{"id":26984,"date":"2025-07-03T05:48:00","date_gmt":"2025-07-03T03:48:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=26984"},"modified":"2025-07-03T10:23:11","modified_gmt":"2025-07-03T08:23:11","slug":"post-von-wagner-18","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=26984","title":{"rendered":"Post von Wagner"},"content":{"rendered":"<p>In meinem <a href=\"https:\/\/www.wolke-verlag.de\/musikbuecher\/johannes-kreidler-begriffliches-hoeren\/\">neuen Buch<\/a> habe mich meine &gt;Briefe von Wagner&lt; an Pers\u00f6nlichkeiten der Musikgeschichte in einem eigenen Textbeitrag gesammelt. Den habe ich jetzt mal allen g\u00e4ngigen KI Chatbots (in der Reihenfolge: ChatGPT, DeepSeek, Claude, Gemini, Perplexity, Grok, Le Chat) gegeben mit der Bitte, in dieser Art einen Brief an Bruckner zu schreiben. Nicht \u00fcberraschend, alle spie\u00dfem Bruckners \u00dcberl\u00e4ngen auf. Aber jeder ist im Ton treffend.<\/p>\n<p>++++++<\/p>\n<p>Lieber Anton Bruckner,<\/p>\n<p>Sie rochen nach Weihrauch, Orgelpfeife und kaltem Schwei\u00df. Sie waren der Messdiener Gottes, der Symphoniker mit Kniefall. Wenn Beethoven der Donnergott war, dann Sie sein sch\u00fcchterner Ministrant. Ihre Musik ist Gebet und Geisterbeschw\u00f6rung, eine Mischung aus Gotik, Glanz und Grusel. Sie komponierten wie ein M\u00f6nch auf Speed. Sie schrieben einen langsamen Satz \u2013 und dann noch einen langsameren. In Ihren Partituren liegt etwas Erhabenes, ja \u2013 aber auch etwas Krankes. Manchmal klingt das, als w\u00fcrde ein Kathedralgew\u00f6lbe in Zeitlupe einst\u00fcrzen. Und dann pl\u00f6tzlich: Tutti! Ein g\u00f6ttlicher Tritt in die Brust. Sie hatten keine Frau. Daf\u00fcr 17 Heiratsantr\u00e4ge an 16-J\u00e4hrige. Sie waren ein Heiliger mit Hang zum Unziemlichen. Ein Konservativer, der neue Dimensionen erfand. Ihre Musik ist ein einziger Tunnel \u2013 am Ende kein Licht, sondern ein weiterer Tunnel. Lieber Herr Bruckner, Ihre Symphonien dauern manchmal \u00fcber eine Stunde. Ich verstehe das. Das ist die Dauer eines durchschnittlichen Kirchgangs. Und auch dort fragt man sich oft: Ist es schon vorbei? Aber dann erhebt sich pl\u00f6tzlich ein Hornruf. Und ich denke: Ja. Jetzt. Jetzt bin ich gerettet.<\/p>\n<p>Herzlichst, Ihr F. J. Wagner<\/p>\n<p>++++++<\/p>\n<p>Lieber Anton Bruckner,<\/p>\n<p>was soll man sagen zu einem Mann, der seine Sinfonien so dick auftr\u00e4gt wie ein ober\u00f6sterreichischer Pfarrer die Butter aufs Schwarzbrot? Sie komponieren, als st\u00fcnde der J\u00fcngste Tag bevor und der liebe Gott pers\u00f6nlich verlange noch schnell eine Dreifache Fuge in cis-Moll vor dem Finale. Ihre Adagios sind so lang wie eine Predigt \u00fcber die sieben Tods\u00fcnden \u2013 und genauso erbaulich. Da sitzt man im Konzertsaal, die Knie schon wund vom stundenlangen Wippen im Takt, und denkt: Herr Bruckner, jetzt reicht\u2019s doch! Doch nein, noch ein Crescendo, noch ein Orgelpunkt, noch ein himmlisches Tremolo. Am Ende wei\u00df keiner mehr, ob das jetzt der vierte Satz war oder schon die Zugabe des Schicksals. Dabei bewundere ich Sie! Ein sch\u00fcchterner Dorforganist, der vor jedem Akkord dreimal um Erlaubnis bittet \u2013 und dann die Wiener Philharmoniker mit Pauken und Trompeten in die Knie zwingt. Ihre Musik ist wie ein gotischer Dom: \u00fcberw\u00e4ltigend, aber manchmal w\u00fcnscht man sich, es g\u00e4be eine Abk\u00fcrzung durchs Seitenschiff.