{"id":17514,"date":"2016-09-14T05:16:58","date_gmt":"2016-09-14T03:16:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=17514"},"modified":"2016-10-02T18:46:13","modified_gmt":"2016-10-02T16:46:13","slug":"aus-tralien-8","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=17514","title":{"rendered":"Aus Tralien #8"},"content":{"rendered":"<p>Im Flug, 6.8.<br \/>\nIm Flugzeug gibt es jetzt ein eigenes Lichtlein f\u00fcr das Verbot elektronischer Zigaretten.<br \/>\nAu\u00dferdem: Integriert in das Display ein Kompass, der immer Mekka anzeigt. Stelle mir vor: Wenn das Flugzeug abst\u00fcrzt, also wenn selbst hartgesottene Atheisten die H\u00e4nde falten \u2013 wenn dann aber die Bordelektronik ausf\u00e4llt und die Mekkarichtung nicht verf\u00fcgbar ist. Auch ein Trudelflug w\u00fcrde das Richtungsbeten sehr schwierig machen. So bleibt ausgerechnet das wohl wichtigste Gebet des Lebens unerh\u00f6rt.<br \/>\n\u00bbAuf dem Sterbebett werden alle katholisch.\u00ab (Harald Schmidt). Ernst J\u00fcnger prahlte damit, dass er im Ersten Weltkrieg angesichts der Stahlgewitter nicht gen Himmel flehte \u2013 doch im Alter von 101 lie\u00df er sich dann taufen. Aber nicht so: Voltaire! Verweigerte bis zuletzt die Sakramente. <\/p>\n<p>D\u00fcrfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis es einen Flugzeugabsturz gibt, bei dem alle Insassen ums Leben kommen, aber von dem Handyvideos der letzten Minuten drinnen gefunden werden und die ins Netz gelangen.<\/p>\n<p>Melbourne, 7.8.2016<\/p>\n<p>Die erste \u00dcbernachtung in einem Privathaus. Eigentlich eine ruhige Gegend, aber just diese Nacht ist nebenan eine laute Party. Der Blick aus dem Fenster offenbart das Nachbarsgrundst\u00fcck als Venusst\u00e4tte, Silhouetten von Br\u00fcsten und aufgesteiften Schw\u00e4nzen, die in M\u00fcndern verschwinden, Frauen reiten im Gras liegende M\u00e4nner. Dort unten befindet sich ein ThinkTank des >savoir vivre<.\n\nMorgens gleich auf den Uni-Campus, im Caf\u00e9 ein Fr\u00fchst\u00fcck bestellt, das sich als Sandwich mit absurd vielen Fleischschichten entpuppt. Danach ins Uni-eigene Museum, irgendwie einfach zu fr\u00fch f\u00fcr Museumsgang. Aber eine sch\u00f6ne Ausstellung: Ein kokos\u00f6lbetriebener Filmprojektor zeigt eine Doku \u00fcber eine revolution\u00e4re Gruppe auf Neuguinea, die aufgrund eines Embargos Filmeprojektoren mit Kokos\u00f6l betrieben.\nDann Fahrt aufs Land, 1.5h hinaus in eine Kleinstadt von Melbourne-Aussteigern, wo ein kleines Konzert stattfindet. Mein Gastgeber Joel tritt auf; das St\u00fcck besteht im \u00f6ffentlichen Abh\u00f6ren neuer Mailboxnachrichten, von denen er gen\u00fcgend hat, und dann entscheidet er ob Speichern oder L\u00f6schen. Das andere St\u00fcck ist ein Anruf beim Finanzamt, bei dem man sich mit einem Stimmsample identifizieren kann, was der K\u00fcnstler durch eine live-Einspielung allerlei tr\u00f6tender Instrumente ersetzt. Fortan kann er sich in der australischen Finanzamthotline mit einer Tr\u00f6te ausweisen. (Was nat\u00fcrlich nicht funktioniert, wie er mehrmals vergebens versucht.)\n\nJoels weitere Performance-Ideen: Die Polizei rufen wegen einer L\u00e4rmbel\u00e4stigung und dann warten bis sie kommt, mit ihrem Erscheinen ist das St\u00fcck zu Ende.\nUnd: Mein Flughafenkonzept (\u201eEinen unaussprechbaren Namen haben und dann am Flughafen provozieren, dass man ausgerufen wird.\u201c) hat er umgesetzt, besitzt schon \u00fcber ein Dutzend Ausrufe nach seinem Namen, der nur allerdings ziemlich leicht aussprechbar ist.\n\nBeim Spaziergang sehe ich zum ersten Mal in meinem Leben einen in freier Wildbahn lebenden Papageien, bzw. sieht mutma\u00dflich zum ersten mal in seinem Leben ein in freier Wildbahn lebender Papagei mich (ebenfalls frei).\n\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Flug, 6.8. Im Flugzeug gibt es jetzt ein eigenes Lichtlein f\u00fcr das Verbot elektronischer Zigaretten. Au\u00dferdem: Integriert in das Display ein Kompass, der immer Mekka anzeigt. 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