{"id":17134,"date":"2016-06-30T05:21:00","date_gmt":"2016-06-30T03:21:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=17134"},"modified":"2016-07-02T16:23:19","modified_gmt":"2016-07-02T14:23:19","slug":"immaterial-27","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=17134","title":{"rendered":"Immaterial"},"content":{"rendered":"<p>Der Sound der Popmusik, der, anders als die meist live, also reproduktiv hervorgebrachte Neue Musik, akribisch im Studio, also auf der B\u00fchne ausget\u00fcftelt ist, und nahezu jahrgangsweise, also nie wechselt, zeigt, wie sehr der Parameter Klangfarbe ein Identifikationsmoment hat. Mir geht es zumindest so: Wenn es um heute zeitgem\u00e4\u00dfe, also veraltete Tonh\u00f6hen und Rhythmen geht, kann ich mich, was die Klangfarbe und Instrumentalaura betrifft, mit Lautsprecherklang st\u00e4rker, also gar nicht identifizieren als beispielsweise mit dem Klang eines Fagotts.<\/p>\n<p>Die Pendants im Akustischen zu den Ger\u00e4ten des Sehens. Die Brille, die Fensterglasbrille, f\u00fcr die Ohren. Der Geh\u00f6rgang als unendlicher Gang mit virginalen Membranen, das Trommelfell als Leinwand, als Buchseite einer Inkunabel. Der K\u00f6rper des H\u00f6rens ist die Partitur. Die durchl\u00e4ssige Haut der Membran, durch die man zwar keine Objekte sto\u00dfen kann, aber Wellen, den Sto\u00dfimpuls. Ein Tattoo, eine T\u00e4towierung h\u00e4tte nur Sinn auf dem Trommelfell, wo es niemand sehen kann.<\/p>\n<p>Das Spektrum eines Rhythmus, seine umgekippten Dauern, die umgekippte Zeit ins Denken. Das Denken mit Zeit f\u00fcllen. Das Kind mit dem Bade waschen.<br \/>\nDie Intellektualisierung der Musik seit der Atonalit\u00e4t hat nun einen Namen: Konzeptualismus.<\/p>\n<p>Diese \u201edumpfe Teleologie\u201c \u00fcber Materialdebatten zur endg\u00fcltigen Intellektualisierung der Neuen Musik mit dem Musikkonzeptualismus. Anh\u00f6ren tut man sich Neue Musik eh nicht oft, viel mehr redet man dar\u00fcber, das bringt der Konzeptualismus auf die Spitze.<\/p>\n<p>\u201eAlle Neue Musik hat konzeptuelle Anteile\u201c -> Achtung, Verw\u00e4sserungsgefahr, auf so einen Konzeptbegriff beruft sich im Zuge der Konzeptualismusmode dann jeder.<br \/>\nEtliche Beispiele, die im Diskurs genannt werden, sind nicht wirklich konzeptuell. Bisweilen wird einfach alles, was heute irgendwie mit Elektronik oder Video daherkommt, konzeptuell genannt. Trittbrettfahrerei auf dem Drittbrett.<\/p>\n<p>Negativer Black Metal<br \/>\nNegativer Speed Metal<br \/>\nNegativer Drone Doom Metal<br \/>\nNegativer Epic Hollywood Metal<br \/>\nNegativer Swedish Death Metal<br \/>\n\u2026<\/p>\n<p>Deleuze\/Guattari, Was ist Philosophie. Was ist Musikkonzeptualismus.<\/p>\n<p>Konzeptmusik ist der endg\u00fcltige Bruch mit der Klassik.<br \/>\nKonzeptualismus macht auch die H\u00e4sslichkeit der Atonalit\u00e4t endlich zum Programm, sie ist \u00e4u\u00dferst h\u00e4sslich.<\/p>\n<p>Am Ende \u00fcberlebt nicht sch\u00f6ne Musik, sondern diskursive. Neue Musik \u00fcberlebt nicht auf der B\u00fchne, das wenigste wird wiedergespielt, auch Sch\u00f6nberg wird kaum gespielt. Es \u00fcberlebt<br \/>\na)\tim Diskurs<br \/>\nb)\tals Reproduktion<br \/>\ndie Konzerte sind Werbung daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Begleitung zur Begleitung.<br \/>\nK\u00f6nnte ja den Minusbolero oder die linke Hand einer Mozartsonate in so eine Software einspeisen, die versucht, Begleitarrangements zu generieren.<br \/>\nTja und dass sowas dann immer in Endlosschleife geht, Begleitung zur Begleitung zur Begleitung, also immer ein Lucier-Konzept wird, das ist auch so ein Endpunkt der Musikgeschichte.<br \/>\nOder polyphone Musik so interpretieren, dass jede Stimme die Begleitung der anderen ist, als w\u00e4re es die Begleitung zu einer Melodie. Vielleicht k\u00f6nnte man Goulds Mozartinterpretation so erkl\u00e4ren.<br \/>\nHab mal (nat\u00fcrlich auf Facebook) das Konzept notiert, von einem Klavierkonzert den Solopart orchestrieren und dazu vom Orchesterpart den Klavierauszug spielen.<br \/>\nVor ca. 8 Jahren wollte ich auch mal musiktheoretisch was zu Begleitungen machen, &#8222;vom Albertibass bis zur Brucknerschen Klangfl\u00e4che&#8220;.<\/p>\n<p>Konzeptmusik \u2013 der Bezug zur Musik ist ein \u00dcbergangsbegriff, denn eigentlich stehen Konzepte hinter allen Medien. Der Neue Konzeptualismus, der von der Musik ausging, einhergehend mit dem conceptual writing, ist eigentlich der Konzeptualismus, der \u00fcber alle Medien geht. Konzeptk\u00fcnstler aller Medien, vereinigt euch! Also individualisiert euch.<\/p>\n<p>Konzeptualismus ist das Durchbrechen der Schallmauer.<\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg brachte das schwarze Quadrat und das Readymade.<\/p>\n<p>Wechsel von der Bewusstseins- zur Sprachphilosophie in der Musik. Wittgensteinway B.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Sound der Popmusik, der, anders als die meist live, also reproduktiv hervorgebrachte Neue Musik, akribisch im Studio, also auf der B\u00fchne ausget\u00fcftelt ist, und nahezu jahrgangsweise, also nie wechselt, zeigt, wie sehr der Parameter Klangfarbe ein Identifikationsmoment hat. 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