{"id":8516,"date":"2012-08-20T08:40:27","date_gmt":"2012-08-20T06:40:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=8516"},"modified":"2012-08-21T23:09:13","modified_gmt":"2012-08-21T21:09:13","slug":"die-ex-negativo-krankheit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=8516","title":{"rendered":"Die Ex-negativo-Krankheit"},"content":{"rendered":"<p>Das ist ein Appell an die Musikpublizistik.<\/p>\n<p>Sehr oft lese ich (oder h\u00f6re ich in Radiosendungen) die Ex-negativo-Rhetorik. Als nur ein Beispiel (es findet sich aber wirklich in SEHR VIELEN journalistischen Texten \u00fcber Musik derlei) in der <a href=\"http:\/\/de-bug.de\/mag\/\">De:Bug<\/a>, worin das Klangkunstprojekt &#8222;Tweetscapes&#8220; beschrieben wird:<\/p>\n<blockquote><p>Es sind sonische Artefakte, die sich nicht in selbstgef\u00e4lliger Esoterik an Traditionen der Verfeinerung und Zerebralisierung abendl\u00e4ndischer Gro\u00dfkunst laben. Das Oberlehrerhafte geht dieser Klangkunst v\u00f6llig ab.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wovon will sich der Autor (Holger Schulze) hier abgrenzen? Wer ist es denn, der sich  in selbstgef\u00e4lliger Esoterik an Traditionen der Verfeinerung und Zerebralisierung labt, wo ist die oberlehrerhafte Klangkunst, von der der Autor klarstellen m\u00f6chte, dass sein besprochenes Werk sie auf jeden Fall NICHT ist? Wieso nennt er keine Namen?<br \/>\nWahrscheinlich, weil es diesen Pappkameraden, diesen esoterischen Oberlehrerdeppen in Natura gar nicht gibt, sondern nur in der Imagination von Herrn Schulze. Herr Schulze leidet an der (sehr verbreiteten) Ex-negativo-Krankheit, genauer gesagt an der Phantom-Ex-negativo-Krankheit.<\/p>\n<p>Zugegeben litt auch ich fr\u00fcher bisweilen an der Krankheit, eine Erbkrankheit. Aber ich sehe, dass es unproduktiv ist und verklemmt &#8211; Kritik, aber blo\u00df nicht jemandem zu nahe treten. Doch irgendwann ist es \u00fcberwunden mit Abgrenzung und Formulierung von lapidaren Gegens\u00e4tzen, bei denen auf der einen Seite ein idealtypisches j\u00e4mmerliches, anonymes Schei\u00dfding steht und auf der anderen Seite das konkrete, gl\u00e4nzende Gute. Jeder kann komponieren, was er will, kritisiert werden k\u00f6nnen nur die, die \u00f6ffentliches Geld daf\u00fcr ausgeben. Das ist aber eine eigene Baustelle.<\/p>\n<p>Ich kann mir schon denken, wen Herr Schulze meint: Die Neue Musik bzw. manche ihrer prominenten Vertreter. Aber eine namentliche Auseinandersetzung wagt er dann doch nicht, haut lieber auf den Pappkameraden ein. Nur da funktioniert das Ex-negativo-Prinzip n\u00e4mlich.<\/p>\n<p>Ihr Musikjournalisten, die ihr Besprechungen schreibt und Radiosendungen macht: H\u00f6rt, wenigstens mal versuchsweise, auf, mit der Ex-negativo-Rhetorik Zeilen zu f\u00fcllen und Sendeminuten zu verheizen. Der Erkl\u00e4rungswert dieser Aussagen ist sehr gering und die Methode l\u00e4sst Niveau vermissen, sie ist einfach nicht zeitgem\u00e4\u00df dem postmodernen Pluralisms. Differenzen statt Gegens\u00e4tze &#8211; aber das ist eben viel aufw\u00e4ndiger. Und wenn schon Opposition (bedenkt: &#8222;Wenige sind wert, dass man ihnen widerspricht&#8220;), dann immer konkret Namen nennen. Aber ihr werdet sehen, wie gut man darauf verzichten kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist ein Appell an die Musikpublizistik. Sehr oft lese ich (oder h\u00f6re ich in Radiosendungen) die Ex-negativo-Rhetorik. 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