{"id":18285,"date":"2016-12-26T05:05:10","date_gmt":"2016-12-26T03:05:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=18285"},"modified":"2016-12-26T14:08:49","modified_gmt":"2016-12-26T12:08:49","slug":"trump-das-philosophem","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=18285","title":{"rendered":"Trump, das Philosophem"},"content":{"rendered":"<p>Der Wahlsieg Donald Trumps hat eine sagenhafte Masse feuilletonistischer Energie hervorgebracht. Die \u00dcber(t)rumpelung der Intelligenzija durch diesen Populisten-Erfolg, seine Bedeutung und Symbolhaftigkeit einer >Wende< in der Weltpolitik, und nicht zuletzt die intellektuelle Kr\u00e4nkung, die davon ausstrahlt \u2013 er war ja bis dahin so etwas wie eine theoretische Unm\u00f6glichkeit -: das hat eine betr\u00e4chtliche Denkmaschinerie in Gang gesetzt.\n\nDas vor allem mit Trump assoziierte Ph\u00e4nomen des \u201ePostfaktischen\u201c, zuletzt noch erg\u00e4nzt von den \u201eFake-News\u201c, ist von au\u00dfen betrachtet durchaus erfreulich: Endlich wird mal wieder \u00fcber nichts geringeres als die >Wahrheit< diskutiert. Es geht philosophisch zu!\n\nWas hier mitunter verhandelt wird, ist die <em>Postmoderne<\/em>, von der ich nach wie vor denke, dass es die g\u00fcltige Bezeichnung der Welt ist, in der wir leben, und es ist <a href=\"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=9761\">die anspruchsvollste und beste Philosophie der letzten 50 Jahre<\/a>. Das Internet, ich sage es seit 10 Jahren, ist das postmodernste Ding \u00fcberhaupt, aber jetzt merken alle erst: Es \u00fcbersch\u00fcttet uns mit Wahrheiten noch und n\u00f6cher! W\u00e4hrend nun die einen sagen, Trump sei die konsequente Ausgeburt der Postmoderne, sagen andere, Trump sei die konsequente Ausgeburt der Anti-Postmoderne. Das muss man dann doch auseinandernehmen:<\/p>\n<p>Was haben unsere franz\u00f6sischen Philosophen nicht Buch nach Buch geschrieben, um die Identit\u00e4t, die Repr\u00e4sentation anzugreifen und zu >dekonstruieren<, das Besondere, das Einzigartige, das Partikulare zu eigenem Recht zu verhelfen usw. Und was macht die Demokratie? Der, der 50,1% der Stimmen gekriegt hat, hat das Sagen. Die These wird wohl zutreffen: Je \u00f6fter Hillary Clinton von den Latinos, den Schwarzen, den Homosexuellen und sonst wem Unterprivilegierten gesprochen hat, desto mehr Stimmen fielen an Trump. Denn die Mehrheit ist eben die der >Normalen<. <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2016\/50\/identitaetspolitik-debatte-rassismus-rechtsextremismus-linke-rechte-liberalismus\/komplettansicht\">Diversity-Politik vertr\u00e4gt sich nicht so recht mit dem demokratischen Mehrheitsprinzip<\/a>. Beim Brexit das gleiche Bild \u2013 man hat mittlerweile den schauderhaften Eindruck, dass Wahlen es geradezu evozieren, Gesellschaften in zwei Lager zu spalten, die ann\u00e4hernd gleich gro\u00df sind \u2013: die hauchd\u00fcnne Mehrheit von 51,9 % bekommt dann das Recht \u00fcber 48,1% zu bestimmen (wenn man nur die Wahlberechtigten z\u00e4hlt). Angesichts solcher Zahlen-Grobheit kann alles Differenz-Denken sich seine Theorien in die Haare schmieren.<br \/>\nInsofern: Nein, <a href=\"https:\/\/www.merkur-zeitschrift.de\/2016\/12\/09\/reflexe-zur-wiederauferstehung-des-poststrukturalistischen-popanz-im-deutschen-feuilleton\/\">Trump ist nicht Postmoderne<\/a>.