{"id":273,"date":"2008-10-19T19:03:47","date_gmt":"2008-10-19T17:03:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=273"},"modified":"2008-10-24T00:15:16","modified_gmt":"2008-10-23T22:15:16","slug":"mehr-schlechtes-fernsehen-fordern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=273","title":{"rendered":"Mehr schlechtes Fernsehen fordern!"},"content":{"rendered":"<p>Wie sich jetzt abzeichnet, verpufft Marcel Reich-Ranickis Fernseh-Kritik. Nicht, dass Fernsehen doch gut w\u00e4re, aber f\u00fcr Reformforderungen ist es nicht schlecht genug.<\/p>\n<p>Was dann, wo doch die Kanzlerin selbst ununterbrochen davon redet, dass Bildung oberstes Staatsziel sei? Die \u00e4sthetisch-politische Methode ist jetzt, mehr schlechtes Fernsehen zu fordern, sich die andere Seite zu eigen zu machen, sie ins Extreme f\u00fchren. Als Schlingensief bei seiner Neonazi-Hamletinszenierung in Z\u00fcrich zu h\u00f6ren bekam, dass man f\u00fcr so etwas keine Subventionen ausgeben d\u00fcrfe, organisierte er eine Demo F\u00dcR die Streichung S\u00c4MTLICHER Theatersubventionen.<\/p>\n<p>Fassbinder ist der Satz zugeschrieben, was man nicht \u00e4ndern k\u00f6nne, dass solle man versuchen zu beschreiben. Es hat seine tieferen Gr\u00fcnde, warum Fernsehen so ist wie es ist. Der Arbeitnehmer will abends unterhalten werden und sich entspannen k\u00f6nnen, Fragen nach dem Sinn des Lebens oder dem des Kapitalismus w\u00fcrden nur das System destabilisieren. Das ist alles lange bekannt (&#8222;Kulturindustrie&#8220;) und droht langweilig zu werden, muss aber einfach immer wieder repetiert und aktualisiert werden, eben: wieder beschrieben werden, so lange es sich nicht \u00e4ndert.<\/p>\n<p>&#8222;Lebensqualit\u00e4t als Krise&#8220; k\u00f6nnte der Zustand genannt werden. F\u00fcr die Masse er\u00fcbrigen sich die Fragen nach woher wir kommen woher wir gehen und s. weiter oder werden vom &#8222;perfekten Promidinner&#8220; beantwortet, wenn das Einkommen geregelt ist und die Arbeit ertr\u00e4glich. Dumm sein und Arbeit haben, das ist Gl\u00fcck. schreibt Benn in einem Gedicht, und was zetern dann K\u00fcnstler und Intellektuelle subventionsgebauchpinselt von besserer Welt mit Denksportaufgaben. &#8222;H\u00f6ren Sie auf zu Grinsen, wir haben 6 Millionen Arbeitslose&#8220; l\u00e4sst von Stuckrad-Barre Schlingensief im &#8222;Soloalbum&#8220; br\u00fcllen. Das ist zu Ende, jetzt sollten alle Zwangsgrinsen. Letztes Zitat f\u00fcr heute: Heiner M\u00fcller erz\u00e4hlte gerne die Geschichte vom Marxisten, der in Indien Coca-Cola verkauft, denn seiner Meinung nach kann der Marxismus erst beginnen, wenn der Dritten Welt das Coca-Cola zu den Ohren rausl\u00e4uft.\u00a0 So gesehen sind die wohldosierten Kultursubventionen daf\u00fcr gut, zu verhindern, dass den Leuten das Cola zu den Ohren rausl\u00e4uft und der Marxismus ausbricht. Dem entspricht die Eigent\u00fcmlichkeit, dass die kunstaffinste Partei Deutschlands die CDU ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie sich jetzt abzeichnet, verpufft Marcel Reich-Ranickis Fernseh-Kritik. Nicht, dass Fernsehen doch gut w\u00e4re, aber f\u00fcr Reformforderungen ist es nicht schlecht genug. Was dann, wo doch die Kanzlerin selbst ununterbrochen davon redet, dass Bildung oberstes Staatsziel sei? 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