{"id":15556,"date":"2015-07-24T05:47:15","date_gmt":"2015-07-24T03:47:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=15556"},"modified":"2015-08-01T10:30:43","modified_gmt":"2015-08-01T08:30:43","slug":"immaterial-21","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=15556","title":{"rendered":"Immaterial"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;So einfach ist es nicht. Es ist viel einfacher.&#8220;<\/p>\n<p>\u00bbMan glaubt gar nicht, wie schwer es oft ist, eine Tat in einen Gedanken umzusetzen!\u00ab<br \/>\nKarl Kraus<\/p>\n<p>Das Konzept soll keinen Eingriff n\u00f6tig haben, es soll seinen eigenen Verlauf nehmen. (LeWitt). Aber was hei\u00dft das. Sehnsucht nach Objektivit\u00e4t, nach der Kraft des Au\u00dferindividuellen, <em>etwas gr\u00f6\u00dferes<\/em>, der Wahrheit des Kollektivgeistes, der geschichtlichen Bewegung selbst. Meese: Die Diktatur der Kunst.<br \/>\nDie sch\u00f6pferische Kraft des Intersubjektiven, die Kraft des bereits Vorhandenden, aber noch nicht Angezapften. Das Bereits Existierende ist der K\u00fcnstler \/ die K\u00fcnstlerin. Jedes Kunstwerk, das geschaffen wird, hat schon kurz davor existiert, aber ward noch nicht gesehen.<br \/>\nKrise der Gestaltung seitens des K\u00fcnstlers, der Form, des Rhythmus&#8216;, der Zeit, der Expressivit\u00e4t.<br \/>\nKritik der Krise<\/p>\n<p>Bei den fr\u00fchen Atonalen hie\u00df es: \u201eIst das noch Musik\u201c<br \/>\nBeim der Konzeptmusik hei\u00dft es \u201eWird das noch Musik\u201c<\/p>\n<p>Die Konzeptmusik ist Kunst mit Musik, also Kunst mit den Elementen der Musik, oder Kunst \u00fcber Musik, Kunstt\u00e4tigkeiten (Performance, Video, Objekte) die von Musik handeln. Wird das noch Musik? Bei Audioguide lasse ich sagen: A Music theater about Music is also a Music theater.<br \/>\nSo wie man sagen kann, dass Nietzsches Philosophie eine Psychologie der Philosophie war.<\/p>\n<p>\u201aWenn ich \u00fcber die Musik reden k\u00f6nnte, br\u00e4uchte ich sie ja nicht mehr komponieren\u2018. Man kann aber \u00fcber Musik reden, und vielleicht muss man alles durch Sprache ersetzen, was sich durch Sprache ersetzen l\u00e4sst. Belastungstest, konzeptuelle Reinigung. Konzeptuelle Befreiung.<\/p>\n<p>Vergleichen mit Variation: Im Gegensatz zur Variation eines Themas \/ entwickelnde Variation sind die Realisierungen von Konzepten die Realisierung eines nur abstrakt, ideell vorhandenen Themas (vgl. Platon). Varianten.<\/p>\n<p>Bewusste Verw\u00e4sserung des Kunstanspruchs<\/p>\n<p>Etwas konzeptualisieren: Versteifung \/ Aufsteifung<\/p>\n<p>Prozeptualismus<\/p>\n<p>Gadgetism<\/p>\n<p>indirektal<\/p>\n<p>Abstraktion als Folge von Trauma (Serialismus, Stockhausen)<\/p>\n<p>Der Minusbolero ist dekadent. (H.L.)<\/p>\n<p>&#8222;Alle Ideen sind Kunst, wenn sie sich auf Kunst beziehen&#8220; (LeWitt, S\u00e4tze \u00fcber konzeptuelle Kunst)<br \/>\nAlle Ideen sind Musik, wenn sie sich auf Musik beziehen.<\/p>\n<p>Da Konzeptualismus das Wesen der Abstraktion ist, kommen immer welche, die Konzepte schon \u00fcberall in der Musikgeschichte entdecken &#8211; sie nutzen eben die Macht der Abstraktion.<\/p>\n<p>Was ist das tolle, das Ph\u00e4nomenale, das Begl\u00fcckende am NK.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Rigoroser als Kant hat jedoch Husserl Zugangsweisen und Gegebenheitsweisen miteinander identifiziert und damit jeden Dualismus vermieden. Jenseits unschuldiger Pr\u00e4senz formuliert die Ph\u00e4nomenologie eine aufs Kategoriale gerichtete Anschauungslehre und schl\u00e4gt insofern eine \u00e4hnliche Richtung ein wie Cassirers Symboltheorie: Inferiorisierung der Sinne gegen\u00fcber dem Bewu\u00dftsein. Was dann erscheint, bildet nichts Vorgegebenes mehr, nicht einmal die negative Auszeichnung eines Unverzichtbaren, vielmehr ist das Gemeinte immer schon das