<\/p>\n<blockquote><p>Liest man die Einlassungen zu franz\u00f6sischen Philosophen, die in den letzten Monaten in deutschsprachigen Zeitungen erschienen sind, staunt man nicht schlecht, weil diese Denker \u00fcberhaupt nicht wiederzuerkennen sind. Es sind groteske Karikaturen, Pappkameraden, die man sich in einer Mischung aus Missgunst und geistiger Tr\u00e4gheit zusammenbaut, um Halt durch Absto\u00dfung in einer unsicheren Gegenwart zu finden.<\/p><\/blockquote>\n<p>(Der Aberwitz ist ja auch noch, dass Trump 2,5 Millionen weniger Stimmen gewann als Clinton. Es ist an dieser post-truth Wahl wirklich alles symbolisch.)<br \/>\n(Ein immer noch sehr befremdender Gedanke: H\u00e4tte Trump nicht diesen denkbar knappen Sieg errungen, h\u00e4tte stattdessen Clinton jenen winzigen Vorsprung gehabt, w\u00fcrden all diese Texte nicht geschrieben worden sein, die Welt w\u00fcrde ganz anders gedeutet werden, beinahe alles w\u00e4re o.k.)<\/p>\n<p>(<a href=\"http:\/\/mspr0.de\/?p=4706\">Mancher l\u00e4sst sich gar zum Fatalismus hinrei\u00dfen<\/a> bei diesem logisch scheinbar >unm\u00f6glichen< Ausgang, den niemand erwartet hat und der dennoch eintraf:\n\n\n\n\n\n<blockquote>Trump war unschlagbar.<\/p><\/blockquote>\n<p>)<\/p>\n<p>Und dann ist da aber auch jene Postmoderne, die den Wahrheitsbegriff >dekonstruiert< hat. Hier ist die Quittung: Postfaktische Politik, gef\u00fchltes W\u00e4hlen und Regieren. Freilich kommen jetzt alle Schlaumeier aus den L\u00f6chern und erz\u00e4hlen, dass fr\u00fcher Politik auch schon ein eher flexibles Verh\u00e4ltnis zu sog. Fakten hatte usw. Aber der Unterschied ist doch: Heute werden Fakten gar nicht mehr geleugnet, man ist einfach trotzdem dagegen. <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2016-11\/donald-trump-usa-praesident-liberale-linke-kritik\/komplettansicht\">Ein Milliard\u00e4r gibt das Gef\u00fchl, der Mann der kleinen Leute zu sein.<\/a> (Diese Irrationalit\u00e4t hat eine N\u00e4he zur Kunst.)<br \/>\nZitat Trump:<\/p>\n<blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/postfaktische-politik-donald-trump-steht-jenseits-des-arguments-ld.131989\">\u00abIch kann es nicht begr\u00fcnden, aber ich weiss einfach, dass es wahr ist.\u00bb <\/a>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Soviele Zeitungstexte ich gelesen habe, keiner ist mir auf den Schirm gekommen, der dem beikommen konnte. Ja, vielleicht gibt es zwar so etwas wie Fakten, aber die sind eben nicht relevant genug! Au\u00dferdem, wollte man >Fake-News< verbieten, g\u00e4be es dann eine staatliche >Wahrheitsbeh\u00f6rde< ?\nInsofern: Ja, <a href=\"http:\/\/www.nerdcore.de\/2016\/11\/30\/links-30-11-16-balks-3-laws-schmalbart-und-die-post-moderne-als-vorlaeufer-von-post-truth\/\">Trump ist Postmoderne<\/a>.<\/p>\n<blockquote><p>    More than 30 years ago, academics started to discredit \u201ctruth\u201d as one of the \u201cgrand narratives\u201d which clever people could no longer bring themselves to believe in. Instead of \u201cthe truth\u201d, which was to be rejected as na\u00efve and\/or repressive, a new intellectual orthodoxy permitted only \u201ctruths\u201d \u2013 always plural, frequently personalised, inevitably relativised.<\/p>\n<p>    Under the terms of this outlook, all claims on truth are relative to the particular person making them; there is no position outside our own particulars from which to establish universal truth. This was one of the key tenets of postmodernism, a concept which first caught on in the 1980s after publication of Jean-Francois Lyotard\u2019s The Postmodern Condition: A Report On Knowledge in 1979. In this respect, for as long as we have been postmodern, we have been setting the scene for a \u201cpost-truth\u201d era.