{"id":2734,"date":"2010-01-08T14:02:19","date_gmt":"2010-01-08T12:02:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=2734"},"modified":"2010-01-08T14:13:08","modified_gmt":"2010-01-08T12:13:08","slug":"die-ursache-liegt-in-der-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=2734","title":{"rendered":"Die Ursache liegt in der Zukunft"},"content":{"rendered":"<p>Letztes Jahr wurde ich um einen Beitrag f\u00fcr die Festschrift zum 50j\u00e4hrigen Bestehen des Elektronischen Studios des Mozarteum Salzburg gebeten. Es sollte ein Statement sein zur Frage: &#8222;Der Komponist ist tot. Es lebe der Komponist !?&#8220; Zur Verortung der zeitgen\u00f6ssischen Komposition an der Grenze physikalischer Manifestationen durch Musiker, Instrumente und architektonische R\u00e4ume zwischen Hoch-, Sub- und Netzkultur, Akademie und freier Szene.<\/p>\n<p>Hier ist der Text und ab jetzt auch in der <a href=\"http:\/\/www.kreidler-net.de\/theorie.htm\">Essaysammlung<\/a> auf meiner Website, die ich auch sonst mal wieder auf Vordermann gebracht habe.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<div id=\"textbox\">\n<h1>Die Ursache liegt in der Zukunft<\/h1>\n<p>Wer sich die letzten zehn Jahre intensiv mit digitaler Technik befasst hat, kann mit relativer Sicherheit Prognosen abgeben. Sicher, weil bereits eingeschlagene Tendenzen haupts\u00e4chlich nur von mangelnder Hardwareleistung und alten Institutionen gebremst sind; die Hardware wird aber st\u00e4ndig weiterentwickelt, die Leistungen der Institutionen dadurch dann ersetzt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Musik ist abzusehen, dass Sensorik die klassischen Instrumente abl\u00f6sen kann. Dann gibt es statt f\u00fcr Klavier, Geige und Oboe Studieng\u00e4nge f\u00fcr Tast-, Streich- und Blasmodule. Ein Komponist wird \u201einstrumentieren\u201c, indem er bestimmte Klangparameter bestimmten K\u00f6rperbewegungen zuweist. Lautsprecher wiederum werden so gut sein, dass ihr Klang edler ist als der einer Stradivari. Physisches Musizieren bleibt aber faszinierend, live oder auf Video.<\/p>\n<p>Auf Softwareseite wird die k\u00fcnstliche Intelligenz uns noch verbl\u00fcffen \u2013 man denke an den Sieg des Schachcomputers \u2013: Es wird Programme geben, mit denen sich Partituren vieler Stile der Neuen Musik per Klick erstellen lassen. Neben dem Aspekt der dann m\u00f6glichen riesigen Quantit\u00e4ten wird Mash-Up das zentrale kompositorische Verfahren sein, das Quermixen der Objekte.<\/p>\n<p>Wenn die letzte Generation der Haptiker ausgestorben ist, wird man B\u00fccher, Filme und Musik (von der Live-Auff\u00fchrung abgesehen) fast nur noch auf digitalen Ger\u00e4ten konsumieren, und all das wird umsonst sein: weil es verlustfrei in Sekunden vervielf\u00e4ltigbar ist; Verlage und Labels der heutigen Form wird es nicht mehr geben. K\u00fcnstler stellen ihre Werke ins Netz und erreichen damit mehr Publikum als live und auf physischen Medien. Rundfunkstationen bekommen die unabh\u00e4ngige Konkurrenz der Blogs und Netzwerke. Souver\u00e4ner von institutionellen Vorgaben l\u00e4sst sich Kunst viel mehr am Ma\u00dfstab der lebensweltlichen Relevanz machen und verbreiten (Problem ist die Finanzierung, aber das hat die Neue Musik ohnehin).<\/p>\n<p>Obwohl oder gerade weil diese Entwicklungen noch in den Kinderschuhen stecken, kann f\u00fcr die Gegenwart daraus nur der Imperativ gefolgert werden, sich dem unbedingt zuzuwenden. All das ist ja nur eine Frage der Zeit, aber das ist Musik immer.<\/p>\n<\/div>\n<p>Juli 2009<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letztes Jahr wurde ich um einen Beitrag f\u00fcr die Festschrift zum 50j\u00e4hrigen Bestehen des Elektronischen Studios des Mozarteum Salzburg gebeten. Es sollte ein Statement sein zur Frage: &#8222;Der Komponist ist tot. 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