{"id":5827,"date":"2011-10-28T05:45:28","date_gmt":"2011-10-28T03:45:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=5827"},"modified":"2011-10-28T11:55:39","modified_gmt":"2011-10-28T09:55:39","slug":"das-totale-archiv-2-die-digitalen-archive","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=5827","title":{"rendered":"Das totale Archiv (2): Die digitalen Archive"},"content":{"rendered":"<p>In der n\u00e4chsten Zeit bringe ich hier in insgesamt zw\u00f6lf Teilen den Text &#8222;Das totale Archiv&#8220; als Blog-Version. Im <a href=\"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=5824\">ersten Teil<\/a> ging es erst einmal grunds\u00e4tzlich um die relative Abstraktion und Konkretion der Begriffe &#8222;neu&#8220; und &#8222;alt&#8220;, um verschiedene Auffassungen von Kontinuit\u00e4t und Bruch. Der zweite Teil nun befasst sich mit den digitalen Archiven als positive Innovation.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2. Die digitalen Archive<\/p>\n<p>Man mag es Faulheit, Pragmatik oder hohe Anstrengung nennen: Als handfestes Kriterium f\u00fcr die qualitative Neuheit dient in diesem Text das Materielle (\u2013 und das vom Patentamt B\u00fcrokratisierte, wenn man so will \u2013) des technologischen<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> Fortschritts. Allein schon die Tatsache, dass es in keinem Bereich so viele Neologismen wie in der Computerbranche gibt, spricht daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Die heutigen Prozessoren, Festplatten und \u00dcbertragungswege sind Innovationen. Es gab sie vor zehn Jahren noch nicht. Ein Beispiel hierf\u00fcr ist YouTube. Diese gigantische Videothek existiert seit sechs Jahren. Davor gab es nur physische Videotheken, in denen kommerzielle Videokassetten und DVDs erh\u00e4ltlich waren. Auf YouTube hingegen finden sich Schnipsel von allem, was auditiv und visuell aufzeichenbar ist. Praktisch jedes Nischenpublikum \u2013 bis auf Pornografie und Gewalt, wof\u00fcr eigene Portale existieren \u2013 findet hier sein Gl\u00fcck, ob Stummfilme von 1902, Dokumentationen \u00fcber kongolesische Riten oder radikale Kunstmusik. (Was allm\u00e4hlich wieder entfernt wird, sind kommerziell orientierte Inhalte, die hier illegal aufauchen.) Ginge die Betreiberfirma Bankrott, man m\u00fcsste YouTube, mindestens im Sinne des Denkmalschutzes, verstaatlichen; dasselbe gilt f\u00fcr Wikipedia. Die gro\u00dfe Mehrheit wird den technologischen Fortschritt, den diese Archive darstellen, als positiv ansehen. Aktuell steht zur Debatte, Wikipedia in die Liste der Weltkulturerbe aufzunehmen.<\/p>\n<p>Zwar gab es Abseitiges wie Stumfilme von 1902 auch im Fernsehen, aber das zog als \u2013 wie wir heute sagen w\u00fcrden \u2013 \u201eLivestream\u201c vor\u00fcber und verschwand, oft schmerzlich vermisst, wieder in den Rundfunkarchiven, so man es nicht rechtzeitig auf Videoband mitschnitt. Doch was vorbeifloss, staut sich jetzt auf Festplatten. Die Kultur, fr\u00fcher von J\u00e4gern gesammelt, ist sesshaft geworden in den Serverfarmen. Ein E-Book in einem Archiv in Kalifornien ist n\u00e4her als das B\u00fccherregal an der Wand; der Berg an Informationen ist zum Propheten gekommen. Alles findet sich nun ein im \u201eglobalen Dorf\u201c (Marshall McLuhan). Kennt nicht jeder den begl\u00fcckenden Moment, wenn er eine vor f\u00fcnfundzwanzig Jahren im dritten Programm halb gesehene und seither nie wieder ausgestrahlte, hochinteressante Sendung nun vollst\u00e4ndig auf YouTube entdeckt? Schaffen es schon die \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten nicht selber, ihrem Bildungsauftrag nachzukommen, sollte es erste B\u00fcrgerpflicht sein, dass jeder seine alten VHS-Kassetten digitalisiert und der Menschheit auf YouTube \u00fcbergibt. Gott sei Dank tun dies viele \u2013 YouTube ist ein demokratisches Weltwunder. Das \u201eHochladen\u201c darf man im Wortsinn als feierlich empfinden.<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>\n<hr size=\"1\" \/>\n<div>\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Die Ausdr\u00fccke \u201eTechnik\u201c und \u201eTechnologie\u201c werden in diesem Text synonym gebraucht, wie es sich vom englischen \u201etechnology\u201c aus hierzulande allm\u00e4hlich einb\u00fcrgert.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Vgl. \u201eAls das British Film Institute in den 90er Jahren begann, die englische Bev\u00f6lkerung in die systematische Suche nach historischen Fernsehsendungen einzubeziehen (die Originalb\u00e4nder waren, um Geld zu sparen, einfach \u00fcberspielt worden), mussten die Sender zun\u00e4chst ausdr\u00fccklich erkl\u00e4ren, nachtr\u00e4glich keine rechtlichen Schritte gegen das illegale Mitschneiden ihrer Programme einzuleiten.\u201c (Andreas Busche, <em>J\u00e4ger der vorhandenen Sch\u00e4tze<\/em>, in: <em>taz<\/em> vom 25.8.2011. <a href=\"http:\/\/bit.ly\/pPiU1o\">http:\/\/bit.ly\/pPiU1o<\/a>, recherchiert am 30.8.2011.)<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der n\u00e4chsten Zeit bringe ich hier in insgesamt zw\u00f6lf Teilen den Text &#8222;Das totale Archiv&#8220; als Blog-Version. 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