<\/p><\/blockquote>\n<p>Trump verk\u00f6rpert nun mal auch das Wesen der repr\u00e4sentativen Demokratie: Man \u00fcbergibt die Macht dem Politiker, dem muss man vertrauen, und das ist eine Gef\u00fchlsangelegenheit. Wenn der Politiker stattdessen nachher mit Fakten kommt (&#8222;alternativlos&#8220;), kann das den Vertrauensbruch darstellen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2016\/51\/identitaet-diversitaet-kulturen-kampf\/komplettansicht\">Die wohl schl\u00fcssigste These besagt<\/a>, dass die Welt sich gespalten hat in die Internationalisten und die Nationalisten, in die Gewinner und Verlierer der Globalisierung, in die Techno-Avantgarde und die Zur\u00fcckgebliebenen. Ein &#8222;Kampf der Kulturen&#8220;. <\/p>\n<blockquote><p>Allein als Produkt technologischer Revolutionen und wirtschaftlicher Arbeitsteilung l\u00e4sst sich die globale Gesellschaft nicht begreifen. It\u2019s culture, stupid!<br \/>\nAber: Was wir beobachten, ist kein simpler Kampf zwischen den Kulturen, sondern ein Kampf um die Kultur, ein Konflikt um den Stellenwert, den die Gesellschaft der Kultur zuschreibt, und die Frage, wie sie mit dem umgeht, was wir Kultur nennen. Hier stehen nicht unendlich viele, sondern genau zwei gegens\u00e4tzliche Fassungen von Kultur miteinander im Widerstreit: die Hyperkultur und der Kulturessenzialismus. <\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/mspr0.de\/?p=4696\">Michael Seemann hat es schon vor Trumps Sieg erkannt<\/a>: <\/p>\n<blockquote><p>Es gibt heute eine globalisierte Klasse der Informationsarbeiter, der die meisten von uns angeh\u00f6ren und die viel homogener und m\u00e4chtiger ist, als sie denkt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nun kann man, <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2016\/49\/populismus-demokratie-us-wahl-donald-trump-condoleezza-rice\/komplettansicht\">Peter Sloterdijk macht es mal wieder exemplarisch vor<\/a>, die Zur\u00fcckgebliebenen verachten und beschimpfen.<\/p>\n<blockquote><p>Das viel zitierte Volk hat in puncto Zynismus von den M\u00e4chtigen nichts mehr zu lernen. Es will sie zynisch haben, damit es sich mit ihnen auf einer Ebene f\u00fchlt. [&#8230;] Der Populismus ist im Grunde nichts anderes als eine Regung, den Staat durch seine Verlierer zu annektieren.\n<\/p><\/blockquote>\n<p> Auch<a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!5353802\/\"> in der TAZ findet sich ein solcher Debattenbeitrag<\/a>.<\/p>\n<blockquote><p>Denn man m\u00fcsse die Sorgen und N\u00f6te dieser Arschl\u00f6cher unbedingt ernst nehmen. Und zwar auch noch die d\u00fcmmsten und unbegr\u00fcndetsten. Die besonders. Wir sollen auf die gesellschaftlich Abgeh\u00e4ngten zugehen, die wirklichen wie die eingebildeten, sie f\u00fcrsorglich bei der Hand nehmen und zart ans Licht der Erkenntnis f\u00fchren. Das ist die Verantwortung, die wir als Privilegierte haben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Man kann, der <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/gauck-fuer-entschleunigung-nicht-jeder-fuehlt-sich-als-weltbuerger-14547312.html\">Bundes-Gauck spricht es aus<\/a>, ihnen einfach mal etwas mehr Zeit geben.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eNicht jeder f\u00fchlt sich als Weltb\u00fcrger\u201c. Menschen br\u00e4uchten eine Heimat, \u201em\u00f6chten irgendwo dazugeh\u00f6ren\u201c. [&#8230;] \u201eInsgesamt sollten wir \u00fcber eine Pause nachdenken, in der wir diskutieren, welches Ziel wir in welchem Tempo erreichen wollen.