Zuh\u00f6reraufmerksamkeit;<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">-Instrumentenpr\u00e4paration (Cage), in <em>Feeds<\/em> werden Instrumente mit Geld pr\u00e4pariert (Bemerkung: Diese Idee war leider nicht realisierbar), und allgemein das H\u00f6ren durch sprachliche Vor-Informationen;<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">-Algorithmische Komposition \/ statistische Musik (Xenakis), in <em>Feeds<\/em> als Umrechnung von Einkommensstatistiken und B\u00f6rsenkursen in Musik;<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">-Klangrecherche (Nono), in <em>Feeds<\/em> als aggressiver Akt des Eindringens in Instrumente;<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">-Raummusik, in <em>Feeds<\/em> als ausgewiesene psychologische Manipulation;<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">-Stille (Cage), in <em>Feeds<\/em> als Medium des Tinnitus;<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">-Ger\u00e4uschmusik (Lachenmann); in <em>Feeds<\/em> mit Pop als Medienger\u00e4usch;<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">und aus der traditionellen Musik:<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">-Architektur in musikalischer Proportionen umgesetzt (Renaissance), in <em>Feeds<\/em> ein Bordell<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">-Zahlensymbolik (zB Bach), in <em>Feeds<\/em> steht die Anzahl der Noten f\u00fcr L\u00f6hne in Euro<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Das w\u00e4ren Beispiele f\u00fcr eine Wende zur Gehaltsorientierung; gleichsam wird die Avantgarde historisiert. Aufbruch!<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">9.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><em>Feeds. H\u00f6ren TV<\/em> ist Konzertsaal und H\u00f6rsaal, Studio und Umerziehungslager. Eine Show \u2013 es<span> <\/span>werden gezeigt: Medien.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.4pt;\">Ist das alles Neue Musik? Ich w\u00fcsste nicht, was es sonst sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>[ad#ad2]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es geht doch nichts \u00fcber eine gediegene Theorielastigkeit! W\u00e4hrend der Entstehungs- und Probenzeit von &#8222;Feeds. H\u00f6ren TV&#8220; habe ich drei Essays geschrieben, die hier in den n\u00e4chsten Tagen gepostet werden, den Anfang macht: Showtime Zum Musiktheater Feeds. H\u00f6ren TV. 1. Ich habe mir angew\u00f6hnt, das Gewicht aufs Medium zu legen. 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