Kategoriale, was davon entbindet, \u00fcberhaupt noch von einer Selbstgegebenheit der Dinge zu sprechen. Wahrnehmen bedeutet entsprechend eine in Modalit\u00e4ten erfassende Aufmerksamkeit:<\/p>\n<p>Farben entstehen im Akt des Sehens, wie Kl\u00e4nge im Proze\u00df des H\u00f6rens oder Topographien von Oberfl\u00e4chen im Moment ihres Ertastens, und zwar so, da\u00df ihnen eine \u00bbBedeutung\u00ab beigelegt wird. Noch in der schlichtesten Wahrnehmung liegt ein Abzielen und Vermeinen, eine \u00bbZuwendung [&#8230;] auf das Seiende\u00ab, wobei die Struktur der Wahrnehmung das Wahrgenommene in einer \u00bbunendlichen Erf\u00fcllungssteigerung\u00ab allererst konzeptualisiert.<\/p>\n<p>Nicht Dinge kommen in die Sicht, sondern \u00bbAbschattungen\u00ab und \u00bbAnsichten\u00ab, die sie darstellen. So tritt die sinnliche Anschauung gegen\u00fcber der Vorstellung zur\u00fcck: Sehen entspeicht Akten des Bedeutens, und Wahrnehmen hei\u00dft Entwerfen. Husserl nimmt auf diese Weise die analytische These von der Konstruktivit\u00e4t der Wahrnehmung ph\u00e4nomenologisch vorweg. Die Position gilt programmatisch bereits f\u00fcr die <em>Logischen Untersuchungen: <\/em>\u00bbFingieren wir ein Bewu\u00dftsein vor..; und ingHchenJ^ an, wahr, nicht den Flug des Vogels oder das Bellen des Hundes: Einem solchen. Bewu\u00dftsein bedeuten die Empfindungen nichts, sie gelten ihm nicht als Zeichen; sie werden schlechthin erlebt, ermangeln aber einer J&#8230;] objektivierenden Deutung.. \u00ab Favorisiert wird das \u00bbAls-was\u00ab: Wahrnehmung geschieht intentional; sie meint immer ein auf \u00bbetwas als etwas\u00ab fokussiert, mithin von Anbeginn an mit einer konstitutiven Als-Struktur. Nicht das \u00bbDa\u00df\u00ab (<em>quod<\/em>) von Eindr\u00fccken z\u00e4hlt, sondern ihre lesbaren Attribute. Evidenzen ohne Bedeutungen oder Vermittlungen sind dem Wahrnehmenden verwehrt: \u00bbSprechen wir von Tieren, von Pflanzen, von St\u00e4dten, H\u00e4usern usw., so meinen wir damit von vornherein Dinge der Welt [&#8230;]. Die Dinge sind erfahren als Baum, Strauch, Tier, Schlange, Vogel; im besonderen als Tanne, als Linde, als Holunderstrauch [&#8230;] usw.\u00ab<\/p>\n<p>Die auf diese Weise antizipierte Semantisierung der Wahrnehmung l\u00e4\u00dft jede auratische Gew\u00e4hrung obsolet erscheinen. Wie sich ihr Konstruktivismus nach Paul Virilio einer durchg\u00e4ngigen Technisierung verdankt, spiegelt sich umgekehrt in ihrer Semantisierung eine tiefgreifende Mediatisierung der Lebenswelt. Das Sinnliche zeigt sich immer schon als sinnhaft erschlossen und von den Registern der Interpretation, ihren Lekt\u00fcren und Relek- t\u00fcren beherrscht. Unterstellt wird ein Zeichenuniversum, dem alles zur Kodierung, zur Kommunikation, zum Diskurs oder zum Medium wird: Triumph einer Immaterialisierung, die aus Sehen und H\u00f6ren selbst noch eine Textur macht und das Sichtbare wie H\u00f6rbare in eine diskrete Reihe von Schnitten zerlegt, die sie zuletzt der Schrift an\u00e4hneln. Dann betreibt der Sehende oder H\u00f6rende nur mehr Symbolisierungen: Wesentlich erscheinen allein die manipulativen Effekte, das Spiel von Signifikanzen oder die Muster ihrer Inszenierung, die zwar deren prinzipielle Variation und Ver\u00e4nderbarkeit konstatieren, die gleichwohl ihr Aisthetisches so weit entsinnlichen, da\u00df es, wie schlie\u00dflich bei Derrida, in eine generelle Absenz ger\u00e4t: \u00bbNun ich wei\u00df nicht, was Wahrnehmung ist, und ich glaube nicht, da\u00df es so etwas wie Wahrnehmungen gibt.\u00ab Entsprechend erweisen sich die Zeichenketten als \u00bbdicht\u00ab; ihnen eignet eine Undurchdringlichkeit, aus der Blick und Ohr sowenig herauszuf\u00fchren verm\u00f6gen wie die taktile oder haptische Sensibilit\u00e4t; vielmehr erblicken, h\u00f6ren oder f\u00fchlen diese immer nur schon Gesehenes, Geh\u00f6rtes oder Ertastetes, das hei\u00dft Wahrgenommenes im Modus von Wiederholung und Versp\u00e4tung.