\u201c Es gehe ihm dabei nicht um Stillstand, sondern um Entschleunigung.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Schuld trifft aber auch gerade die, die sich auf der Sonnenseite w\u00e4hnen (bis eben die Quittung von Wahlen eintrifft)- Die postmoderne Heiterkeit, mit der die globale Elite in den Kneipen von Neuk\u00f6lln auf englisch parliert, weilt nur so lange, <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/zeitgeschehen\/multikulturalismus-und-identitaetspolitik-in-der-postnationalen-raumkapsel-ld.128842\">bis die Kinder schulpflichtig werden; dann zieht man doch lieber aus dem bunten Neuk\u00f6lln nach Prenzlauer Berg<\/a>, wo nicht so viele Migrantenkinder in derselben Klasse sitzen. <\/p>\n<blockquote><p>Man lebt als Student vielleicht im bunten Berlin-Neuk\u00f6lln, zieht aber weg, sobald das eigene Kind mit vielen Einwandererkindern in die Schule gehen m\u00fcsste. <\/p><\/blockquote>\n<p>Mittlerweile kann man sich auch die Eigentumswohnung leisten, die die letzte Ur-Prenzlauerbergerin vertreibt; sie kommt dann mit der U-Bahn aus Sch\u00f6neweide wieder in ihre fr\u00fchere Wohnung, zum Putzen. Es ist verst\u00e4ndlich, <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/article159839255\/Es-reicht-Bekenntnisse-eines-angeblich-Abgehaengten.html\">dass den Hartz-IV-Beziehern, denen der Staat seit 15 Jahren streng ins Gewissen redet, bei jedem Zeichen der \u201eWillkommenskultur\u201c gegen\u00fcber Hilfsbed\u00fcrftigen aus anderen L\u00e4ndern argw\u00f6hnisch werden<\/a>. <\/p>\n<blockquote><p>\nIch verstehe nicht, warum pl\u00f6tzlich so viel mit Gro\u00dfz\u00fcgigkeit argumentiert wird. In einem Land, das \u00fcber zehn Jahre lang hartherzig war. Seit der Agenda 2010.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Globalisierung verlief neoliberal, d.h. sie hat Gewinner und Verlierer produziert. In den Medien hei\u00dft es, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/deutschlands-fuehrende-unternehmen-erzielen-absoluten-rekordgewinn-a-1127523.html\">Deutschland sei (mal wieder) Exportweltmeister. <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/aussenansicht-ein-grundeinkommen-kann-die-gesellschaft-wieder-vereinen-1.3282068\">Aber das >sickert< nicht durch.<\/a><\/a><\/p>\n<blockquote><p>Entgegen der \u00f6konomischen Theorie ist nicht Konvergenz, sondern Divergenz das Ergebnis der Wohlstandsentwicklung der vergangenen Jahrzehnte. Einkommensscheren haben sich nicht geschlossen, sie haben sich im Gegenteil weiter ge\u00f6ffnet, vor allem auch, weil nicht alle gleicherma\u00dfen von h\u00f6heren Kapitaleinkommen aus der Wertsteigerung und aus Verm\u00f6gensertr\u00e4gen von Aktien, Immobilien, Unternehmensgewinnen oder Monopolrenten profitieren konnten.<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/gesellschaft\/donald-trump-einfach-mal-mit-fundamentalisten-plaudern-kolumne-a-1121757.html\">Sibylle Berg gibt zu Bedenken<\/a> an ihresgleichen, den K\u00fcnstlern, Intellektuellen, Hyperkulturheldinnen: <\/p>\n<blockquote><p>Dialog mit Andersdenkenden. Ich habe keine Ahnung, wie das funktionieren kann. Einfach mal nett mit Fundamentalisten plaudern. Die neuen polnischen Nationalkatholiken fragen, ob sie das mit der N\u00e4chstenliebe wirklich verstanden haben? Ein Versuch lohnt sich. Kurz innehalten, ehe man im Netz einen Andersdenkenden beschimpft. Freundlich antworten, ein paar Gegenfakten aufzeigen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Filterbubble ist der Nationalstaat des globalisierten kleinen Mannes. Jedes Entfolgen auf Twitter, jedes Entabonnieren auf Facebook ist ein kleiner Grenzschuss.