{"id":17629,"date":"2016-09-22T05:56:15","date_gmt":"2016-09-22T03:56:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=17629"},"modified":"2016-10-02T18:45:35","modified_gmt":"2016-10-02T16:45:35","slug":"aus-tralien-16","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=17629","title":{"rendered":"Aus Tralien #16"},"content":{"rendered":"<p>Melbourne 20.8.<br \/>\nEines meiner zehn Biere gestern muss leider schlecht gewesen sein. Kopfschmerz.<\/p>\n<p>Weitere Ideen f\u00fcr die Brisbane->Soundcard<:\n- Ich gehe \/ Taxi \/ Bahn und mache dabei viele Fotos, man h\u00f6rt nur den Rhythmus des Fotografierens\n- im Sinne von Linksverkehr gehen zwei Personen mit Aufnahmeger\u00e4ten bei A \/ B los, treffen sich in der Mitte und gehen dann jeweils zu dem anderen Punkt weiter\n\nStimmungssysteme auf wei\u00dfes Rauschen anwenden. (Obwohl wei\u00dfes Rauschen alle Frequenzen enth\u00e4lt, kann man ein Sample wei\u00dfen Rauschens transponieren. Sch\u00f6ne Paradoxie.)\nEin Punks\u00e4nger gr\u00f6hlt Stimmungssysteme, etwa die Bohlen-Pierce-Skala.\nBei Stimmungssystemen ist ja auch die Fetischisierung interessant, das Nerdig-Verschrobene dieser Cent-Philosophien.\nVerschrobung. Die Verschrobenheit. Schrobismus.\n\nEin Sample wei\u00dfen Rauschens. Ein Sample wei\u00dfen Rausches.\n\nBei meiner Pr\u00e4sentation am RMIT fragte mich ein Typ nach meiner Meinung zu >Augmentation<. Auf meine Bitte, das zu pr\u00e4zisieren, erwiderte er, es gehe nicht darum, was er darunter verstehe.\n\nJoel verbessert gelegentlich mein Englisch, will aber auch nicht zu viel verbessern \u2013 damit die Sprache in Bewegung bleibt.\n\n[Genderhinweis: Habe in dem folgenden Abschnitt das Geschlecht konsequent abgewechselt.]\n\nWas man wieder unfreiwillig aus Deutschland mitkriegt. Ein Musikwissenschaftsstudent meint sich erdreisten zu k\u00f6nnen, in einer \u00f6ffentlichen Mini-Wortmeldung ein St\u00fcck von mir eben mal runterbuttern zu k\u00f6nnen. Steigt aufs ganz hohe Ross, \u00fcbersetzt aber 2 von 3 W\u00f6rtern des englischen Titels falsch, behauptet ohne jegliche journalistische Recherche, ich habe Claqueurinnen bezahlt, pickt sich willk\u00fcrlich Teile des St\u00fccks heraus, um sie dann falsch zu beschreiben, vergleicht ohne historische Kenntnis mit der Historie, das Programmheft wird nat\u00fcrlich auch ignoriert usw. Und wenn man dann den Z\u00f6gling mal auf seine sachlichen Fehler hinweist, man kann in dem Alter ja vielleicht noch das schlimmste abwenden, kommt zur\u00fcck, man habe als Komponist ihm nicht das St\u00fcck zu erkl\u00e4ren. Und damit ist er nicht allein (es sind halt die lauten, die auffallen);- sie scheinen sich darin zu gefallen, als die n\u00e4chste Generation von Pippikackaschei\u00dfern aus der Darmst\u00e4dter Schreibschule (genauer: der deutschen Sektion davon) herauszugehen, die ihre Inkompetenz und Geh\u00e4ssigkeit f\u00fcr das Siegel journalistischer Unabh\u00e4ngigkeit h\u00e4lt.