{"id":2894,"date":"2010-02-07T13:21:38","date_gmt":"2010-02-07T11:21:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=2894"},"modified":"2010-06-06T14:06:23","modified_gmt":"2010-06-06T12:06:23","slug":"komponieren-heist-ein-instrument-klauen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=2894","title":{"rendered":"Komponieren hei\u00dft: ein Instrument klauen"},"content":{"rendered":"<p>Au\u00dfer dem selten noch gelingenden Kunstst\u00fcck, einen nie geh\u00f6rten Klang hervorzuzaubern, bedient man sich zwangsl\u00e4ufig des Bestehenden. Das sind nicht nur musikalische Grundelemente, wie die 88 Tasten des Klaviers, sondern auch gr\u00f6\u00dfere Zusammenh\u00e4nge. So wie man eine Taste verschieden anschl\u00e4gt, modifiziert man auch gegebene Strukturen. Darum soll sich, wer etwa ein Ger\u00e4uschfeld f\u00fcr sein St\u00fcck braucht, einfach eine Partiturseite Lachenmann (&#8222;Komponieren hei\u00dft: ein Instrument bauen&#8220;) nehmen und gebrauchen, statt sich noch mal (quasi) eigene Strukturen aufzubauen. Die Komponisten arbeiten noch viel zu viel an der falschen Stelle. Genug gebaut! <\/p>\n<p>Wir leben im Zeitalter des unweigerlichen Paneklektizismus. &#8222;Eklektizismus&#8220; gilt allerdings meist als Pejorativum. Dabei w\u00e4re doch vielmehr zu kritisieren, WAS \u00fcbernommen wird (und wof\u00fcr!). In Deutschland scheint man nicht von der Norm loszukommen, dass wenn schon eindeutig Musik zitiert wird, dann nichts unter der ganz \u201egro\u00dfen\u201c Tradition: Beethoven, Schumann, Brahms \u2013 als ob man damit sein eigenes Niveau rangieren k\u00f6nnte! Exemplarisch falsch: Manos Tsangaris&#8216; Musiktheater <em>Batsheba<\/em>. Vorlage war die Zeitungsgeschichte \u00fcber einen im Chatroom angebahnten Eifersuchtsmord. Dem im Jetzt Angesiedelten musste Tsangaris um der musikgeschichtlichen Langzeitwirkung dann aber unbedingt mythologischen Urgrund, die alttestamentarische Weihe beigeben (umgekehrtes Regietheater, sozusagen). So verfehlt geriet denn auch die Musik. Schon die Bildungshuberei ist nervig. Noch mehr aber k\u00f6nnen Arbeiten mit zeitlosen, den &#8222;ewigen&#8220; Themen heute eben fast nichts mehr ausrichten: Shakespeare und ein paar Weitere haben da einfach schon alles zu Leistende geleistet. <\/p>\n<p>Umgekehrt braucht es aber auch nicht der letzte ephemere Trash zu sein. Was es doch alles sonst noch gibt!- Warum nicht Bordellmusik des 19. Jahrhunderts, australischen Obertongesang oder Musiken aus Hitlerfilmen zitieren? Das sind Kl\u00e4nge, besser gesagt: Instrumente! Man nehme eben nicht das einfach Verf\u00fcgbare, sondern was sich sperrt, einem fremd, unangenehm, unauthentisch, sonderbar oder gar verhasst ist, was von seinem Kontext wirklich abgel\u00f6st, herausgerissen, geklaut werden muss. Nutzt diese Medien falsch, seid damit ungerechter noch als der Kapitalismus, habt diebische Freude dabei, l\u00fcgt dass sich im Konzertsaal die Balken biegen (um der Ehrlichkeit willen), schreibt jeden Tag ein Manifest, in dem ihr von euch auf die ganze Welt schlie\u00dft. Das ist eine konstruktiv politische \u00c4sthetik: Tut den Medien der Kunst Gewalt an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Au\u00dfer dem selten noch gelingenden Kunstst\u00fcck, einen nie geh\u00f6rten Klang hervorzuzaubern, bedient man sich zwangsl\u00e4ufig des Bestehenden. Das sind nicht nur musikalische Grundelemente, wie die 88 Tasten des Klaviers, sondern auch gr\u00f6\u00dfere Zusammenh\u00e4nge. 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