<br \/>\nAber <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/gesellschaft\/rechtspopulisten-und-die-schoenen-kuenste-kolumne-a-1123816.html\">auch die Filterbubble hat ein Recht, so wie schwierige Kunst<\/a>, die nun mal auch eher in Isolation weilt.<\/p>\n<blockquote><p>Mit Kunst ver\u00e4ndert man die Welt nicht, sie best\u00e4tigt nur eine Minderheit in ihrem Gef\u00fchl der \u00dcberlegenheit. Kann man so sehen. Aber Theater k\u00f6nnen in Schei\u00df-Systemen auch Antidepressiva sein. [&#8230;] In Zeiten der Verunsicherung braucht es Kultur, sonst dreht man komplett durch. Kunst kann Angst mindern, ein Gef\u00fchl von Gemeinsamkeit schenken. Und wenn es blo\u00df darum geht, sich gut zu f\u00fchlen, so what?\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Es ist wirklich schwierig: Wo tun Aufkl\u00e4rung, Rationalit\u00e4t und Bildung Not und wo beginnt Hochmut und Arroganz. Erziehung ist immer auch Diktatur. Der Griff der Mutter, der dem (noch) dummen Kind das Verbrennen seiner Hand auf der Herdplatte verhindert, ist das schon besserwisserische Bevormundung&#8230; Gegen das bessere Argument hilft zuletzt dann immer der neue ><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Godwin%E2%80%99s_law\">Godwin<\/a><, der Vorwurf der Arroganz, des \"von oben herab\".\n\n*\n\n<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/fluechtlinge-im-mittelmeer-zahl-der-ertrunkenen-migranten-auf-rekordstand-a-1127373.html\">2016 sind 5000 Menschen im Mittelmeer ertrunken<\/a>. Der Islamwissenschaftler Wilfried Buchta <a href=\"https:\/\/www.perlentaucher.de\/buch\/wilfried-buchta\/die-strengglaeubigen.html\">prognostiziert<\/a>, dass der Krieg in Syrien noch 10 Jahre weitergeht und weitere 1.000.000 Tote zur Folge haben wird. Was in der arabischen Welt passiert, ist nach und nach ein ziemlich gro\u00dfer B\u00fcrgerkrieg des <a href=\"http:\/\/www.kulturbuchtipps.de\/archives\/1513\">Islam, der um seine eigene Modernisierung ringt<\/a>. Ich bin \u00fcberzeugt: Die st\u00e4rkste Ursache daf\u00fcr ist die Informationstechnologie. Ihr emanzipatorisches Potenzial, ihre aufkl\u00e4rerische Unweigerlichkeit, die sich \u00fcber den Komfort des Universalbed\u00fcrfnisses Kommunikation einschleicht, ihre Billigheit, ihre Botschaft von der westlichen Welt st\u00fcrzt den Islam in seine schwerste Krise. Dazu kommen dann nat\u00fcrlich \u00f6konomische Probleme, Machtk\u00e4mpfe zwischen den >Gro\u00dfen<, der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ressourcenfluch\">Fluch der Rohstoffe<\/a> und die S\u00fcnden der kolonialen Grenzziehungen.<br \/>\nDas wird zwar kein, bewahre, Weltkrieg, aber durch die Globalisierung ein weltweit wirkender Krieg, vor allem in Form von Flucht und Terrorismus. Die >Festung Europa< wird immer mehr zur Realit\u00e4t werden.