\nWarum diese Unkultur des \u00f6ffentlichen Beleidigens und der Besserwisserposerei in der Kunstkritik. Wollt ihr F\u00fcrsprecherinnen oder Pippikakkaschei\u00dfer sein? Eine K\u00fcnstlerin ebenso wie ein St\u00fcck sollte nach dem Besten, was geschaffen wurde, beurteilt werden, nicht nach dem Schlechtesten. \nWenn man ein St\u00fcck bespricht, dann:\n-interpretieren, nicht nur beschreiben\n-die eigenen Kriterien transparent machen - aber mehr noch den Kriterien des Werks gerecht werden (es hat keinen Sinn und w\u00e4re infam, ein serielles St\u00fcck danach zu bewerten, wie gut man dazu tanzen kann)\n-die differentiellen Momente zur Geschichte herausarbeiten\nUnd sich als Partner verstehen, es geht darum, den Leserinnen ein St\u00fcck n\u00e4her zu bringen; auch denen, die das St\u00fcck schon geh\u00f6rt haben, eine originelle Interpretation offerieren. Das w\u00e4re doch mal ein Gewinn.\nStattdessen immer wieder diese Schnellsudeleien \u00fcber Nacht und das Verlautbaren ungefragter >Meinungen<; was qualifiziert sie eigentlich dazu? Kritiker wissen also, wie Musik zu sein hat, nur sollten sie dann zu >Neuer< Musik den Mund halten, die ist eben (erst mal) keine Musik, alle bisherigen Kriterien f\u00fcr wie >Komponieren< geht, wie viele Noten die Musikerinnen spielen usw. stehen per Definition zur Disposition. Wer daf\u00fcr keinen Sinn hat, soll sich ein anderes Bet\u00e4tigungsfeld suchen. Kritiker, die H\u00fcter der Konventionen, bravo, wer kann das wollen, nicht mal sie selber. Aber leider verpesten diese talentlosen Schei\u00dfeschreiberinnen die Gazetten auf ewig, niemand braucht sie, es hilft keinem, schlau wird von diesen Erg\u00fcssen niemand, allerh\u00f6chstenfalls machen sie sich zum Gesp\u00f6tt k\u00fcnftiger Historiker. Es ist eine Bankrotterkl\u00e4rung der Musikwissenschaft. In der NZZ schrieb ein Schreiberling vor einigen Jahren: \"Johannes Kreidler hat mal wieder bewiesen, dass er weder komponieren kann noch will.\" Wie dem auch sei, wenn dieser Kritiker wei\u00df, wie Komponieren geht, dann will ich das auf keinen Fall k\u00f6nnen. \nGinge es nach den Kritikerinnen, w\u00e4re ich schon l\u00e4ngst nicht mehr auf den Podien; Komponisten, die heute angebetet werden, h\u00e4tten vor 30 Jahren quittieren k\u00f6nnen, der damaligen Journaille nach - es ist derselbe Schlag von Spie\u00dferinnen, der dann, wenn der Wind sich dreht, einen Lachenmann hofiert. Es hilft nur eins, >nicht einmal ignorieren<. Seit Jahren lese ich keine Kritiken mehr (\u00fcberhaupt keine mehr), nur muss ich noch die Freunde darauf hinweisen, mich nicht auf welche hinzuweisen.\n\n\"Wesentlich sind die F\u00fcrsprecher. Die Sch\u00f6pfung, das sind die F\u00fcrsprecher. Ohne sie gibt es kein Werk. Ich brauche meine F\u00fcrsprecher.\" (Deleuze)\n\nLinks:\n<a href=\"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=4310\">Punk-Skala<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Melbourne 20.8. Eines meiner zehn Biere gestern muss leider schlecht gewesen sein. Kopfschmerz. Weitere Ideen f\u00fcr die Brisbane->SoundcardAugmentationMeinungenNeuer< Musik den Mund halten, die ist eben (erst mal) keine Musik, alle bisherigen Kriterien f\u00fcr wie >Komponieren< geht, wie viele Noten die Musikerinnen spielen usw. stehen per Definition zur Disposition. 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