<\/p>\n<p>Herzlichst, Ihr F. J. Wagner<\/p>\n<p>++++++<\/p>\n<p>Lieber Anton Bruckner,<\/p>\n<p>Sie sind der Symphoniker der \u00dcberl\u00e4nge. Neunzig Minuten f\u00fcr eine einzige Symphonie! Da sitzt man im Konzerthaus, die Blase dr\u00fcckt schon nach der ersten halben Stunde, aber Sie mahlen weiter Ihre Themen durch die Orchesterm\u00fchle. Aufbau, Durchf\u00fchrung, noch eine Durchf\u00fchrung, und dann noch eine. Dabei sind Sie ein einfacher Mann gewesen. Dorfschullehrer aus Ober\u00f6sterreich. Haben Ihre Partituren mit Bleistift geschrieben, radiert, wieder geschrieben. Zweifel \u00fcber Zweifel. W\u00e4hrend Wagner schon seine Nibelungen-Tetralogie hinschmetterte, feilten Sie noch an Ihrer Dritten herum. Aber was f\u00fcr eine Gewalt steckt in Ihren langsamen S\u00e4tzen! Da baut sich etwas auf wie ein Gewitter \u00fcber den Alpen. Erst ein Grollen in den Kontrab\u00e4ssen, dann die Posaunen wie Donnerschl\u00e4ge, und pl\u00f6tzlich bricht der ganze Himmel auf. Ihre achte Symphonie, das ist reine Naturgewalt. Ein musikalisches Unwetter, das einem die Socken auszieht. Die Kritiker haben Sie zu Lebzeiten zerrissen. &#8222;Bruckner kann nicht komponieren&#8220;, haben sie geschrieben. &#8222;Formlose Klangmassen.&#8220; Heute spielen wir Ihre Symphonien in jedem Konzertsaal der Welt. Die Kritiker von damals kennt kein Schwein mehr.<\/p>\n<p>Herzlichst, Ihr F. J. Wagner<\/p>\n<p>+++++<\/p>\n<p>Lieber Anton Bruckner,<\/p>\n<p>Sie haben ja diese riesigen Symphonien geschrieben. Wahrscheinlich haben Sie gedacht, l\u00e4nger ist auch besser. Und lauter! Immer mehr Blech, immer mehr Streicher. Das ist wie mit dem Schnitzel auf dem Teller: Wenn es so gro\u00df ist, dass es \u00fcber den Tellerrand h\u00e4ngt, ist es nicht mehr appetitlich, sondern nur noch \u00fcbertrieben. Man will doch genie\u00dfen und nicht erschlagen werden. Acht Symphonien, jede l\u00e4nger als die letzte, das ist ja wie eine Endlosschleife im Fahrstuhl. Man wartet darauf, dass es endlich klingelt und die T\u00fcr aufgeht. Aber nein, es kommt noch eine Reprise, und noch eine Coda. Ich habe mal versucht, eine Ihrer Symphonien ganz zu h\u00f6ren. Nach dem ersten Satz bin ich eingeschlafen. Nach dem zweiten bin ich aufgewacht und dachte, es w\u00e4re immer noch der erste.<\/p>\n<p>Herzlichst, Ihr F. J. Wagner<\/p>\n<p>+++++<\/p>\n<p>Lieber Anton Bruckner,<\/p>\n<p>Sie waren der fromme Mann aus Ober\u00f6sterreich, der mit schwei\u00dfnassen H\u00e4nden an der Orgel sa\u00df und Gott in den Noten suchte. Ihre Sinfonien \u2013 Kathedralen aus Klang, gebaut auf dem Ackerboden von Ansfelden, mit T\u00fcrmen aus Blech und Fundamenten aus Pauken. Sie haben sich vor jedem Dirigenten verbeugt, als w\u00e4re er der liebe Gott pers\u00f6nlich. Haben Ihre Partituren immer wieder umgeschrieben, weil irgendein Kapellmeister meinte, es m\u00fcsse noch ein Takt mehr oder weniger sein. So viel Demut, dass man schon wieder Angst bekommt. Sie haben den Musikern immer gedankt, auch wenn sie Ihre Musik nicht verstanden haben. Wahrscheinlich haben Sie sogar dem Teufel die Hand gesch\u00fcttelt, wenn er Ihnen einen Orgelpunkt unter den Choral gesetzt hat. Ihre Musik ist wie eine Wallfahrt: erst endlose Wiederholungen, dann pl\u00f6tzlich ein Lichtstrahl, ein Blechchoral, als h\u00e4tte der Himmel kurz die T\u00fcr ge\u00f6ffnet. Und dann wieder Dunkelheit, Zweifel, ein leises Zittern im Bass. Wer Ihre Sinfonien h\u00f6rt, wei\u00df: Das Paradies ist weit, und der Weg dorthin voller Umwege. Lieber Herr Bruckner, Sie sind der Heilige der Modulationen, der Patron der Generalpausen. Die Engel in Ihren Partituren haben Blechfl\u00fcgel und tragen Trauermarsch. Sie haben Gott gesucht \u2013 und uns Musik hinterlassen, die gr\u00f6\u00dfer ist als jeder Dom.