\n\nIch hatte ein paar Tage nach Trumps Wahlsieg den peinlichen Traum: Alles wird gut. Nachdem man so derma\u00dfen \u00fcberzogene Hoffnungen in Obama gesetzt hatte, denen er nat\u00fcrlich nicht gerecht wurde, kann es bei Trump doch nur besser werden, denn bislang erwartet man von ihm nur das Allerschlimmste. Ja, nach einiger Zeit stellt sich heraus, so hie\u00df es in meinem Traum, Trump, der als Rabauke daherkam, jener TRUMP IST EIN FRIEDENSF\u00dcRST, seine dumme Autorit\u00e4t muss sich ja letztlich alle Entscheidungen von Beratern einfl\u00fcstern lassen, und die sind alle ziemlich gut informiert, haben >gesunden Menschenverstand<, dieses \"Gemisch aus Logik und Moral\" (Roland Barthes). ObamaCare etwa, so l\u00e4sst er mittlerweile verlautbaren, <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/wahl-in-amerika\/donald-trump-will-teile-der-reform-obamacare-erhalten-14524472.html\">will er entgegen dem Wahlversprechen nun doch nicht wieder ganz verwerfen<\/a>. Und weil Trump so viel Macht auf sich einen konnte, kann er das dann alles durchziehen, ein GUTER DIKTATOR (Traum der Linken, die als Utopisten eine nat\u00fcrliche Sympathie f\u00fcr Gewalt haben).<\/p>\n<p>*<\/p>\n<p>Francis Fukuyama, der Theoretiker des Endes der Geschichte, <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2016\/13\/francis-fukuyama-politikwissenschaftler-populismus-usa\/komplettansicht\">r\u00e4umt ein, dass ein betr\u00e4chtlicher Haken an seiner Theorie das Bed\u00fcrfnis der Menschen nach Identit\u00e4t ist<\/a> &#8211; und das gew\u00e4hrleistet das postmoderne Allerlei, der Weltstaat und die Gottlosigkeit kaum.<\/p>\n<blockquote><p>\nEin gro\u00dfes Problem in der Europ\u00e4ischen Union war es, dass sie unglaublich technokratisch an die Dinge heranging. Sie sprach nur von einer \u00f6konomischen Integration und vers\u00e4umte es, daf\u00fcr zu sorgen, dass sich eine tiefere europ\u00e4ische Identit\u00e4t ausbildet. Auch deshalb ist es f\u00fcr Rechtspopulisten ein Leichtes, in Krisen nationale Ressentiments zu mobilisieren. Kurzum, eine blo\u00dfe \u00f6konomische Integration reicht nicht aus. <\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/meinung\/kommentare\/orientierungslose-junge-maenner-ohne-sinn-und-sicherheit-ld.135056\">Auch in der NZZ steht<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Im Rahmen unserer noch immer ungebrochenen Fortschrittsgl\u00e4ubigkeit mag dies eine Gl\u00fccksvision sein: Die Freiheit unbegrenzter Machbarkeit dehnt sich auf die eigene Geschlechtlichkeit aus. Auf der Strecke bleibt die \u00dcberlegung, ob Grenzen f\u00fcr uns als Menschen nicht auch eine wichtige Bedeutung haben. Das gilt nicht nur in vergleichsweise banalem Sinn f\u00fcr die zwischenstaatliche Politik, sondern auch in einem tieferen Sinn f\u00fcr die menschliche Anthropologie. Grenzen sind unabdingbar f\u00fcr unsere Identit\u00e4tsfindung. Insoweit der Mensch sich \u00f6ffnet, erkennt er seine M\u00f6glichkeiten und das Potenzial, das in ihm steckt. Insoweit er sich abgrenzt, anerkennt er die ihm auferlegte Wirklichkeit. Seine Grenzen zu kennen, schafft Identit\u00e4t und Sicherheit.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Ostblock, dem die linke Internationalit\u00e4t und Zersetzung der alten Strukturen programmatisch war, musste das beispielsweise mit seinem absurden Personenkult kompensieren. Die Konfirmation lie\u00df sich ebenso im neuen atheistischen Staat nicht so leicht abschaffen, man machte daraus erst mal die >Jugendweihe<, etc. <a href=\"http:\/\/www.gutzitiert.de\/zitat_autor_bertolt_brecht_thema_geburtstag_zitat_8734.html\">Brechts Technokratie<\/a> geht jedenfalls nicht von heute auf morgen. Es war auch kein Wunder, dass nach Wegfall des Ost-West-Antagonismus die Erde nicht zum Weltstaat verschmilzt, sondern im Gegenteil die Separative einziehen &#8211; der jugoslawische B\u00fcrgerkrieg hat es exemplifiziert.