{"id":19479,"date":"2017-10-23T05:59:11","date_gmt":"2017-10-23T03:59:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=19479"},"modified":"2017-10-23T11:17:03","modified_gmt":"2017-10-23T09:17:03","slug":"buch-zahl-und-moral","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=19479","title":{"rendered":"Buch &#8222;Zahl und Moral&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/images-na.ssl-images-amazon.com\/images\/I\/312uT3sn7VL._SX329_BO1,204,203,200_.jpg\" rel=\"lightbox[19479]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/images-na.ssl-images-amazon.com\/images\/I\/312uT3sn7VL._SX329_BO1,204,203,200_.jpg\" class=\"alignnone\" width=\"165\" height=\"250\" \/><\/a><\/p>\n<p>Heute ein Buchtipp, da dieses Werk wohl bislang wenig Beachtung gefunden hat: Eine sehr, sehr tolle Lekt\u00fcre, essayistisch-aphoristisch (aber knapp 900 Seiten) \u00fcber ein Thema, von dem man einerseits denkt, das gibt es gar nicht, andererseits l\u00e4ngst dar\u00fcber geb\u00fcndelte Reflexionen erwartet. Hier sind sie, 2014 erschienen, von dem Philosophen Albert Breier, der auch Komponist ist. Ein sehr gut lesbarer literarischer Stil, reif in seiner Koh\u00e4renz, von stupender Belesenheit, Originalit\u00e4t und Tiefe. Die S\u00e4tze beanspruchen vielmehr \u00e4sthetische als wissenschaftliche Wahrheit, das macht das Buch so sch\u00f6n. Einzig ein konservativer Zug des Autors st\u00f6rt bisweilen. Nuja, man ist ja nie 100% mit etwas in Einklang. Daf\u00fcr wiederum so bewundernswert, wie viele Jahre der Autor f\u00fcr dieses Opus Magnum nahm, und formuliert dabei mit eleganter Bescheidenheit.<\/p>\n<blockquote><p>Das lockere Neben- und Nacheinander der Addition weicht zun\u00e4chst dem Zwang der Subtraktion, dann dem Gedr\u00e4nge der Multiplikation und schlie\u00dflich den harten Schl\u00e4gen der Division.<\/p>\n<p>Jede Division, jeder Bruch bedeutet eine Verletzung.<\/p>\n<p>Die Subtraktion ist eine Bu\u00dfe, die Division eine Strafe.<\/p>\n<p>Vor der Einf\u00fchrung der 0 war die Division gewisserma\u00dfen harmloser; erst ihre Verbindung (oder besser gesagt ihr Zusammensto\u00df) mit der 0 offenbart ihre ganze zerst\u00f6rerische Kraft.<\/p>\n<p>Die Grundrechenarten sollen zu philosophischen Kategorien werden.<\/p>\n<p>Wenn der Einsame den Mut zur Nacktheit h\u00e4tte, w\u00e4re er aus seiner Einsamkeit erl\u00f6st &#8211; oder selbst in seiner Einsamkeit erl\u00f6st. So aber steht er best\u00e4ndig im Dialog mit seinen Kleidern, denen er seine sinnlosen Geheimnisse anvertraut.<\/p>\n<p>Suggeriert die Multiplikation mit Null Zerst\u00f6rung, so gibt die Division durch Null gleichsam die Ahnung einer jenseitigen Welt.<\/p>\n<p>Eine der bekanntesten Denkdissonanzen der Mathematik ist der Satz &#8222;Minus mal Minus gleich plus.&#8220;<\/p>\n<p>Der Eins wurde der Zahlcharakter oft ganz abgesprochen, die Zwei ist weniger Zahl als Bezeichnung eines Gegen\u00fcber, mit der Drei aber beginnt die mathematische Komplexit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die Addition ist eine freie Jagd nach Zahlenbeute, die Multiplikation eine reiche Ernte aus planvoller Pflanzung.<\/p>\n<p>Auf die subtrahierende Reformation reagiert die Gegenreformation mit der gewaltigen Anstrengung einer Multiplikation.<\/p>\n<p>Bei einigen Indianerst\u00e4mmen S\u00fcdamerikas war es anscheinend \u00fcblich, von Zwillingskindern jeweils eines sofort nach der Geburt zu t\u00f6ten.<\/p>\n<p>Das, was Kierkegaard die &#8222;Unmittelbarkeit nach der Reflexion&#8220; nannte.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Zahl-Moral-Entwurf-Passagen-Philosophie\/dp\/3709201322\">https:\/\/www.amazon.de\/Zahl-Moral-Entwurf-Passagen-Philosophie\/dp\/3709201322<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ein Buchtipp, da dieses Werk wohl bislang wenig Beachtung gefunden hat: Eine sehr, sehr tolle Lekt\u00fcre, essayistisch-aphoristisch (aber knapp 900 Seiten) \u00fcber ein Thema, von dem man einerseits denkt, das gibt es gar nicht, andererseits l\u00e4ngst dar\u00fcber geb\u00fcndelte Reflexionen erwartet. 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