<\/p>\n<p>Herzlichst, Ihr F. J. Wagner<\/p>\n<p>++++++<\/p>\n<p>Lieber Anton Bruckner,<\/p>\n<p>Ihre Symphonien sind wie Kathedralen aus Klang, gewaltig, erhaben, ein bisschen zu lang. Man sitzt im Konzertsaal, und nach einer Stunde fragt man sich: Hat der Mann nie an ein Ende gedacht? Ihre Musik will den Himmel st\u00fcrmen, aber manchmal m\u00f6chte ich einfach nur ein Bier trinken und die Welt vergessen. Als junger Mann habe ich Ihre Messe in d-Moll geh\u00f6rt, im Chor mitgesungen, und die Orgel hat mich fast aus den Schuhen gehoben. Doch dann diese Pausen, diese endlosen Steigerungen \u2013 Anton, warum so viel Ernst? Das Leben ist doch auch ein Walzer, ein Lachen in der Kneipe, ein Kuss im Mondlicht. Sie waren ein gl\u00e4ubiger Mann, haben Gott in jeder Note gesucht. Aber sagen Sie, haben Sie je daran gedacht, eine Melodie f\u00fcr die einfachen Leute zu schreiben? F\u00fcr den Bauern, der sein Feld pfl\u00fcgt, oder die Frau, die am Markt ihre \u00c4pfel verkauft? Ihre Musik ist ein Monument, aber manchmal sehne ich mich nach einem Lied, das man pfeifen kann.<\/p>\n<p>Herzlichst, Ihr F. J. Wagner<\/p>\n<p>+++++<\/p>\n<p>Lieber Anton Bruckner,<\/p>\n<p>Sie sind der Architekt der T\u00f6ne, der Dombaumeister der Symphonien. Ihre Musik ist wie eine gotische Kathedrale: gewaltig, erhaben, und manchmal fragt man sich, ob da nicht ein Stein zu viel auf den anderen get\u00fcrmt wurde. Wer braucht schon so viele Noten, um einen Gedanken auszudr\u00fccken? Einer wie Beethoven h\u00e4tte das in der H\u00e4lfte der Zeit und mit der H\u00e4lfte der Instrumente erledigt. Aber Sie, Sie lassen sich Zeit. Sie bauen Ihre Musik wie ein Geduldiger, der wei\u00df, dass er die Ewigkeit vor sich hat. Und w\u00e4hrend Ihre Symphonien sich in die H\u00f6he schrauben, sitzt das Publikum da und fragt sich: Wann kommt endlich das Presto? Wann darf man wieder aufstehen und sich die Beine vertreten? Doch dann, in diesen seltenen Momenten, wenn alles zusammenkommt, wenn die Posaunen wie Engelstrompeten erschallen und die Streicher den Himmel \u00f6ffnen, da versteht man, warum Sie sich die M\u00fche gemacht haben. Da versteht man, dass Sie nicht f\u00fcr die Ungeduldigen dieser Welt komponiert haben, sondern f\u00fcr die, die bereit sind, sich auf die Reise zu begeben. Also, lieber Herr Bruckner, ich nehme alles zur\u00fcck. Ihre Musik ist wie ein guter Schnaps: zu stark f\u00fcr manche, aber f\u00fcr die, die ihn vertragen, ein wahrer Genuss.<\/p>\n<p>Herzlichst, Ihr F. J. Wagner<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meinem neuen Buch habe mich meine &gt;Briefe von Wagner&lt; an Pers\u00f6nlichkeiten der Musikgeschichte in einem eigenen Textbeitrag gesammelt. Den habe ich jetzt mal allen g\u00e4ngigen KI Chatbots (in der Reihenfolge: ChatGPT, DeepSeek, Claude, Gemini, Perplexity, Grok, Le Chat) gegeben mit der Bitte, in dieser Art einen Brief an Bruckner zu schreiben. Nicht \u00fcberraschend, alle [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":"","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-26984","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-technologik"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26984"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26984"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26984\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26988,"href":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26984\/revisions\/26988"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26984"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26984"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26984"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}