{"id":17602,"date":"2016-09-20T05:16:26","date_gmt":"2016-09-20T03:16:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=17602"},"modified":"2016-10-02T18:45:42","modified_gmt":"2016-10-02T16:45:42","slug":"aus-tralien-14","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=17602","title":{"rendered":"Aus Tralien #14"},"content":{"rendered":"<p>Melbourne 17.8.<br \/>\nDie Leute hier sprechen nur von >Sound<, fast gar nicht von >Music<.\n\nIm Flugzeug wollte ich den Unterricht f\u00fcr den kommenden Tag vorbereiten, bin aber gleich eingeschlafen --- beim Aufwachen sind alle n\u00f6tigen Ideen da. Man muss sich die Dinge erschlafen, sich in den Ideenhimmel hochschlafen.\n\n\u00dcberlegungen f\u00fcr die Brisbane->Soundcard<-Radiosendung:\na)\tFeldaufnahmen von Frankfurt und Brisbane als Shutter \u00fcberlagern (unertr\u00e4glich!)\nb)\tMitten in Brisbane Richtung Frankfurt gehen, diesen Gang aufnehmen.\n\nIch kann den Klang der St\u00e4dte nicht \u00e4ndern. Aber ich kann das H\u00f6ren \u00e4ndern. Mit einer bestimmten Vorinformation das ganze einf\u00e4rben.\n\nMelbourne 18.8.\nNach dem Surrealismus der Unrealismus.\n\nMorgens Filmaufnahmen f\u00fcr das >Education Project< von <em>Speak Percussion<\/em>. Schlage vor: Schnelle Schnitte machen \u2013 das macht es cool and flott und wegen der vielen kleinen Takes f\u00fcr mich einfacher. Zu einer Frage zu einem meiner St\u00fccke f\u00e4llt mir gar nichts ein. Es ist, was es ist. \u201eManche S\u00e4tze sind nicht interpretierbar.\u201c (Handke)<br \/>\nIn dem Vorort sind sch\u00f6ne H\u00e4uschen mit Ornamenten im sp\u00e4tviktorianischen Stil; jedes Haus anders. Im Netz hei\u00dft es aktuell, Melbourne sei die Stadt mit der h\u00f6chsten Lebensqualit\u00e4t weltweit.<\/p>\n<p>Die Australier stehen sehr fr\u00fch auf, manche B\u00e4ckereien machen f\u00fcr die Fischer und Surfer schon um 3.30h auf. Entsprechend gehen die Einheimischen auch fr\u00fch zu Bett, wird ja auch relativ fr\u00fch dunkel hier. Selbstverst\u00e4ndlich trifft man sich hier beispielsweise mit Musikern schon  um 9h morgens. In Deutschland w\u00fcrde man sich kaum vor 10h mit Musikern treffen.<\/p>\n<p>Unterricht an der RMIT University. Hatte die Aufgabe gegeben, sich mit Online-Musiksequencern und anderen Kompositionsprogrammen \/ -Apps zu besch\u00e4ftigen. Eine Studentin hat mit einer Foto2Sound-App Bilder von Musikinstrumenten sonifiziert. Ein anderer hat die aktuellen >Bandcamp<-Top-ten-St\u00fccke gleichzeitig auf YouTube gestartet und sich dabei mit dem Laptop als Performance n\u00e4her und weiter weg von der WLAN-Quelle bewegt.\nIch zeige in der zweiten H\u00e4lfte des Unterrichts wenig bekannte St\u00fccke, die bekannter sein sollten: Bob Ostertags<em> sooner or later<\/em>, Christopher Arizas <em>onomatopoeticized <\/em>und Kirill Shirokovs <em>practice the silence<\/em>.<\/p>\n<p>-leiser sein als andere. Leiser sein als man selbst.<br \/>\n-beim Nachmachen einschlafen. Musik.<\/p>\n<p>Seltenes Bild hier: Raucher. Nur die Reichsten k\u00f6nnen es sich noch leisten. Auch Trinken ist reglementiert, Bottleshops wie in Norwegen. Entsprechend: Man sieht zwar erschreckend viele Obdachlose in den Stra\u00dfen von Melbourne, aber sie scheinen keine Trinker zu sein.<\/p>\n<p>Die exorbitante Steuer: &#8222;\u00dcbersteuerung&#8220; hat da f\u00fcr Musiker eine neue Bedeutung.<br \/>\nDie H\u00e4lfte des Aufenthalts vor\u00fcber, und die H\u00e4lfte meiner Gage ist versenkt. \u00bbScheiss drauf, in vier Wochen beginnt die Bundesliga.\u00ab<\/p>\n<p>Warum wird eigentlich in Berlin in Kneipen wieder geraucht, obwohl anderenteils die Biol\u00e4den und veganen glutenfreien zuckerfreien laktosefreien Latte-L\u00e4den aus dem Boden schie\u00dfen?<\/p>\n<p>Er\u00f6ffnung des Festivals <em>Autotune everything<\/em>, wieder fantastisch viel Publikum. Eine Deutsche (Schw\u00e4bin) h\u00e4lt einen Vortrag \u00fcber Ozeanpolitik. Unterseekabel, Umweltverschmutzung, Rohstoffe, \u00dcberschwemmung von Inseln; Ozeane sind ein hei\u00dfes Eisen.<br \/>\nIm ersten Konzert liest ein Performer eine negative Kritik \u00fcber seine fr\u00fchere Aktivit\u00e4t als Rockmusiker, drei mal. Reminder an mich: Mehr sonderbares Zeug machen, auf Akklamation verzichten. Applausdi\u00e4t.<br \/>\nDer erste Festivaltag endet in einem sagenhaften Gelage. Danni hat eine Flasche Whiskey reingeschmuggelt wie ein Teenager; sie wird hernach ihres Inhalts beraubt.<br \/>\nDie After-Party eine sehr bourgeoise Veranstaltung. Die besoffene Chefin der >Melbourne Arts Foundation< baggert mich an, der Chef des >Greek Cultural Center< reicht einen Joint herum. Sp\u00e4ter l\u00e4sst sich die Besoffene vom Tontechniker in einer Ecke ihre Genussteile lecken. Auch ein lesbisches Paar erweitert das Vergn\u00fcgungsspektrum des Abends ohne alle Scham.\n\nLinks:\n<a href=\"http:\/\/bobostertag.bandcamp.com\/album\/sooner-or-later\">Bob Ostertag, Sooner or Later<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.flexatone.org\/article\/onomato\">Christopher Ariza, Onomatopoeticized<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/soundcloud.com\/twohundredeightynine\/kirill-shirokov-practice-the\">Kirill Shirokov, Practice the Silence<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Melbourne 17.8. Die Leute hier sprechen nur von >SoundMusicSoundcardEducation Project< von Speak Percussion. Schlage vor: Schnelle Schnitte machen \u2013 das macht es cool and flott und wegen der vielen kleinen Takes f\u00fcr mich einfacher. Zu einer Frage zu einem meiner St\u00fccke f\u00e4llt mir gar nichts ein. 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