<\/p>\n<p>Folglich erscheinen auch das Ereignis der Wahrnehmung, die Augenblicke der Affektion, des Eindrucks selbst nachtr\u00e4glich. Es setzt die r\u00fcckhaltlose Totalisierung von Signifikation bereits voraus: Aisthetik nimmt einen Platz inmitten der unabschlie\u00dfbaren Serien von Differenzen und Vermittlungen ein, unterliegt ihrer Struktur, partizipiert an der Selbstreferentialit\u00e4t der Marken, die nicht einmal elementare Erfahrungen wie Ekel oder Schmerz als zerrei\u00dfende und jede signifikante Ordnung sprengende Kraft zulassen. Dem korreliert ein <em>Verschwinden von Materialit<\/em><em>\u00e4<\/em><em>t.<\/em>Angezeigt w\u00e4re somit eine Krise der <em>Aisthesis, <\/em>die mit dem Regime des Symbolischen, seiner Formate und Gewebe zusammenf\u00e4llt und die auch da noch besteht, wo auf die vermeintliche Authentizit\u00e4t von Wahrnehmungen ausdr\u00fccklich wieder gepocht wird.<br \/>\nDieter Mersch<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Konzeptualist schafft auf jeder Gr\u00f6\u00dfenordnung Rahmen, nicht nur im Standard-Werk. Der Konzeptualist ist viel flexibler als alle anderen. Und er l\u00f6st den Werkbegriff nicht auf, sondern verst\u00e4rkt ihn. Werk ist jetzt viel mehr, viel mehr kommt zu Werkw\u00fcrde.<\/p>\n<p>Auch: etwas zum Gegenstand der Spekulation machen (den Konzeptualismus stark machen \/ zum Objekt der Spekulation machen)<\/p>\n<p>Das Unverst\u00e4ndliche &#8211; nicht das Unbegreifliche \u2014 ist die Empf\u00e4ngnis (conception), die Entstehung des Begriffs (concept) ausgehend von der reinen besonderen Eigent\u00fcmlichkeit, die Er\u00ad zeugung des besonderen Eigent\u00fcmlichen (unendliche Bestim\u00ad mung) ausgehend vom Begriff, das Objektwerden des Subjekts, das Subjektwerden des Objekts.<\/p>\n<p>Trauerarbeit als Arbeit der Zunge\/Sprache (langue), der Z\u00e4hne und des Speichels, auch des Schluckens, der Assimilation und des R\u00fclpsens. (Derrida)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist also das Gr\u00fcndungsmanifest des Neuen Konzeptualismus:<\/p>\n<p>&#8222;Mit der Musikfo\u0308rderung des Bundes will die Koalition den Ansatz einer konzeptorientierten Kulturfo\u0308rderung weiter- entwickeln. Die Gru\u0308ndung eines Musikfonds auf Bundes- ebene fu\u0308r die Entwicklung der zeitgeno\u0308ssischen Musik- kultur hilft, eine Lu\u0308cke im Fo\u0308rdersystem zu schlie\u00dfen.&#8220;<\/p>\n<p>(Koalitionsvertrag der CDU\/CSU\/SPD Bundesregierung 2013, S. 92)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;So einfach ist es nicht. Es ist viel einfacher.&#8220; \u00bbMan glaubt gar nicht, wie schwer es oft ist, eine Tat in einen Gedanken umzusetzen!\u00ab Karl Kraus Das Konzept soll keinen Eingriff n\u00f6tig haben, es soll seinen eigenen Verlauf nehmen. (LeWitt). Aber was hei\u00dft das. Sehnsucht nach Objektivit\u00e4t, nach der Kraft des Au\u00dferindividuellen, etwas gr\u00f6\u00dferes, der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":"","footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-15556","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-theorie"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15556"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15556"}],"version-history":[{"count":18,"href":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15556\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15651,"href":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15556\/revisions\/15651"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15556"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15556"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15556"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}