{"id":7600,"date":"2012-04-26T12:34:11","date_gmt":"2012-04-26T10:34:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=7600"},"modified":"2012-04-24T18:38:57","modified_gmt":"2012-04-24T16:38:57","slug":"kreidler-witten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=7600","title":{"rendered":"Kreidler @Witten"},"content":{"rendered":"<p>Morgen findet an der Universit\u00e4t Witten das Symposium &#8222;Musik als Material &#8211; Bearbeitung, Sampling, Bricolage&#8220; statt. Dort werde ich den Vortrag &#8222;Paneklektizismus&#8220; halten.<\/p>\n<p>Abstract:<\/p>\n<p><strong>Paneklektizismus<\/strong><br \/>\nAu\u00dfer dem nur noch selten gelingenden Kunstst\u00fcck, einen nie\u00a0geh\u00f6rten Klang hervorzuzaubern, bedienen sich die Komponisten heute zwangsl\u00e4ufig des Bestehenden. Das betrifft nicht nur musikalische Grundelemente, wie die 88\u00a0Tasten des Klaviers, sondern auch deren Kombinationen. Instrumentale Gesten, standardisierte Satztechniken und expressive Topoi sind allgegenw\u00e4rtig und k\u00f6nnen nach 100 Jahren Neue Musik und 30 Jahren ihrer institutionellen Durchorganisierung kaum noch umgangen oder umgedeutet werden (\u00e4hnlich gilt das auch f\u00fcr die Popmusik); endg\u00fcltig wird durch das Internet, das \u201etotale Archiv\u201c, das Vergessen der Kunstgeschichte nahezu unm\u00f6glich. Darum setzt ein Kategorienwechsel ein: Die Frage ist immer weniger, <em>ob<\/em> ein Komponist zitiert, sondern <em>was<\/em>, <em>wie <\/em>und <em>wof\u00fcr<\/em>.<\/p>\n<blockquote>\n<h5>Musik als Material &#8211; Bearbeitung, Sampling, Bricolage<\/h5>\n<p>Eine Tagung des Lehrstuhls f\u00fcr Ph\u00e4nomenologie der  Musik findet in Kooperation mit den \u201eWittener Tagen f\u00fcr Neue  Kammermusik\u201c am Freitag, 27. April 2012, im Haus Witten statt.<\/p>\n<p>Mit Vortr\u00e4gen und Diskussionen von und mit:<\/p>\n<p>Roger Behrens &#8211; Philosoph, Sozialwissenschaftler<br \/>\nChristian Gr\u00fcny &#8211; Philosoph<br \/>\nJ\u00f6rn-Peter Hiekel &#8211; Musikwissenschaftler<br \/>\nRainer Nonnenmann &#8211; Musikwissenschaftler<br \/>\nMarc Andre &#8211; Komponist<br \/>\nJohannes Kreidler &#8211; Komponist<br \/>\nElmar Lampson &#8211; Komponist<br \/>\nIngo Ernst Reihl &#8211; Dirigent<\/p>\n<p>Die Frage nach dem musikalischen Material ist alles andere als  neutral. Die grunds\u00e4tzliche Frage, was im Falle der Musik als ihr  Material gelten kann, wird von vornherein von derjenigen \u00fcberlagert,  welches Material \u00fcberhaupt zu einer gegebenen Zeit zur Verf\u00fcgung steht.  Wenn es eine neutrale Bestimmung musikalischen Materials nicht geben  kann, ist die Frage nach dem Material immer historisch ges\u00e4ttigt und  normativ aufgeladen \u2013 auch wenn man nicht mehr Adorno folgend von einem  \u201eStand des Materials\u201c sprechen mag.<\/p>\n<p>Hinzu kommt die Heterogenit\u00e4t dessen, was \u00fcberhaupt als musikalisches  Material angesprochen werden kann: T\u00f6ne, Tonsysteme, Wendungen,  \u00fcberkommene Formen, Ger\u00e4usche, instrumentale Konstellationen etc.  Abgesehen von dem Fall, in dem au\u00dfermusikalisches Klangmaterial  musikalisiert wird, liegen alle diese Materialien nur in der Musik oder  besser als Musik vor. Das Material von St\u00fccken sind Dimensionen anderer  St\u00fccke.