{"id":15543,"date":"2015-07-20T05:39:55","date_gmt":"2015-07-20T03:39:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=15543"},"modified":"2015-07-05T11:41:42","modified_gmt":"2015-07-05T09:41:42","slug":"immaterial-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=15543","title":{"rendered":"Immaterial"},"content":{"rendered":"<p>Dispression<\/p>\n<p>Thomas von Aquin: Ordnung und Geheimnis, darin das Wort \u201eSinnzusammenhang\u201c mit dem Wort \u201eKonzeptualismus\u201c ersetzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em> <\/em>Was in der Sch\u00f6pfung auf die h\u00f6chste W e i s e gut ist, das ist das G u t der O r d n u n g des A l l s , das, wie der P h i l o soph [Aristoteles] sagt, auf die h\u00f6chste W e i s e v o l l k o m m en ist; dazu stimmt die g\u00f6ttliche Schrift, w e n n sie sagt: \u00bbEs sah Gott alles, was er gemacht; u n d es w a r sehr gut\u00ab, w\u00e4hrend sie v o n d e n e i n z e l n e n W e r k e n e i n f a c h h i n gesagt hatte: \u00bbsie w a r e n gut\u00ab.<\/p>\n<p>V o n j e vollkommenere r W i r k k r a f t etwas ist und je h\u00f6her es steht auf der Stufenleiter der G u t h e i t , um so a l l gemeinsamer ist sein Streben nach dem G u t e n u n d um so mehr sucht u n d w i r k t es das Gute in dem, was f e r n von i h m ist.<\/p>\n<p>Das Zeichen der V o l l k o m m e n h e i t in den niederen W e s e n ist dieses: da\u00df sie etwas sich selber \u00c4hnliches zu schaffen verm\u00f6gen.<\/p>\n<p>Was v o n Gott stammt, ist geordnet. D a r i n aber besteht die O r d n u n g der D i n g e , da\u00df die einen durch die a n deren zu G o t t gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Zwischen der Sch\u00f6pfung u n d G o t t ist e i n zwiefacher B e z u g zu gewahren: einer, gem\u00e4\u00df welchem die Gesch\u00f6pfe durch Gott verursacht werden u n d v o n i h m als v om U r g r u n d ihres Seins abh\u00e4ngen. U n d s o gesehen, ber\u00fchrt G o t t, wegen der U n b e g r e n z t h e i t seiner Kraft, unmittelbar j e g liches D i n g , i n d em er es verursacht u n d im S e i n bewahrt: h i e r a u f bezieht es sich, da\u00df G o t t auf u n m i t t e l b a r e W e i s e in a l l e n D i n g e n ist \u2014 durch W e s e n h e i t , G e g e n w a r t u n d Macht. Der andere B e z u g ist der, gem\u00e4\u00df welchem die D i n g e zur\u00fcckgef\u00fchrt w e r d e n z u G o t t als z u i h r em Z i e l . U n d s o gesehen, findet sich e i n M i t t l e r e s zwischen G o t t u n d dem Gesch\u00f6pf: w e i l die n i e d e r e n Gesch\u00f6pfe z u G o t t gef\u00fchrt w e r d e n durch d i e h\u00f6heren, w i e D i o n y s i u s [ A r e o p a g i t a ] sagt.<\/p>\n<p>Zur V o l l e n d u n g der V o l l k o m m e n h e i t des A l l s war es notwendig, d a \u00df es geschaffene W e s e n gebe, die zu G o t t z u r\u00fcckkehrten, nicht a l l e i n gem\u00e4\u00df der A b b i l d l i c h k e i t ihres Wesens, sondern auch durch i h r W i r k e n . Dies aber k a nn nicht anders geschehen als im A k t der Vernunft und des<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nietzsche, Der Fall Wagner, \u201eWagner\u201c durch \u201eKonzeptualismus\u201c ersetzt.<\/p>\n<p>Ich mache mir eine kleine Erleichterung. Es ist nicht nur die reine Bosheit, wenn ich in dieser Schrift Bizet auf Kosten des Konzeptualismus lobe. Ich bringe unter vielen Sp\u00e4ssen eine Sache vor, mit der nicht zu spassen ist. Konzeptualismus den R\u00fccken zu kehren war f\u00fcr mich ein Schicksal; irgend Etwas nachher wieder gern zu haben ein Sieg. Niemand war vielleicht gef\u00e4hrlicher mit der Konzeptualismus verwachsen, Niemand hat sich h\u00e4rter gegen ihn gewehrt, Niemand sich mehr gefreut, von ihm los zu sein. Eine lange Geschichte! \u2013 Will man ein Wort daf\u00fcr? \u2013 Wenn ich Moralist w\u00e4re, wer weiss, wie ich&#8217;s nennen w\u00fcrde! Vielleicht Selbst\u00fcberwindung. \u2013 Aber der Philosoph liebt die Moralisten nicht &#8230; er liebt auch die sch\u00f6nen Worte nicht&#8230;.