<br \/>\nEs gibt jetzt die Initiative, einen &#8222;Heimat- und Brauchtumsverein f\u00fcr das Netz&#8220; zu gr\u00fcnden. Die Idee ist originell-bizarr, <a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2016\/was-fehlt-dirk-von-gehlen-sagt-ein-heimat-und-brauchtumsverein-fuer-das-netz\/\">inhaltlich durchaus verst\u00e4ndlich<\/a>. Aber der bewusst alter-t\u00fcmelnde Name fordert es nat\u00fcrlich heraus: Gehen nicht generell die Zeiten der >T\u00fcmelei< mit dem Weltnetz zu Ende?\n\nDas Thema der kulturellen Identit\u00e4t scheint das gro\u00dfe, vielleicht DAS Thema des 21. Jahrhunderts zu werden.\n(So wie man das 20. Jahrhundert thematisch mit den Auseinandersetzungen der politisch-\u00f6konomischen Ideologien assoziieren k\u00f6nnte: Diktatur\/Demokratie, Kommunismus\/Kapitalismus.)\n\n*\n\nAm Tag nach der Trump-Wahl habe ich getwittfacebooked: \"Es muss eben alles erst schlimmer werden, damit es besser wird.\" So niederschlagend der Satz f\u00fcr alle bisherigen Bem\u00fchungen um eine bessere Welt erscheint, so viel Hoffnung dr\u00fcckt er andererseits in Anbetracht der Situation aus. Es sind die zun\u00e4chst schmerzhaften Prozesse des Akzelerationismus.\n\n\n\n<blockquote>Deshalb spricht es paradoxerweise auch f\u00fcr die Demokratie, dass Trump als Symptom daraus hervortreten konnte. So scheint der gr\u00f6sste Gewinn dieser Wahl gerade darin zu liegen, die Mangelstrukturen demokratischer Vernunft von einem ausserpolitischen Standpunkt zu offenbaren.\n<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/postfaktische-politik-donald-trump-steht-jenseits-des-arguments-ld.131989\">schreibt die NZZ<\/a>.<\/p>\n<p>Jedenfalls: Irgendwo gibt es doch Fakten, auf die man sich einigen kann. Irgendwie ist ja nun doch ein Imperativ, dass sich absehbare 1 Million weitere syrische Kriegstote (vom Leid der \u00dcberlebenden noch gar nicht gesprochen) verhindern lassen m\u00fcssen.<br \/>\n(Zur Erinnerung: &#8222;Zukunft&#8220; bedeutet, dass man es noch \u00e4ndern kann.)<br \/>\nDa es auch die Menschen gibt, denen, abgek\u00fcrzt, <em>die Postmoderne <\/em>so etwas wie eine Identit\u00e4t gibt, eine Ident\u00e4t jenseits von kollektiven Religionen und nationalistischen Konstrukten, w\u00e4re das vielleicht doch die Utopie, die man noch weitertragen k\u00f6nnte. <\/p>\n<p>Jeder Mensch hat so seine Identit\u00e4ts-Anker. Religion, Nation, Ethnie, eine politische Verfassung, Familie, Kunst, Philosophie. Aber es ist halt auch so: Die sind nicht alle gleichwertige >Angebote<, es gibt bessere und schlechtere. Nat\u00fcrlich meine ich: Kunst und Philosophie sind die besten, und daf\u00fcr \"k\u00e4mpfe\" ich.\n\n\u00d6fter mal mit dem Taxifahrer konversieren. Hartz-IV-Armut bek\u00e4mpfen. Den Eltern Diversity erkl\u00e4ren. Politiker*innen w\u00e4hlen, die bei Syrien-Verhandlungen nicht locker lassen. Identit\u00e4tsformen reflektieren. Die Macht der Gro\u00dfkonzerne demokratisch kontrollieren. Und f\u00fcr die Musik gilt 2017, kein Witz: \"postfaktisches Komponieren\" (Arno L\u00fccker). Hochmut und Demut, Erweiterung und Aufl\u00f6sung, oder, um ganz gro\u00dfe W\u00f6rter zu verwenden, denen niemand gerecht werden kann: Anarchie, Freiheit und kategorischer Imperativ. Utopien, die \u00fcber die Legislaturperioden und Festivaljahrgangsplanungen hinausgehen, sie sind eine Aufgabe von Kunst.\n\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wahlsieg Donald Trumps hat eine sagenhafte Masse feuilletonistischer Energie hervorgebracht. 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