<\/p>\n<p>Ein besonderer Fall tritt dann ein, wenn Musikst\u00fccke als solche den  Ausgangspunkt einer Komposition bilden. Klassisch ist die Bearbeitung  eines anderen St\u00fccks, die sich mehr oder weniger weit von diesem  entfernen kann, um m\u00f6glicherweise zu einem neuen St\u00fcck eigenen Rechts zu  werden. Zu diesem traditionell \u201eerlaubten\u201c Fall treten im 20.  Jahrhundert Verfahren, die mit Versatzst\u00fccken anderer Kompositionen  arbeiten, sie montieren, sie verfremden, nebeneinander stehen lassen, in  neue Zusammenh\u00e4nge stellen, als Fremdk\u00f6rper in eigenen Gestaltungen  auftauchen lassen und anderes mehr. Das organische Kunstwerk wird zur  Bricolage. Das mittlerweile f\u00fcr jedermann erreichbare technische  Verfahren des Samplings erweitert die M\u00f6glichkeiten hier unabsehbar \u2013  verglichen etwa mit John Cages monatelanger Arbeit an den vier Minuten  von Williams Mix, einer Art analogem Sampling avant la lettre.<\/p>\n<p>Die Tagung stellt die Frage nach M\u00f6glichkeiten und Legitimit\u00e4t dieser  Art von Bearbeitung, die bei aller Kritik an der Vorstellung eines  Materialstandes doch immer wieder als einzig angemessene Form des  Umgangs mit der Tradition affirmiert oder als Regression verfemt wird.<\/p>\n<p><strong>Termin: <\/strong>Freitag, 27. April 2012<strong> <\/strong>(10 Uhr &#8211; 17.30 Uhr, Haus Witten, Ruhrstr. 86, Otto-Schott-Saal). Der Eintritt ist frei.<\/p>\n<p>10:00 Uhr\u00a0\u00a0Christian Gr\u00fcny (Witten) : Einf\u00fchrung<br \/>\n10:30 Uhr\u00a0\u00a0J\u00f6rn Peter Hiekel (Dresden) : Provokation oder Selbst-<br \/>\nverst\u00e4ndlichkeit? Kreative Neudeutung vorhandenen<br \/>\nMaterials als Konstante (nicht nur) der Musik des<br \/>\n20.\/21. Jahrhunderts<\/p>\n<p>11:30 Uhr\u00a0\u00a0Johannes Kreidler (Berlin) : Paneklektizismus<\/p>\n<p>12:30 &#8211; 13:30 Uhr\u00a0Mittagspause<\/p>\n<p>13:30 Uhr\u00a0\u00a0Rainer Nonnenmann (K\u00f6ln) : Mediale Unsch\u00e4rferelation.<br \/>\nZur Produktion von Musik durch ihre Reproduktion<\/p>\n<p>14:30 Uhr\u00a0\u00a0Roger Behrens (Hamburg) : Kritik, Material, \u00c4sthetik.<br \/>\nEinige \u00dcberlegungen angesichts der aktuellen gesell-<br \/>\nschaftlichen Lage der Musik<\/p>\n<p>15:30 &#8211; 16:00\u00a0\u00a0Pause<\/p>\n<p>16:00 Uhr\u00a0\u00a0Podium mit den Komponisten Marc Andre (Berlin), \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Johannes Kreidler (Berlin), Elmar Lampson (Hamburg)<br \/>\nModeration: Ingo Ernst Reihl (Witten)<\/p>\n<p>17:30 Uhr\u00a0\u00a0Ende der Tagung<\/p>\n<p>Eine Veranstaltung der Fakult\u00e4t f\u00fcr Kulturreflexion<br \/>\n&#8211; Studium fundamentale &#8211;<br \/>\nSekretariat: Tel. 02302-926815<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen:<\/strong><\/p>\n<p>Hier finden Sie den <a href=\"http:\/\/www.uni-wh.de\/fileadmin\/media\/u\/news\/2012\/1._Quartal\/Musik_als_Material.pdf\" target=\"_blank\">Flyer zur Tagung<\/a>.<br \/>\nHier finden Sie Informationen zu den <a title=\"Wittener Tage f\u00fcr neue Kammermusik\" href=\"http:\/\/www.kulturforum-witten.de\/kulturbuero\/veranstaltungen\/wittener-tage-fuer-neue-kammermusik\/\" target=\"_blank\">Wittener Tagen f\u00fcr neue Kammermusik<\/a>.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Morgen findet an der Universit\u00e4t Witten das Symposium &#8222;Musik als Material &#8211; Bearbeitung, Sampling, Bricolage&#8220; statt. 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