{"id":13851,"date":"2014-09-24T13:14:58","date_gmt":"2014-09-24T11:14:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=13851"},"modified":"2014-10-09T12:33:17","modified_gmt":"2014-10-09T10:33:17","slug":"kleine-weltreise-tagebuch-17","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kulturtechno.de\/?p=13851","title":{"rendered":"Kleine Weltreise &#8211; Tagebuch #17"},"content":{"rendered":"<p>Gedanken im Flugzeug \u00fcber die Kritiken am Neuen Konzeptualismus. <\/p>\n<p>Ganz bescheuert: moralische (Fremdarbeit). Wenn es wenigstens um Geld ginge, dann w\u00e4re es noch ehrlich, der NK ist ja nicht (mehr) nur Internetph\u00e4nomen, sondern Festivalpolitik. Aber in Darmstadt wusste man auf dem Panel nicht besser zu kritisieren, als dass das ja nicht gehen w\u00fcrde, was in dem St\u00fcck getrieben w\u00fcrde. Abgesehen davon ist das St\u00fcck zwar ein wohl ganz ordentliches Beispiel, aber doch nur begrenzt repr\u00e4sentativ f\u00fcr den NK.<\/p>\n<p>Auch das Gerede, das sei keine Musik. Das hat man \u00fcber die Atonalit\u00e4t auch gesagt. Peymann verlautbart auch immer noch, was Castorf macht sei kein Theater, weil jener Video einsetzte.<br \/>\nEs handelt sich um den erweiterten Musikbegriff, den man theoretisch gut herleiten kann. Es gibt nat\u00fcrlich auch immanentistische Musik, aber das sind dann Geschmacksfragen und Aufassungen \u00fcber Innovation. Der Essay \u201eDer erweiterte Musikbegriff\u201c erscheint demn\u00e4chst, im Schriftenband der Donaueschinger Musiktage \u201914, darin setze ich mich sehr ausf\u00fchrlich mit \u201eautonomer\u201c und \u201eabsoluter\u201c Musik, sowie dem \u201eerweiterten Musikbegriff\u201c auseinander.<\/p>\n<p>Wer \u00fcber den NK sagt, das seien harmlose Gags, \u00fcbersieht, dass es eine inhaltliche und eine formale Ebene gibt, ausserdem eine historische. Manche Inhalte sind nur Folie. Charts Music definiert Neue Musik neu, das ist vielleicht der gr\u00f6\u00dfere Beitrag als der zur Finanzkrise \u2013 wobei auch hier die Interpretation erst losgeht, wenn man mal zum Vergleich den Werbespot von Microsoft f\u00fcr die Software sieht, in dem just jenes traute Heim besungen wird, dass auf Pump gekauft wurde und die Krise ausl\u00f6ste. Songsmith ist urs\u00e4chlicher Teil der Krise. Die Melodien sind mehr als sarkastisch, sie sind plastisch.<\/p>\n<p>Dass das kleine St\u00fccke sind, ja nun, es sind Miniaturen; Miniaturen sind Miniaturen sind Miniaturen. Magrittes Bilder sind auch konzeptuelle Miniaturen. Die N\u00e4he des NK zum Surrealismus w\u00e4re eine eigene Untersuchung wert.<\/p>\n<p>Was ich wesentlich ernster nehme sind zwei Kritiken: Dass hier eine zu starke Reduktion betrieben wird auf eine Idee. Nach Musil ist der Aphorismus \u201edas kleinste m\u00f6gliche Ganze\u201c. In der Tat ist der NK eine L\u00f6sung f\u00fcr das Formproblem, indem dieses aus der Zeit in die Idee verlagert wird. Ein Ganzes aber kann es heute eigentlich nicht mehr geben, unsere Welterfahrung ist eine andere. Aber darum die zusammengesetzten Formen, die Sammlung vieler kleiner St\u00fccke zu etwas Gr\u00f6\u00dferem, darum auch die ph\u00e4nomenologische Zusammenfassung zu dem Ausdruck \u201eNeuer Konzeptualismus\u201c, zu dem jedes einzelne St\u00fcck und noch jeder kleine Scherz auf Facebook beitr\u00e4gt. Insofern ist der NK alles andere als ein Ganzes, sondern v\u00f6llig offen, eine Zersetzung des angestammten Werkbegriffs und deutet die Welt mannigfach. <\/p>\n<p>Die andere ernstzunehmende Kritik: der Logozentrismus des NK. Klar, es gibt St\u00fccke, bei denen das Klingende nach tradiertem Verst\u00e4ndnis subaltern ist. Aber dennoch geht es doch immer auch um ein Verh\u00e4ltnis zur Wahrnehmung, wenn auch vielleicht nur als Erinnerung; nie jedoch um baren Ersatz. Das nicht\u00e4sthetische Kundtwerk gibt es nicht. Die Sprache einer Textpartitur ist keine Amtssprache, und das Konzept ist nicht identisch mit der Interpretation \u2013 manchmal geradezu im Gegenteil.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gedanken im Flugzeug \u00fcber die Kritiken am Neuen Konzeptualismus. Ganz bescheuert: moralische (Fremdarbeit). Wenn es wenigstens um Geld ginge, dann w\u00e4re es noch ehrlich, der NK ist ja nicht (mehr) nur Internetph\u00e4nomen, sondern Festivalpolitik. 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