{"id":15836,"date":"2015-10-05T05:15:28","date_gmt":"2015-10-05T03:15:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=15836"},"modified":"2015-10-05T13:08:02","modified_gmt":"2015-10-05T11:08:02","slug":"warum-antragskonzepte-bullshit-sind","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=15836","title":{"rendered":"Warum Antragskonzepte Bullshit sind"},"content":{"rendered":"<p>Komponistinnen und Instrumentalisten und wahrscheinlich K\u00fcnstlerinnen aller Sparten kennen das: Es m\u00fcssen F\u00f6rderantr\u00e4ge geschrieben werden. <\/p>\n<p>Eigentlich k\u00f6nnte es ganz simpel sein. Komponistin Y schreibt:<\/p>\n<p>\u201eIch habe eine k\u00fcnstlerische Vision, daf\u00fcr brauche ich XXXXX \u20ac, anhand bisheriger Arbeiten sehen Sie, was f\u00fcr ein toller Hecht ich bin, bitte vertrauen Sie mir also und geben mir die Kohle, ich gebe mein Bestes, dass dann wieder was tolles draus wird.&#8220;<\/p>\n<p>Ist das arrogant, selbstbezogen? Nein, das ist die Wahrheit k\u00fcnstlerischer Produktion. Und darum soll es doch letztlich gehen, dass da was tolles rauskommt am Ende. <\/p>\n<p>Sowieso: Es fehlen die k\u00fcnstlerischen Visionen. Und daran sind nicht unbedingt die K\u00fcnstlerinnen schuld &#8211;<\/p>\n<p>Die Wahrheit der Antragsstellerei ist wiederum eine andere. Da n\u00e4mlich soll fast immer erst mal ein Konzept des neu zu schreibenden Werks eingereicht werden. <\/p>\n<p>Aber erstens kann nicht jedes noch gar nicht geschriebene Musikst\u00fcck schon oder \u00fcberhaupt jemals auf ein Konzept heruntergebrochen werden (es ist ja nun beileibe und Gottseidank nicht so, anders als Rainer Nonnenmann <a href=\"http:\/\/musiktexte.de\/WebRoot\/Store22\/Shops\/dc91cfee-4fdc-41fe-82da-0c2b88528c1e\/MediaGallery\/Kommentar_146.pdf\">behauptet<\/a>, dass jetzt \u00fcberall Konzeptmusik am Start w\u00e4re), zweitens selbst wenn, dann ist bereits das Entwickeln eines Konzepts harte Arbeit (ich wei\u00df, wovon ich spreche), die macht man vielleicht mal, aber durchaus auch nicht ohne Finanzierung, drittens liegt es in der Natur des k\u00fcnstlerischen Prozesses, dass sich im Lauf der Arbeit das Werk wom\u00f6glich diametral \u00e4ndert, und darum fragt (viertens) sp\u00e4ter auch eh keiner, ob jenes Ursprungskonzept denn auch wirklich 1:1 umgesetzt wurde; ich hab mich noch nie an ein Konzept gehalten, das anf\u00e4nglich f\u00fcr einen Antrag geschrieben wurde. Tats\u00e4chlich l\u00e4uft es so: Man schreibt f\u00fcr den Antrag irgendein Konzept was sich catchy anh\u00f6rt, Monate sp\u00e4ter kommt g\u00fcnstigenfalls die Zusage und noch viel sp\u00e4ter f\u00e4ngt man mit der eigentlichen Arbeit an und dann hat man ganz andere Ideen, und die realisiert man dann. F\u00fcnftens: K\u00fchne Konzepte erweisen sich erst in der Realisation, auf dem Papier kommt man damit gar nicht durch &#8211; ich halte es f\u00fcr \u00e4u\u00dferst unwahrscheinlich, dass ich f\u00fcr <a href=\"http:\/\/www.kreidler-net.de\/productplacements.html\">product placements<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.kreidler-net.de\/werke\/minusbolero.htm\">Minusbolero <\/a>irgendwo per Antrag re\u00fcssiert h\u00e4tte. Sowas geht nur mit k\u00fcnstlerischem Blanko-Kredit.<\/p>\n<p>Darum w\u00e4re es viel sinnvoller, nein, das einzig Sinnvolle, wenn man als Referenz bisherige Arbeiten einreicht (wird ja meistens auch verlangt), und <em>allein <\/em>auf deren Basis, anhand dieser Vorarbeit entscheidet die Jury \u00fcber die Vergabe. In der Regel schafft jemand, der schon mal gute Arbeit geleistet hat auch wieder eine gute Arbeit. Versaut sie es dann, wird es halt in Zukunft schwerer f\u00fcr sie, und einmalig ist es schade um die Mittel. Aber auch ein vorab pr\u00e4sentiertes Konzept muss sich ja erst in der Realisierung bew\u00e4hren.<\/p>\n<p>Der einzig problematische Punkt daran ist, dass eine bestimmte F\u00f6rdersumme im Antrag taxiert werden muss, das hei\u00dft, man muss zumindest schon mal wissen, was die wie-auch-immer-sich-realisierende Vision wohl kosten wird. Hier ist auch etwas logistische &#8218;Visionsf\u00e4hgkeit&#8216; und Anbindung an einen konkreten materiellen Rahmen geboten. Das ist aber freilich m\u00f6glich mit gewisser Erfahrung. Dar\u00fcber hinaus jedenfalls sollte ein Verfahren des Vertrauens installiert werden, statt dass diese \u00e4rgerliche, absurde Vorab-Konzepterei waltet, die praxisfern, unn\u00f6tig und innovationsfeindlich ist.<\/p>\n<p>Mir geht das schon l\u00e4nger durch den Kopf, habe auch in meiner Lecture in Darmstadt 2012 kurz darauf hingewiesen, dass der Neue Konzeptualismus durchaus an solchen Institutionsstrukturen &#8211; at its worst &#8211; ersichtlich wird (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=T-kEs_RIiiE\">Video<\/a>, finde jetzt leider nicht die genaue Stelle); jetzt komm ich mal expressis verbis darauf, weil Martin Gr\u00fctter das Ganze sehr treffend beschrieben hat &#8211; alles was ich hier schreibe sind nur meine 2 Cent hierzu:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mozartzuvielenoten.de\/2015\/09\/konzepte-sind-mist\/\">http:\/\/www.mozartzuvielenoten.de\/2015\/09\/konzepte-sind-mist\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Komponistinnen und Instrumentalisten und wahrscheinlich K\u00fcnstlerinnen aller Sparten kennen das: Es m\u00fcssen F\u00f6rderantr\u00e4ge geschrieben werden. 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