{"id":6098,"date":"2011-11-26T04:05:54","date_gmt":"2011-11-26T02:05:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=6098"},"modified":"2011-11-30T15:38:45","modified_gmt":"2011-11-30T13:38:45","slug":"fragebogen-zum-festival-talk-to-each-other","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=6098","title":{"rendered":"Fragebogen \u00fcber mitteilsame Musik"},"content":{"rendered":"<p>N\u00e4chste Woche Freitag (2.12.) gibt&#8217;s beim Festival <a href=\"http:\/\/www.rainydays.lu\/2011\/\">Rainy Days<\/a> in der Luxemburger Philharmonie, welches heuer &#8222;Let&#8217;s talk to each other&#8220; zum Thema hat, meine Show &#8222;Giving Talks&#8220;, eine szenische Kompilation der Werke &#8222;Fremdarbeit&#8220;, &#8222;Music for a Solo Western Man&#8220;, &#8222;Compression Sound Art&#8220; und Teile aus &#8222;Feeds. H\u00f6ren TV&#8220;. Es spielt das Ensemble Lucilin geleitet von David Reiland, ich selbst werde moderieren, mit Festivalchef Bernhard G\u00fcnther als Sidekick; es tanzt Manuel Romen, die Klang- und Videoregie betreut Tobias Knobloch.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.rainydays.lu\/2011\/index.php?id=0212&#038;PHPSESSID=lrh6eaat65et8gll9q332rc7r1\">http:\/\/www.rainydays.lu\/2011\/index.php?id=0212&#038;PHPSESSID=lrh6eaat65et8gll9q332rc7r1<\/a><\/p>\n<p>F\u00fcr das Programmheft sollten die beteiligten Komponisten des Festivals einen Fragebogen ausf\u00fcllen; das sind meine Antworten:<\/p>\n<p><em>Wo w\u00fcrden Sie Ihre Kompositionen auf einer Skala der Mitteilsamkeit von 1 (sie sollten vollkommen r\u00e4tselhaft bleiben) bis 10 (sie sollten vollkommen selbsterkl\u00e4rend sein) idealerweise sehen wollen?<\/em><\/p>\n<p>11 (10 und 1)<\/p>\n<p><em>Und realistischerweise?<\/em><\/p>\n<p>10.1<\/p>\n<p><em>Welche St\u00fccke anderer Komponisten aus der Vergangenheit oder Gegenwart finden Sie pers\u00f6nlich besonders gelungen im Blick auf ihre verbale Mitteilsamkeit?<\/em><\/p>\n<p>Alvin Lucier, I am sitting in a Room<br \/>\nNicolaus Huber, Harakiri<br \/>\nBob Ostertag, sooner or later<br \/>\nMartin Sch\u00fcttler, Leerstand<br \/>\nTrond Reynholdtsen, Unsichtbare Musik<br \/>\nPatrick Frank, The Law of Quality<br \/>\nLars Petter Hagen, To Zeitblom<\/p>\n<p><em>Welche verbalen und sonstigen nicht im engeren Sinne \u2039rein\u203a musikalischen Mittel setzen Sie am liebsten ein, um einem Publikum etwas mitzuteilen? Gesungene Texte, gesprochene Texte (als Teil der Auff\u00fchrung), sichtbare Texte (w\u00e4hrend der Auff\u00fchrung), Texte im Programmbuch, Einf\u00fchrungsvortr\u00e4ge vor der Auff\u00fchrung, Gespr\u00e4che nach der Auff\u00fchrung, Videos, Websites, Bilder, Objekte, Licht, \u2026?<\/em><\/p>\n<p>Vornehmlich Moderation und Video.<\/p>\n<p><em>Haben Sie manchmal das Gef\u00fchl, zugunsten deutlicherer kommunikativer Aspekte einer Komposition bei der \u2039rein musikalischen\u203a Qualit\u00e4t oder Wahrnehmbarkeit Abstriche machen zu m\u00fcssen?<\/em><\/p>\n<p>Ja, manchmal, und manchmal macht das gar nichts, und manchmal ist es schade.<\/p>\n<p><em>Was bedeutet f\u00fcr Sie die Arbeitsteilung oder Rollenvermischung zwischen Komponist, Performer, Textautor, Sprecher\/Kommentator, Video-\/Filmemacher, Regisseur, \u2026?<\/em><\/p>\n<p>Arbeitsteilung ist ein \u00dcbel in der Kunst, wenn so etwas wie ein Gesamtkunstwerk angestrebt wird. Funktionaler Einsatz verschiedener Medien hingegen ist gut, wenn es ein Gesamtkonzept und einen Chef gibt.<br \/>\n<em><br \/>\nWelche Reaktionen l\u00f6st das folgende ber\u00fchmte Zitat von Theodor W. Adorno (1953\/1959) heute bei Ihnen aus?<br \/>\n\u00abDie Schocks des Unverst\u00e4ndlichen, welche die k\u00fcnstlerische Technik im Zeitalter der Sinnlosigkeit austeilt, schlagen um. Sie erhellen die sinnlose Welt. Dem opfert sich die neue Musik. Alle Dunkelheit und Schuld hat sie auf sich genommen. [\u2026] Keiner will mit ihr etwas zu tun haben, die Individuellen ebenso wenig wie die Kollektiven. Sie verhallt ungeh\u00f6rt, ohne Echo. [\u2026] Sie ist die wahre Flaschenpost.\u00bb<\/em><\/p>\n<p>Nun ja, so sinnlos erscheint die Welt heute nicht mehr, im Gegenteil, wir haben gewaltigen Sinn\u00fcberschuss und einen Ozean voll Flaschenpost: das Internet.<br \/>\n<em><br \/>\nWie hat sich die Beziehung zwischen Komponisten und Zuh\u00f6rern in den letzten Jahrzehnten ver\u00e4ndert?<\/em><\/p>\n<p>Vielleicht etwas kommunikativer, durch das Internet. Ist aber (noch) nicht allzu verallgemeinerbar.<br \/>\n<em><br \/>\nWie stellen Sie sich Sie die idealen H\u00f6rer Ihrer Musik vor?<\/em><\/p>\n<p>\u201eWenn zwei Sechzehnj\u00e4hrige sich in der Mansarde oder auf einem Waldgang an dem Autor begeistern, den sie entdeckt haben, so ist das wichtiger als die Tagung eines Schriftstellerverbandes oder die Verhandlung einer Akademie.\u201c (Ernst J\u00fcnger)<\/p>\n<p><em>Gibt es sonst noch etwas, was Sie Ihrem Publikum im Festival rainy days 2011 an dieser Stelle mitteilen m\u00f6chten?<\/em><\/p>\n<p>Sapere aude.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>N\u00e4chste Woche Freitag (2.12.) gibt&#8217;s beim Festival Rainy Days in der Luxemburger Philharmonie, welches heuer &#8222;Let&#8217;s talk to each other&#8220; zum Thema hat, meine Show &#8222;Giving Talks&#8220;, eine szenische Kompilation der Werke &#8222;Fremdarbeit&#8220;, &#8222;Music for a Solo Western Man&#8220;, &#8222;Compression Sound Art&#8220; und Teile aus &#8222;Feeds. 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