<\/p>\n<p>Was verlangt ein Philosoph am ersten und letzten von sich? Seine Zeit in sich zu \u00fcberwinden, &#8222;zeitlos&#8220; zu werden. Womit also hat er seinen h\u00e4rtesten Strauss zu bestehn? Mit dem, worin gerade er das Kind seiner Zeit ist. Wohlan! Ich bin so gut wie der Konzeptualismus das Kind dieser Zeit, will sagen ein d\u00e9cadent: nur dass ich das begriff, nur dass ich mich dagegen wehrte. Der Philosoph in mir wehrte sich dagegen.<\/p>\n<p>Was mich am tiefsten besch\u00e4ftigt hat, das ist in der That das Problem der d\u00e9cadence, \u2013 ich habe Gr\u00fcnde dazu gehabt. &#8222;Gut und B\u00f6se&#8220; ist nur eine Spielart jenes Problems. Hat man sich f\u00fcr die Abzeichen des Niedergangs ein Auge gemacht, so versteht man auch die Moral, \u2013 man versteht, was sich unter ihren heiligsten Namen und Werthformeln versteckt: das verarmte Leben, der Wille zum Ende, die grosse M\u00fcdigkeit. Moral verneint das Leben &#8230; Zu einer solchen Aufgabe war mir eine Selbstdisciplin von N\u00f6then: \u2013 Partei zu nehmen gegen alles Kranke an mir, eingerechnet Konzeptualismus, eingerechnet Schopenhauer, eingerechnet die ganze moderne &#8222;Menschlichkeit&#8220;. \u2013 Eine tiefe Entfremdung, Erk\u00e4ltung, Ern\u00fcchterung gegen alles Zeitliche, Zeitgem\u00e4sse: und als h\u00f6chsten Wunsch das Auge Zarathustra&#8217;s, ein Auge, das die ganze Thatsache Mensch aus ungeheurer Ferne \u00fcbersieht, \u2013 unter sich sieht &#8230; Einem solchen Ziele \u2013 welches Opfer w\u00e4re ihm nicht gem\u00e4ss? welche &#8222;Selbst-\u00dcberwindung&#8220;! welche &#8222;Selbst-Verleugnung&#8220;!<\/p>\n<p>Mein gr\u00f6sstes Erlebniss war eine Genesung. Konzeptualismus geh\u00f6rt bloss zu meinen Krankheiten.<\/p>\n<p>Nicht dass ich gegen diese Krankheit undankbar sein m\u00f6chte. Wenn ich mit dieser Schrift den Satz aufrecht halte, dass Konzeptualismus sch\u00e4dlich ist, so will ich nicht weniger aufrecht halten, wem er trotzdem unentbehrlich ist \u2013 dem Philosophen. Sonst kann man vielleicht ohne Konzeptualismus auskommen: dem Philosophen aber steht es nicht frei, Konzeptualismus zu entrathen. Er hat das schlechte Gewissen seiner Zeit zu sein, \u2013 dazu muss er deren bestes Wissen haben. Aber wo f\u00e4nde er f\u00fcr das Labyrinth der modernen Seele einen eingeweihteren F\u00fchrer, einen beredteren Seelenk\u00fcndiger als der Konzeptualismus? Durch Konzeptualismus redet die Modernit\u00e4t ihre intimste Sprache: sie verbirgt weder ihr Gutes, noch ihr B\u00f6ses, sie hat alle Scham vor sich verlernt. Und umgekehrt: man hat beinahe eine Abrechnung \u00fcber den Werth des Modernen gemacht, wenn man \u00fcber Gut und B\u00f6se beim Konzeptualismus mit sich im Klaren ist. \u2013 Ich verstehe es vollkommen, wenn heut ein Musiker sagt &#8222;ich hasse Konzeptualismus, aber ich halte keine andre Musik mehr aus&#8220;. Ich w\u00fcrde aber auch einen Philosophen verstehn, der erkl\u00e4rte: &#8222;Konzeptualismus res\u00fcmirt die Modernit\u00e4t. Es hilft nichts, man muss erst Konzeptualist sein &#8230; &#8222;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dispression Thomas von Aquin: Ordnung und Geheimnis, darin das Wort \u201eSinnzusammenhang\u201c mit dem Wort \u201eKonzeptualismus\u201c ersetzt. &nbsp; Was in der Sch\u00f6pfung auf die h\u00f6chste W e i s e gut ist, das ist das G u t der O r d n u n g des A l l s , das, wie der P [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":"","footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-15543","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-theorie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15543"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15543"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15543\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15546,"href":"https:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15543\/revisions\/15546"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15543"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15543"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15543"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}