{"id":17686,"date":"2016-09-23T05:51:19","date_gmt":"2016-09-23T03:51:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=17686"},"modified":"2016-10-02T18:45:31","modified_gmt":"2016-10-02T16:45:31","slug":"aus-tralien-17","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=17686","title":{"rendered":"Aus Tralien #17"},"content":{"rendered":"<p>Melbourne 21.8.<br \/>\nFantasies of Downfall = Einbildungen des Untergangs<\/p>\n<p>Die kuratorische Politik von Liquid Architecture ist: superdivers. In einem Konzert spielt erst ein Mikrointervall-Nerd auf seinen selbstgebauten Instrumenten, dann gibt es ein Dada-Theaterst\u00fcck, gefolgt von einer Merzbow-Brachialnoisenummer. Finde ich sehr gut. Jetzt m\u00fcssten noch die Vortr\u00e4ge integriert werden; immer das Problem, erst die Vortr\u00e4ge, dann das Konzert \u2013 schon teilt man das Publikum.<\/p>\n<p>Die sch\u00f6ne altmodische Art von Danni, Leute mit ihrem Beruf anzusprechen, im Taxi spricht sie den Fahrer mit \u201eDriver!\u201c an, im Boot den \u201eSkipper\u201c, den \u201eBus Driver\u201c, und die Katze mit \u201eCat\u201c. Spreche sie jetzt immer mit \u201eCuratress\u201c an.<\/p>\n<p>\u00dcbersetzung von Kinski ins Englische f\u00fcr den n\u00e4chsten Auftritt. Manche schwierige F\u00e4lle. \u201eVon der Sch\u00e4deldecke bis in den Samenstrang.\u201c Oder: \u201e\u00e4rschlings\u201c. Da hilft kein W\u00f6rterbuch. Nennen wir&#8217;s &gt;assy&lt;.<br \/>\nAu\u00dferdem \u00dcbersetzung des Vortrags \u00fcber Schwerkraft f\u00fcr Sydney. Gott sei Dank macht mich Danni noch darauf aufmerksam, dass die Aussage von Oswald Wiener, wir w\u00fcrden ja gar nichts anderes als die Schwerkraft kennen, physisch nicht stimmt: Beim Schwimmen haben wir ein anderes Erlebnis.<\/p>\n<p>Seth sagt, ich arbeite zu viel. Ein weit verbreitetes Problem. Selber habe ich vor Jahren die Parole ausgegeben, die L\u00f6sung f\u00fcr mich war, weniger arbeiten. Bei den wenigsten K\u00fcnstler hapert es am Flei\u00df, vielmehr kranken sie daran, dass sie zu viel arbeiten.<\/p>\n<p>Konzert in einer Subkulturkneipe. Ein Typ aus der Schweiz, t\u00e4towiert wie ein Str\u00e4fling, beginnt seine Performance, indem er seine Haare abrasiert, sie auf seine Laptoptastatur schmei\u00dft und anz\u00fcndet.  L\u00e4sst sie eine Weile brennen, es stinkt, und wischt die brennenden Haarb\u00fcschel dann l\u00e4ssig zur Seite und spielt auf dem Laptop, der offenbar keinen Schaden genommen hat. Das war alles nicht mit der Leitung abgesprochen, und kurz fragt man sich, wozu der Typ als n\u00e4chstes in der Lage ist, aber er begn\u00fcgt sich dann mit abartig lauter Musik, wirklich die schlimmsten Frequenzen die ich je geh\u00f6rt habe, bei denen nicht mal Eardrops oder gewaltsames Ohrenzuhalten helfen, schaue und h\u00f6re das ganze von der Terrasse aus durch die gro\u00dfen Fenster an. Dabei ist es gute Musik, aber anh\u00f6ren kann man sie sich nicht. Er h\u00e4lt die Music evil.<br \/>\nDer Laden ist zu 95% voll von, darf ich so sagen?, &gt;h\u00e4sslichen&lt; Menschen, Menschen, die aktuellen Sch\u00f6nheitsidealen g\u00e4nzlich unbeeindruckt gegen\u00fcber stehen, also ein Laden voller Freaks. Topfhaarschnitt, Herrenschn\u00e4uzer, Frauenglatzen mit einzeln \u00fcbrig gelassenen Haaren, radikal-Vokuhilas, Rasta-Mikrobentierparks. Es ist aber auch v\u00f6llig asexuell, solche Indivualisten sind zueinander inkompatibel \u2013 Danni stimmt diesem Eindruck zu.<br \/>\nMit Sch\u00f6nheitsidealen ist es wie mit der Sprache, man kann sie sich allein nicht v\u00f6llig umgestalten, will man kommunizieren.<\/p>\n<p>Melbourne 22.8.<br \/>\nMit dem Fahrrad durch Melbourne. Architektonisch wirklich eine Augenweide, ob Wolkenkratzer oder H\u00e4uschen mit Veranda.<\/p>\n<p>Bei der <em>Melbourne Art Fair<\/em>, die in einem gro\u00dfen Luxushotel stattfindet. Jede Galerie stellt in einer eigenen Suite aus. Die Idee ist sympathisch, aber es gestaltet sich doch etwas schwierig, alles ist sehr eng.<br \/>\nSp\u00e4ter erst erfahre ich von Joel, er wollte organisieren, dass ich dort in der Lobby konzeptuelle Klavierst\u00fccke auff\u00fchre. Die Leitung der Kunstmesse verweigerte mit der Antwort, bei solcher &gt;Musik&lt; verkaufe sich die Kunst schlechter. Stattdessen spielt nun eine Harfenistin Harfengeklimper.  In einem der R\u00e4ume eine Performance, bei der ein Paar einen auf dem Fernseher laufenden Film komplett im Zimmer simultan nachspielt. Bei der Liebesszene haben sie wirklichen, expliziten Sex, der m\u00e4nnliche H\u00f6hepunkt hinterl\u00e4sst sichtbare Spuren. (Jemand applaudiert.) Eine Warnung f\u00fcr Kinder oder kauffreudige Rentner sieht man nirgends. Joel h\u00e4tte alles vorschlagen d\u00fcrfen, au\u00dfer Kunstmusik.<\/p>\n<p>Immer wieder staune ich \u00fcber die Geschichten der freiwilligen Assimiliation hier. Eltern, die ihren Kindern verbieten, die Muttersprache der Eltern weiter zu spechen. Warum ist das hier so, warum ist das in Deutschland nicht so. Das Wort &gt;Assimiliation&lt; scheint ja hierzulande verboten zu sein.<\/p>\n<p>\u00dcberpr\u00e4parierung. Die ganze Welt, befestigt am Cello.<\/p>\n<p>So wie wir D\u00f6nerbuden haben, haben sie hier Sushibuden. Man sucht sich ein paar Rollen aus wie wir in Deutschland Eiskugeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Melbourne 21.8. Fantasies of Downfall = Einbildungen des Untergangs Die kuratorische Politik von Liquid Architecture ist: superdivers. In einem Konzert spielt erst ein Mikrointervall-Nerd auf seinen selbstgebauten Instrumenten, dann gibt es ein Dada-Theaterst\u00fcck, gefolgt von einer Merzbow-Brachialnoisenummer. Finde ich sehr gut. 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